Wie eine Frau Berlin geprägt hat – und warum sie ging und zurückkam | Was für ein Leben - Folge 6
Shownotes
Eine Frau, viele Szenen.
New York in den 80ern, Westberlin kurz vor dem Mauerfall, das wilde, offene Berlin der 90er – und mittendrin: Danielle de Picciotto. Multimediakünstlerin, Musikerin, Modedesignerin, Autorin, Filmemacherin – und eine der prägendsten Figuren der Berliner Szene. Gemeinsam mit Dr. Motte initiierte sie 1989 die erste Love Parade – damals noch ein kleiner Umzug auf dem Kurfürstendamm, der später Musikgeschichte schreiben sollte. Doch ihre Geschichte geht weit darüber hinaus. Danielle kommt Ende der 80er nach Berlin – in eine Stadt im Umbruch. Freiräume entstehen, kreative Szenen wachsen, Clubs wie der Tresor oder das E-Werk prägen eine neue Kultur zwischen Ost und West. Als Künstlerin und Kuratorin ist sie mittendrin: Sie organisiert Ausstellungen, gründet Netzwerke, bringt internationale Künstler*innen zusammen und gestaltet das kreative Berlin der 90er aktiv mit. Doch irgendwann kehrt sie der Stadt den Rücken. Zu viel Veränderung, zu viel Kommerz. Jahre später kommt sie zurück – mit neuem Blick auf eine Stadt, die sich weiterentwickelt hat und doch immer noch diese besondere Energie in sich trägt. FluxFM-Redakteur Matti Geyer hat mit Danielle de Picciotto über diese Zeit gesprochen. Über Aufbruch, Freiheit und kreative Explosion – aber auch über Abschied, Veränderung und Rückkehr.
Habt ihr eine Geschichte für uns? Kennt ihr jemanden, der oder die ein außergewöhnliches Leben geführt hat?
Eine Geschichte, die man einfach hören muss? Dann schreibt uns an matti.geyer@fluxfm.de
– vielleicht wird genau daraus eine der nächsten Folgen von "Was für ein Leben".
Zum Host des Podcasts: Matti Geyer arbeitet als Redakteur beim Berliner Radiosender FluxFM. Speziell durch seine Arbeit als Stadtführer von toursofberlin bringt er Expertise in Sachen Historie ins Programm ein.
Transkript anzeigen
00:00:02: Flux-FM, was für ein Leben.
00:00:05: Außergewöhnliche Biografien auf Flux Fm!
00:00:08: Diesmal gehen wir nicht ganz so weit zurück in die Geschichte sondern dahin wo Berlin plötzlich laut und schrill wurde in die achtziger und neunziger.
00:00:16: Die Stadt ist im Umbruch alles offen und möglich und mittendrin Daniel der Pichotto.
00:00:22: Künstlerin, Szenefrau und Macherin – eine die Berlin nicht nur erlebt sondern wirklich mitgestaltet hat.
00:00:28: Zusammen mit Dr.
00:00:29: Motte hat sie in den letzten Jahren die erste Love Parade auf die Straße gebracht.
00:00:33: Damals waren es noch nicht Millionen von Menschen die mitgezogen sind, sondern nur hundertfünfzig Leute, ein paar Boxen und eine ziemlich coole Idee!
00:00:41: Ich habe mit ihr gesprochen über genau diese Zeit aber auch über Berlin, über Aufbruch, Chaos und warum sie irgendwann gegangen ist.
00:00:49: Mein Name ist Marti Geier und das ist Was für ein Leben.
00:00:54: Und das ist meine Geschichte, außergewöhnliche Lebensgeschichten auf Flux FM!
00:01:01: Du hast New York in den Achtzigern miterlebt?
00:01:04: Wie war das?
00:01:05: Hart.
00:01:06: also ich bin dahin gegangen um zu studieren und das war sehr hart.
00:01:11: Also New York an Achtzigan war wirklich lebensbedrohlich Aber es hatte ein totales Flair.
00:01:19: Also, da waren die Anfänge von ganz vielen Musikrichtungen und ich hab damals Mode-und Illustration studiert ... Mhm.
00:01:26: Und hab Leute wie Mark Jacobs kennengelernt.
00:01:29: Ah ja?
00:01:29: Also Diane Brill, Andy Warhol habe ich gesehen.
00:01:33: Da waren die ganzen Keith Herring... Diese ganzen Größen waren überall am rumlaufen und die konnte ich noch mitbekommen.
00:01:41: Das war ziemlich toll!
00:01:43: Affregend.
00:01:44: Ja.
00:01:44: Das war sehr inspirierend.
00:01:45: Und New York hat auch irgendwas, was einen dazu bringt irgendwie so eine gewisse Qualität haben zu wollen.
00:01:55: Also das fordert alles von einem und da hab ich viel gelernt.
00:02:00: Warst
00:02:00: du gewohnt?
00:02:01: Am Anfang in Queens bei meinem Vater in Forest Hills, wo die Ramones auch herkommen ... Und dann bin ich nach Manhattan und hab dann unterschiedliche Wohnungen untergemietet.
00:02:13: Wo bist du groß geworden?
00:02:15: Also, ich bin in der Koma geboren.
00:02:17: Mein Vater war an der Armee Zahnchirurg ... Deswegen sind wir jedes Jahr umgezogen.
00:02:22: Ich bin in den Koma geborgen, ich kann mich auch nicht drinnen erinnern.
00:02:24: Wir sind nach drei Monaten ungezogen, dann nach Denver, Colorado, Michigan, Washington
00:02:30: D.C.,
00:02:31: irgendwann mal nach New York.
00:02:34: Und wie kam dann die Idee dazu, nach Berlin zu ziehen?
00:02:37: Also meine Mutter ist Deutsch und meine Eltern haben sich dann irgendwann mal getrennt.
00:02:44: Ich bin dann nach Deutschland und habe da erst einmal Kunst studiert an einer Kunsthochschule und bin dann aber wieder zurück nach New York gegangen, um da weiter zu studieren.
00:02:53: Aber in den
00:02:54: Siebenundachzig bist du nach Westberlin gezogen?
00:02:56: Genau!
00:02:57: Und das war eigentlich per Zufall weil ich hatte eine Freundin die Berlin gezogen war und ich wollte eigentlich zurück nach NY.
00:03:04: Sie hat gesagt komm doch mal nach Berlin mich besuchen, da war ich noch nie gewesen... ...und dann habe ich sie besucht und sie wohnt in so einer riesigen Fabriketage.
00:03:12: also es waren siebenhundert Quadratmeter und haben fünf Leute gewohnt und jeder hat dreißig Mark bezahlt Miete Und da war ein Zimmer frei.
00:03:20: Da meinte sie, wenn du Lust hast, kannst du eins ziehen?
00:03:22: Bin ich sofort eingezogen.
00:03:24: Was war dein erster Eindruck von Berlin?
00:03:26: Ich hab mich sofort verliebt.
00:03:28: Also, Berlin war damals natürlich ganz anders.
00:03:31: Erst mal musste man durch diese ganzen Kontrollen ... und ich war Amerikanerin.
00:03:36: Das heißt, ich konnte durch Checkpoint Charlie.
00:03:39: Es war wie so eine Zeitkapsel.
00:03:42: Man hatte das Gefühl, dass man in einer Zeit dort lebte, die es eigentlich gar nicht mehr gibt.
00:03:48: Also das Zeitgefühl war ein ganz anderes als irgendwo auf der Welt.
00:03:52: Man hatte das Gefühl, es gab keine wirkliche Zeit, es war irgendwie stehengeblieben.
00:03:56: Dadurch dass es auch so abgekapselt war und so ruhig ... Es waren ja sehr wenig Leute da.
00:04:01: War das auch eine Stille?
00:04:03: Also es gab nicht viel Verkehr!
00:04:05: Und man hat das Gefühl... Wir heißen diese Weihnachtskugeln, wo es schneit.
00:04:12: Dass man so an der Kugel drin ist und in seiner eigenen kleinen Welt.
00:04:16: Und das ist ganz still und auf aller Fälle nicht gefährlich, nicht so gefährlich wie New York.
00:04:22: Hast du einen Kreuzberg?
00:04:22: oder wo hast Du gewohnt?
00:04:23: Ich
00:04:23: war ein Kreuzberger!
00:04:25: Und Du bist auch in den Osten
00:04:26: rüber?!
00:04:28: Ich konnte in Osten rüber, weil ich, wie gesagt, Amerikanerin war.
00:04:31: Und ich hatte sofort am Anfang eine Freundin, also ein Mädchen kennengelernt, die auch Amerikanerinnen war und hätte ne Vespa ... Dann sind wir mal rübergefahren.
00:04:40: Das erste Mal, als ich rüber gefahren bin mit ihr, da war eine Party von Udo Lindenberg!
00:04:46: Und das war so meine erste Party im Osten.
00:04:49: Da hab ich auch teilweise Mitglieder von damals, also vor Ramstein.
00:04:54: die Musiker Sven Marquardt habe ich da kennengelernt.
00:04:57: Also ganz viele Leute, die dann später auch in West-Berlin, also quasi jetzt hier in Berlin dann auch erfolgreich wurden, habe ich damals kennengelernen alle wahnsinnig jung.
00:05:06: Ah deine Freundin war in der Szene mit drin?
00:05:08: Bekannte solche bekannten Leute oder wie?
00:05:11: Ja, die hatte die irgendwie kennengelernt.
00:05:13: Also da war eine ziemlich starke Künstlergruppe damals im Osten.
00:05:16: Das war so ne Gruppe aus Mode-Designern, Fotografen, Künstlern und Musikern Und die hat man eigentlich relativ schnell kennengelernen wenn man darüber gefahren ist und geguckt hat was es so gibt.
00:05:27: Und in Westberlin hast du die Leute kennengelettern über deine Freundin wahrscheinlich erst mal und...
00:05:32: Naja durch die Leute nach WG Genau Was waren
00:05:35: das für Leute?
00:05:36: Naja, das war ein ganz unterschiedlicher.
00:05:37: Also meine Freundin hatte viel mit Filmen zu tun die mich eingeladen hatte.
00:05:42: dann gab es eine Friseuse Gabi.
00:05:46: Die hat so für alle Musiker in Berlin die Haare geschnitten und da hat auch Roland Wolf gewohnt.
00:05:51: er war damals der Keyboarder von Nick Cave Und dadurch kamen dann die ganzen Bands in die Fabriketage um ihn zu besuchen also Einschliessend Neubauten, Crime in the City Solution, Nick Cave und so weiter.
00:06:02: Sie waren da im Prinzip die ganze Zeit, gingen
00:06:05: da einer raus?
00:06:05: Du musst ja vorgeflasht gewesen sein oder ständig so bekannte Persönlichkeiten...
00:06:09: Also ich hatte bevor ich dahin gegangen bin um meine Freundinnen zu besuchen in Köln noch Himmel über Berlin gesehen Und bin dann zwei Tage später dahin habe sie besucht und hab andauernd die Leute gesehen die im Film waren war total geflascht also ich.
00:06:23: deswegen bin ich auch geblieben.
00:06:26: Hattest du einen Lieblingsort in Westberlin?
00:06:28: Das Café Esplanade fand ich ganz toll.
00:06:31: Café esplanades?
00:06:32: Das
00:06:32: gibt's jetzt am Potsdamer Platz, das ist so umringt von Glas.
00:06:38: Achso!
00:06:38: Also das ist auch da wo Teile von Himmel über Berlin gedreht wurden.
00:06:43: Da wurden ganz viele Filme gedreet, das war teilweise noch ein bisschen so in ... also konnte man Sachen machen und da hab' ich auch meinen ersten Job gehabt, da habe ich glaube ich in der ersten Woche, war ich Kompase für den Film.
00:06:57: Den Ort mochte ich sehr.
00:06:58: Du hast dann auch schon Kunst gemacht in West-Berlin, oder?
00:07:01: Also am Anfang habe ich Modete sein, Kunst und Musik gemacht aber die Mode wurde dann ganz schnell untragbar weil ich angefangen hab so Gipskostüme zu machen.
00:07:10: Ah
00:07:10: okay!
00:07:11: Und dann habe ich gehört, ich bin eigentlich Künstlerin.
00:07:14: Berlin war ja nicht als Mode statt bekannt damals.
00:07:17: Naja eigentlich schon es gab eine total interessante Off-Szene.
00:07:21: Da gab's die Arwe Berlin, das war so eine Off-Mode-Messe.
00:07:25: Und die haben sich darin spezialisiert, untragbare Mode oder sehr ungewöhnliche Mode zu präsentieren.
00:07:31: Da hab ich ein paar Mal was gemacht und es war ziemlich verrückt!
00:07:35: Also damals hatte Berlin irgendwie den Ruf untragbare verrückte Mode zu machen wo aber die ganzen Designer hingekommen sind Ideen geholt haben.
00:07:46: Also uns wurden oft die Ideen auch geklaut von anderen Städten oder anderen Ländern, weil das so extrem war.
00:07:52: Aber ich meine, das konnten die meisten Leute nicht
00:07:54: tragen.
00:07:55: Also Keramik per Rücken oder Hosen ohne Beine also mehr für mehr junge Frauen und so.
00:08:04: Schräg?
00:08:04: Ja!
00:08:05: Du hast damals schon die einschölzenden Neubauten kennengelernt?
00:08:08: Ja, also die... Ich meine, einschälzende Neubauden da kam man drumherum in Berlin, also die waren so quasi natürlich die großen Lokalhelden.
00:08:18: Wobei ich hatte mit denen eigentlich nichts zu tun lange Zeit.
00:08:22: Ich habe mich so ein bisschen gewährt gegen dieses Phantom aber durch Roland der mit dem ihr zusammen dann dieser WG gewohnt hat hab' ich die einzelnen persönlich in der WG kennengelernt.
00:08:34: Ja
00:08:34: okay von allen Persönlichkeiten die du damals also jetzt in der Westberlinzeit kennengelernen hast wer es so jemand wird ja oder die rausgestochen ist?
00:08:42: Ach, da gibt's einige.
00:08:43: Also für mich an erster Stelle gutrunngut.
00:08:47: Die fand ich ... Das war so eine Superfrauenszene damals in Berlin.
00:08:51: Die waren ganz anders als die, die ich in Amerika kannte, die waren irgendwie taff!
00:08:55: Die wollten gar nicht dieses weibliche hilflose Blonde sein sondern eher dunkelhaarig und... Ich mach mal ein Ding selber und ich mache genau so extreme Musik wie die Typen.
00:09:08: Und die Männer waren ja eher irgendwie bisexuell damals.
00:09:12: Haben auch auf Kleider getragen, sich geschminkt und so.
00:09:15: Also Gender war damals auch schon ein großes Thema.
00:09:17: Und man hat versucht diese ganzen klassischen Gender zu brechen.
00:09:23: Transen und all das ist ... Das war alles damals sehr wichtig.
00:09:28: Das fand ich ganz toll.
00:09:29: Und Gudrun war eben in dieser Frauen-Szene einer der Ersten, die Frauenbands gegründet hat und einen Verlag gegründe hat um Frauenbands zu hypen.
00:09:39: Weil kein Fall... Also es war wirklich schwierig als Frauenplattenverlag zu bekommen.
00:09:44: Mit ihr habe ich ganz viel gemacht.
00:09:45: Die war auf alle Fälle sehr wichtig für mich.
00:09:47: Mortimer natürlich wichtig für me.
00:09:50: Westbam fand ich wichtig.
00:09:53: den fand ich total interessant, weil der immer so neugierig war musikalisch.
00:09:57: Also als ich ihn kennengelernt habe, war das auch ziemlich früh so und damals hat er eine Mischung aus Walzerabende und neue elektronische Musik und so gemacht.
00:10:08: ja und ich meine Alexander Halker hab ich damals auch total früh kennengelernet und... Das war einfach eine extrem kreative Szene und weil die so klein war konnte man die einzelnen Leute sehr früh gut kennenlernen.
00:10:22: Das ist anders als heute, ne?
00:10:23: Heute gibt es ja so irrsinnig viele und damals gab's vielleicht fünf Clubs oder Fünfbars wo alle abhängen.
00:10:31: Dadurch hat man sich wirklich gut kennengelernt.
00:10:33: Also Mota auch im Club kennengelernt, oder?
00:10:35: Ja ich habe glaube ich nach... also ich in der ersten Woche nach Berlin gekommen bin hab mich eine Freundin zu der Turbine hingebracht das war sein Club mir gesagt dass es gerade der beste Tanzclub sind.
00:10:45: wir da hintags über.
00:10:46: dann hat er die Tür aufgemacht weil er grade am Putzen waren.
00:10:49: da hab' ich ihn gleich kennengelernt, also fünf Tage nachdem ich nach Berlin gezogen bin.
00:10:53: Und dann meinte er gleich, willst du nicht hier arbeiten?
00:10:57: Ja.
00:10:57: Wie hast du den Mauerfall erlebt?
00:11:00: Tja das war verrückt.
00:11:02: In neunundachtzig war ich zum ersten Mal nicht in Berlin sondern in Graz wegen einer Modenschau und an dem Wochenende ist die Mauer gefallen.
00:11:12: Das war irgendwie ja, das war verrückt weil als ich losgefahren bin gab es sie noch.
00:11:16: Als ich zurückgekommen bin gab's keine Wachmenschen mehr.
00:11:21: Und als ich da war, hat mich dann Motte heulend angerufen und gemeint die Mauer ist weg!
00:11:25: Die Mauer is weg!
00:11:25: Ich kann bis nach Hamburg laufen... Das war eher sehr Berliner und für ihn war das unvorstellbar.
00:11:33: Also es haben mich viele Leute angerufen daran.
00:11:36: Ja und habe mich zurückgefahren am Tag danach.
00:11:39: Da waren keine Wachleute mehr in diesen Posten wo man immer totale Angst vor hatte weil die einen durchsucht haben und unglaublich unfreundlich waren.
00:11:48: Und ich bin ziemlich früh morgens zurückgekommen im Auto.
00:11:51: Überall standen Autos, als ob man die vergessen hätte und es war unglaublich viel Müll.
00:11:56: Man hat gesehen, dass es unglaublich gefeiert wurde.
00:12:00: Wie hast du den Osten erkundet?
00:12:02: Ich hab damals schon mit Motte zusammen gelebt ... Wir haben direkt an der Mauer gewohnt.
00:12:06: Wir hatten eine Wohnung am ersten Stock, wo man über die Mauer schauen konnte.
00:12:10: In Kreuzberg nach
00:12:11: Mittelein
00:12:12: oder?
00:12:12: Genau in einen Sechzig.
00:12:13: Das war die Lindenstraße jetzt zur Axelspringer Straße.
00:12:18: Und in dem Moment, wo die Mauer gefallen ist, waren dann die gleich sofort die ganzen Mauerspechte bei uns und haben ein Stückchen von der Mauer abgebohrt.
00:12:29: Dann ist ein ganzes Stück Mauer weggedragen worden und da sind wir dann sofort in den Osten immer reingelaufen.
00:12:37: Wir sind so schnell wie möglich darüber und haben uns alles angeguckt.
00:12:40: So verlassen Orte reingeklettert auch?
00:12:42: Ja klar!
00:12:43: Weil das war ja alles ... Das war total verrückt, wir konnten es gar nicht verstehen.
00:12:48: Ich hab ja erst viel später verstanden was da alles passiert ist.
00:12:52: Warst du schon immer Techno-Fan?
00:12:55: Also das ging ja von Detroit nach London nach Berlin und wir haben davon gehört so sieben, achtzig, achten Achtzig hat man angefangen ein bisschen Wasser drüber zu hören.
00:13:08: Motto und ich sind dann nach London gefahren um mal zu gucken was irgendwie so'n Rave is'.
00:13:14: Da waren wir dann so begeistert, dass wir gesagt haben okay, wir machen jetzt in der Turbine auch solche Sachen mit ganz viel Nebel.
00:13:20: Das gab's vorher gar nicht, das man irgendwie Nebel... ...in Clubs hatte und an den praktisch die ersten Technopathies organisiert.
00:13:28: Nach Vorderwende?
00:13:30: Ja ja klar natürlich!
00:13:32: Und da fand ich es total super weil das so eine Deconstruktion von Musik war.
00:13:39: Also das kannte man so vorher nicht wirklich.
00:13:42: also ich mein klares gab irgendwie schon elektronische Anfänge, aber so wie dann Techno war dass da auch kein Gesang ist und das fand ich schon ziemlich toll.
00:13:53: Hattest du denn in den neunzigern Anfang der neunziger Lieblingsklubs in Berlin?
00:13:58: Ich hab ihn allen gearbeitet!
00:14:01: Aber hattest Du auch welche wo Du besonders gerne hingegangen bist persönlich?
00:14:04: Da wo ich gearbeitet habe also Tresor und E-Werk
00:14:08: Berlin Anfang der Neunziger.
00:14:10: Die Mauer ist gerade gefallen, überall stehen Gebäude leer, niemand weiß so richtig was mit dieser Stadt jetzt passiert.
00:14:16: und genau in diesem Chaos entstehen Orte wie der Tresor.
00:14:19: Den haben Leute aus der West-Berliner Klubszene eher zufällig entdeckt einen alten Tresoraum des Wertheim Kaufhauses jahrelang vergessen.
00:14:27: im Niemandsland der Mauer Und unten im Keller zwischen schweren Stahltüren und aufgebrochenen Schließwächern machen sie nun Club auf, mit Techno der damals noch komplett neu war.
00:14:37: Der Tresor wird schnell zu dem Ort an dem sich Ost- und West begegnen und wo auch internationale DJs vor allem aus Detroit plötzlich in Berlin auflegen.
00:14:46: Auch das E-Werk um die Ecke war so ein verrückter Ort – ein stillgelegtes Umspannwerk riesig industriell fast schon eine Kathedrale!
00:14:54: In den Neunzigern wird daraus einer der wichtigsten Clubs der Stadt Größer, offener mit Kunstlichtinstallation und internationalen Acts.
00:15:02: Diese Orte sind einfach passiert.
00:15:04: Und genau das hat diese Zeit so besonders
00:15:07: gemacht.".
00:15:08: Wie war das erste Mal für dich im Tresor?
00:15:11: Na ja also Dimitri Hegemann hat mich damals angerufen bevor es den Tresort überhaupt gab.
00:15:15: Er hatte ein Bar vorher gehabt, Fischbüro.
00:15:18: da habe ich auch gearbeitet.
00:15:21: Da hat er mich irgendwann angerufen meinte du... neuen Ort gefunden, das ist so ein ehemaliges WMF Lager.
00:15:28: Kommt noch mal gucken hier gibt es eine unglaubliche Tür und dann hat er mir den Keller gezeigt mit dieser wahnsinnig dicken Tresortür und gesagt hier will ich einen Club machen und hat mir irgendwie erzählt wie das alles aussehen soll und hat mich dann gefragt ob ich da auch arbeiten will.
00:15:42: Und dachtest du ja was für ein cooler Ort?
00:15:44: oder dachtst du warst verrückt?
00:15:45: Ich dachte
00:15:46: super schon vor Mauerfall aber vor allem nach Mauer Fall ging's eigentlich die ganze Zeit Darum.
00:15:52: irgendwie interessant, das auch anzufinden.
00:15:54: Ich war ganz oft unterwegs mit Motto oder mit anderen Freunden.
00:15:57: Wir haben uns irgendwelche Gebäude angeguckt und hat man sich überlegt okay was kann man hier machen?
00:16:03: Eine kleine Ausstellung oder eine Party also alles möglich.
00:16:07: Man war eigentlich ununter Wochen dabei solche Sachen zu machen.
00:16:10: Wenn du da überall gearbeitet hast frag ich mich jetzt wie viel Zeit hattest du überhaupt zu feiern?
00:16:14: Naja ich hab während dem Arbeiten gefeiert
00:16:17: hinter der Theke Ein bisschen mitgedanst,
00:16:20: oder?
00:16:23: Ja.
00:16:23: Das macht das für dich heute, wenn du die Orte ... Wenn du das e-Werk z.B.
00:16:25: heute siehst, woher jetzt nur noch so Veranstaltungsräume drin sind, glaub ich, oder ein Museum.
00:16:31: Also, ich war da schon lange nicht mehr drinnen.
00:16:35: Ich mein ganz Berlin hat sich verändert.
00:16:37: Es hat wenig mit dem zu tun was es mal war.
00:16:40: Aber von außen sieht das ja eigentlich relativ gleich aus.
00:16:44: Wir haben das damals ... Ich wär lustig!
00:16:47: Mit Motto entdeckt, gleichzeitig wie Hille und Andreas das entdecken haben die damals dann irgendwie die Leute waren die das E-Wert gemacht haben.
00:16:55: Und es war ja so riesig.
00:16:57: also das ging ja man konnte ja durch die Keller drei Straßen weiter laufen.
00:17:01: Also es war irrsinnig groß.
00:17:04: da hat mir schon echt extrem viel Spaß was wir dafür Parties gemacht haben und Events.
00:17:11: Das war echt schon vergleichbar zu Studio Fifty Four New York.
00:17:16: Ich war einmal, als es schon ziemlich bekannt war eine MTV-Party oder Naomi Campbell und Tom Jones und die ganzen MTV Moderatoren da waren.
00:17:26: Und also das Björk war da... Also es war schon echt!
00:17:30: Ich wette, dass war bei den MTV Europe Music Awards.
00:17:33: Die waren in Berlin irgendwann mit genau den Leuten, die du gesagt hast?
00:17:36: Dann kann das ja, ich weiß jetzt gar nicht mehr, ob sie die Worlds waren.
00:17:39: Ich weiß nur, dass es da die Party gab.
00:17:40: Ja cool.
00:17:42: Warst du die ganze Zeit im Tresor auch bis zur Schließung?
00:17:45: Nee, ich hab' fünfeinneinzig aufgehört zu arbeiten.
00:17:49: Warst du bei deinem letzten Party dabei?
00:17:51: Ich glaube nicht!
00:17:52: Weil ich habe aufgehört fünf neunzig und habe dann angefangen wieder mehr äh... also nicht wieder mehr sondern ich habe da angefangen mehr kreativ zu reisen.
00:18:02: Also ich war von fünfneinzehn bis zweitausend eigentlich ununterwochen mit dem Goethe-Institut unterwegs.
00:18:07: und hat Berliner Clubkultur vorgestellt.
00:18:10: Also die haben mich praktisch immer engagiert, damit ich sagen wir mal jugendlichen Zeige wie man mit nichts kreativ sein kann.
00:18:19: also zum Beispiel nach Hongkong bin ein paar Mal nach hongkong eingeladen worden weil die dann totales Problem hatten weil hong Kong halt so wahnsinnig Karriere und Profit orientiert ist dass die Jugend überhaupt kein Underground mehr hatten.
00:18:36: Und deswegen haben sie gesagt, wir brauchen irgendwie Leute die denen beibringen wie man Underground und Spaß nicht nur die ganze Zeit ein Geld denkt.
00:18:43: Bin ich hingeschickt worden mit ein paar Künstlern oder nach Rom wo die ganzen Leute die ganz Jugendliche total erdrückt sind waren von der Geschichte Italiens also immer so was... Warum sollte ich Kunst studieren?
00:18:55: Ich werde sowieso nie so gut wie Michelangelo oder so.
00:18:59: Und wir haben ihn dann gezeigt, dass man auch ganz andere Art von Kunst machen kann.
00:19:03: So wie eben neu bauten Instrumente aus Mülltonnen und Klubkunst mit Projektionen... Also da gab es ja eine Riesenzene von Leuten in Berlin die Sachen gemacht haben, die nicht profitorientiert waren.
00:19:19: Was hat's mit dem Club-Art-Movement auf sich?
00:19:22: Ja, das war ein Teil davon.
00:19:23: Also da war zum Beispiel Jim Avignon ein wichtiger Teil von ... Es gab eine ganz große Gruppe von Leuten die gesagt haben wir machen Cheap Art oder U-Kunst und Underground Kunst Und da geht es nicht darum dass es eben für Millionen verkauft wird sondern zwischen ein und hundert Euro Dass ich also quasi jeder Kunst leisten kann.
00:19:43: und zum Beispiel wenn man Geschenk verschenkt dann eher ein Stück Kunst kauft als irgendwie irgendwas aus der Fabrik.
00:19:50: Und wir haben ganz viele Events gemacht, also wo DJs aufgelegt haben.
00:19:54: Wo es Projektionen gab, was Performance gab und wo diese Kunst ausgestellt wurde.
00:19:59: Und das war im Prinzip so ein Gegenarm gegen den Mainstream-Kunstbegriff der damals immer kommerzieller wurde oder der zumindest immer teurer wurde.
00:20:09: Wir wollten sagen wie in Berlin wir finden etwas anderes wichtig?
00:20:12: Jetzt haben wir natürlich einen Riesenteil ausgelassen.
00:20:16: Wie ist die Idee zur Love Rate entstanden?
00:20:18: Ach so,
00:20:19: ja!
00:20:22: Wir haben damals alle die ganze Zeit irgendwelche Events und Ausstellungen gemacht.
00:20:26: also ich war da sehr viel dabei und habe viel mit Motto gemacht weil Motto und Ich waren Paar und wir haben wahnsinnig gerne getanzt und wir sind oft ins Schwurz gegangen und haben da irgendwie gesagt das ist so super wenn man irgendwie so eine Lebensfreude ausdrücken kann.
00:20:43: Das Schwutz ist ja auch jetzt verschwinden.
00:20:45: leider, das war super Club schon damals und wollten eigentlich immer nach Südamerika gehen um da irgendwie auf diesen großen Paraden zu tanzen mit den ganzen Kostümen.
00:20:55: Ja genau.
00:20:56: Meinten irgendwie es wäre doch so super wenn wir mal mit unserer Musik und mit den tollen Kostüm auf der Straße tanzen könnten und hatten aber nie das Geld dafür waren eh immer total pleite.
00:21:09: kam die Idee auf, lass uns das doch hier machen.
00:21:12: Ich war total begeistert, weil ich dachte ja, ich hab damals noch Mode gemacht und dann meine Models und die ganzen Kostüme und so ... Und die neue Musik eben Techno können wir da spielen!
00:21:25: Und Motte war das total wichtig, weil er natürlich auch als Berliner die ganzen Trümmerfrauen noch erlebt hat.
00:21:31: Meinte ich möchte dass die Trümmers Frauen auch mal unsere Musik hören was ich total süß finde.
00:21:37: Als Berliner in unserem Alter hat man das alles noch wirklich mitbekommen.
00:21:41: Also, dass die älteren Generationen das quasi von der Straße miterleben und konfrontiert werden damit?
00:21:46: Genau!
00:21:47: Das die mit so einer Lebensfreude... weil Berlins Atmosphäre als ich nach Berlin gezogen bin, sieben Achtzig, es war schon sehr düster.
00:21:54: Man hatte schon noch Nachwählen von allen möglichen Sachen und zwar sehr melancholisch.
00:22:02: Und gerade Morte, weil er seine Mutter war ja auch da und seine Großeltern.
00:22:06: Ich möchte irgendwie diesen Generationen die Freude vermitteln, die ich jetzt in meiner Generation habe.
00:22:13: Na ja, dann haben wir uns überlegt, okay Kudam haben ein paar Leute gefragt mitzumachen, haben nach ein bisschen Geld geguckt, hundert-zweihundert Mark oder so?
00:22:22: Und ja, haben es auf dem Kudamm gemacht.
00:22:25: Das war ziemlich lustig weil ... Wir waren total unerfahren, wir mussten das als Demonstration kündigen wollten das aber auch, weil es uns auch ein politisches Anliegen war Weil wir ja dieses Maurer-Ding so gut kannten, dass er gesagt haben das einzige eigentlich was über Mauern fliegen kann ist Musik.
00:22:42: Und das ist ein wichtiges Zeichen wie wichtig Musik auch ist für die Seele quasi.
00:22:48: Naja und als wir es dann angekündigt haben und ankamen wussten wir gar nicht so richtig wer anfangen sollen.
00:22:52: bis dann irgendwie hatten diese ganze Polizei die natürlich da ist bei Demonstrationen wo der Polizeidirektor dann kam und meinte da sollen wir mal anfangen.
00:23:03: Was hast du daraus?
00:23:04: Habt ihr erwartet?
00:23:05: Die haben eigentlich gar nichts erwartet.
00:23:07: Ich meine, die Leute haben uns eigentlich ausgelacht als wir gesagt haben, wir wollen auf der Straße tanzen und wir haben auch am Anfang gemerkt dass es gar nicht so einfach ist auf der Strasse zu tanzen währenddessen du läufst weil normalerweise tanzt man ja im Stehen nicht im Laufen.
00:23:21: Wir waren halt fünfzig Leute und da waren wahnsinnig viele Leute gekommen, um uns quasi auszulachen.
00:23:27: Weil sie die Idee ... Ich mein Berlin war damals irgendwie so ernst und alle schwarz angezogen und halt so eine Cave-Zeit, Existenzialisten und dass wir jetzt mit bunten Klamotten von mir oder auch von den anderen Leuten da die Straße untertanzen wollten.
00:23:42: zu einer neuen Musik haben alle gesagt also viele gesagt Wie peinlich.
00:23:48: Fünfzig Leute und haben sich die Leute angeschlossen?
00:23:50: Ja,
00:23:51: dann wurden es immer mehr und mehr bis wir am Oliverplatz stehen geblieben sind und getanzt haben.
00:23:57: Und da ist der Funk übergesprungen.
00:23:58: Da haben plötzlich alle das angefangen zu regnen und da wurde das irgendwie so ein euphorisierender Moment und ich glaube dass ist der Moment gewesen wo die Magie passiert ist.
00:24:10: also Da waren wir plötzlich, glaub ich, hundertfünfzig bis wieder zurückgelaufen sind und da wollten dann alle.
00:24:15: Das ist nächstes Jahr wieder
00:24:17: passiert.
00:24:18: Dann habt ihr... war für euch auch klar das machen wir nochmal?
00:24:20: Ja also alle gesagt dass müssen wir noch mal machen.
00:24:23: Und wie lange warst du denn bei der Love Pride dabei?
00:24:26: Ich war quasi drei Jahre aber ich bin nicht so ein Massenmensch es wurde ja irgendwie immer größer.
00:24:34: ich mag auch Wiederholungen nicht so.
00:24:37: Mein Ziel war es ja nicht, ein paar Radenmacher zu werden.
00:24:40: Also ich war ja Künstlerin und Musikerin und ich wollte mich darum kümmern weil das ist schon sehr viel Arbeit so was vorzubereiten.
00:24:47: Aber warst du dann privat dabei später noch oder?
00:24:49: Ja klar also ich war noch so dabei bis irgendwie fünfeinneinzig und dann war's mir zu groß.
00:24:54: Dann waren eine Million irgendwann ne?
00:24:56: Eineinhalb Millionen.
00:24:57: Das waren mehr zu viele Menschen.
00:24:59: Und wenn Du die Outfits dann gesehen hast dachtest Du okay wow Berlin ist nicht mehr grau.
00:25:04: Genau, also ich hatte ja auch bei der ersten Blumen verteilt, so einen Blumen und diese ganzen Plastikblumen.
00:25:09: Und dass das dann auch so ein Look wurde... Das fand ich schon toll!
00:25:14: Ja und du warst genau in einer Band?
00:25:17: Was hat's damit auf sich
00:25:18: mit Space Cowboys?
00:25:20: Also Space Cowboyz war meine erste Band.
00:25:22: die haben mich gefragt weil sie mich mit jemanden verwechselt haben.
00:25:26: Okay mit wem?
00:25:28: Ich hab zwar schon Klavier und Geigel gespielt, seitdem ich fünf bin.
00:25:32: Aber ich hatte total eine Bühnenangst, weil als Kind ziemlich viele Konzerte gegeben und war da irgendwie traumatisiert von ... Und hatte auch nie gedacht, dass ich Musik mache aus dem Grund.
00:25:44: Ich wollte auch nie klassische Musikerin werden.
00:25:46: also das war überhaupt nicht mein Ziel.
00:25:48: Ich dachte eigentlich immer, ich werde eher Künstlerin oder Schriftstellerin, weil ich immer schon geschrieben und gemalt habe aber halt weiterhin meine Instrumente gespielt.
00:25:59: Und Motta hat eine Platte rausgebracht mit einer Daniela Sonntag und die Space Cup, wo es wussten, dass ich mit ihm zusammen bin und dachten das bin ich.
00:26:08: Die haben mich dann gefragt ob ich bei einem Konzert mitmache?
00:26:11: Dann dachte ich irgendwie okay.
00:26:14: Aber die wollten eigentlich nur, dass Ich ganz laut bei einem Stück there's life on Mars schreihe.
00:26:21: Und da dachte ich ok, das schaff' ich!
00:26:23: Und bin da mit den aufgetreten.
00:26:25: und das hat so Spaß gemacht, dass die gesagt haben kommen.
00:26:28: Lass uns Wetter machen.
00:26:29: und dann bin ich geblieben.
00:26:30: Ja.
00:26:31: Und dadurch habe ich angefangen quasi in Bands Musik zu machen.
00:26:35: Ja?
00:26:35: Und bist auch rum getourt.
00:26:37: Ja!
00:26:37: Was sind so da so die Orte gewesen wo du am liebsten warst?
00:26:41: Also ich kann mich an einen Konzert erinnern in Amsterdam im Paradiso.
00:26:45: glaube Da war es total voll, als wir angefangen haben und als wir aufgehört haben, war's komplett leer.
00:26:57: Das war auch Traumpartizierend!
00:26:59: Okay... Hast du da auch geschrieben?
00:27:06: Ja ich weiß auch nicht was da passiert ist.
00:27:09: Freund Uwe Reinike der war damals auch da.
00:27:11: Der lacht auch wenn er, wenn ich ihn heute dann...
00:27:16: Passiert
00:27:17: kann passieren.
00:27:18: Hast du je überlegt, dann in den zwei Tausendern oder später Berlin zu verlassen?
00:27:23: Oh
00:27:24: ja.
00:27:24: Eigentlich ab fünfeinzehnzig.
00:27:25: Ja ich war eigentlich schon ab fünf neunzig.
00:27:27: also in dem Moment wo die Renovierungen vorbei waren und das dann praktisch so eine offizielle Hauptstadt wurde hat sich sehr viel verändert Und es war nicht mehr so ein Abenteuer wie vorher und Es war auch nicht mehr irgendwie so diese Szene dies damals in den Achtzigern und Anfang der Neunziger gab.
00:27:48: Also die Anfänge von der Technoszene, das Ende von der genialen Detanzenzehne ... Das waren schon echt ziemlich einmalige KünstlerInnen.
00:27:56: also die waren eigentlich alle zum Beispiel interdisziplinär.
00:27:59: Das war auch eine der Gründe warum ich Berlin so toll fand dass alle künstler gemalt geschrieben Mode gemacht haben also das was ich praktisch gemacht habe und das war damals total verpönt.
00:28:10: Das ist heutzutage eigentlich auch relativ gang und gäbe aber damals war das total verpönt.
00:28:15: Also es wurde einem immer gesagt, du musst ein Ding machen, ansonsten bist du nicht ernsthaft und ich wollte mal alles weil für mich dass alles zusammenhängt und Berlin war eine Ausnahmestatt in der Hinsicht, desto mehr Berlin eben Hauptstadt wurde, wurde sie auch konventioneller in dieser Art.
00:28:33: uns wird auch teurer natürlich Und da fing ich an, unruhig zu werden.
00:28:39: Das war auch eine der Gründe, warum ich mit dem Goethe-Institut so viel rumgereist bin, damit ich diese künstlerische Haltung keine Grenzen anzuerkennen, dass ich das als Berliner Eigenschaft praktisch weiter vorgestellt habe durch das Goether-Institute.
00:28:58: Aber du bist ja in Berlin geblieben?
00:29:00: Ich bin in Berlin geblieben, aber ich bin immer mehr gereist.
00:29:03: Also ab zwei Tausend Eins war ich ja dann mit Alexander Hacke zusammen was ist von einen Schützenden Neubauten?
00:29:10: und wir haben angefangen zusammen Projekte zu machen also unsere eigenen Projekter.
00:29:14: am Anfang waren das noch so audiovisuelle Projekten Und wir waren eigentlich ununterbräunen auf Tournee.
00:29:21: also ich war im Prinzip Von zwei tausend eins bis zweitausend zehn Ununterbrochen mit Kunstprojekten, Mit Ausstellungen und Events oder mit unseren eigenen Projekten auf Tournee.
00:29:35: Okay aber umso krasser müssen für dich ja immer die Veränderung gewesen sein wenn du dann in Berlin warst mit längeren Zeitabschnitten dazwischen?
00:29:43: Und vor allem also wir hatten damals eine Remise im Wedding... ...und wir haben einfach.. Wir haben gemerkt dass wir innerhalb von Berlin totale Schwierigkeiten hatten genug Geld zu verdienen um die zu bezahlen.
00:29:52: Die war zwar total billig Also die hat achthundert Euro gekostet für fünf Stockwerke, das war echt der Hammer.
00:30:01: Aber in Berlin Geld zu verdienen war extrem schwierig als Künstler weil alle immer alles umsonst gemacht haben und alles umso uns erwartet haben.
00:30:11: Und irgendwann mal haben wir dann gesagt also die ist zwar total preiswert aber wir müssen die ganze Zeit reisen um diese Miete zu bezahlen.
00:30:21: von daher werden wir jetzt entweder einen Nebenjob machen müssen oder Das aufgeben und haben gesagt, dann gehen wir jetzt das offen werden nomaden.
00:30:29: Nomaden heißt?
00:30:31: Wir haben die Remise aufgegeben, haben nur ein Bürozimmer behalten und sind dann im Prinzip sieben Jahre bis zwei tausend siebzehn achtzehn Nur noch unterwegs gewesen
00:30:43: aus dem koffer gelebt.
00:30:44: ja
00:30:45: Also mir hat es total Spaß gemacht.
00:30:47: ich kannte das Jahr weil ich ja so aufgewachsen bin als Armee Kind.
00:30:50: Ja Und Alex kannte dass weil er seitdem er vierzehn ist mit Neubauten auch Tone war.
00:30:55: Und wir dachten am Anfang, dass die Gentrifizierung nur in Berlin stattfindet und dachten Wir finden jetzt einen anderen Ort der irgendwie so preiswert ist wie damals sind achzigern und wo künstler unterstützt werden.
00:31:09: Das war natürlich eine Illusion.
00:31:11: also wir sind quasi mit der gentrifizierungen gereist.
00:31:15: Also überall wo wir hingekommen sind und wir sind wirklich ... waren Amerika, New York, LA, San Francisco in Neuseeland.
00:31:22: In Mexiko, in Australien und überall wo wir angekommen sind, meinten Leute naja wer hat der vor fünf Jahren gekommen?
00:31:29: Da wär's hier total freiswert aber jetzt ist es auch total teuer.
00:31:32: Weil ich wollte sowieso fragen ob's ein Ort gibt auf der Welt... ...der dich so ähnlich beeindruckt hat wie Berlin damals.
00:31:39: Achtziger, neunziger oder...?
00:31:41: Nee.
00:31:42: Also es gibt schon Orte die ich liebe dich total liebe, also die ich jetzt gerade durch diese Wanderjahre total schätzen habe lernen.
00:31:50: Aber es ist nichts vergleichbar zu wie Berlin damals war in den Achtzig-Jahrens gibt's nicht.
00:31:55: Es war wirklich einmalig.
00:31:57: Wo lebst du heute?
00:31:58: In welchem Bezirk?
00:31:59: Also wir haben uns jetzt grade wieder niedergelassen, obwohl wir hatten dann schon inzwischen... also während der Pandemie hatten wir Studios in Berlin wieder.
00:32:07: Wir sind eigentlich wieder zurückgekommen und hatten uns entschlossen wieder zurück gekommen wegen Lederer Weil der so ein Super-Kultur-Senator war.
00:32:16: Und
00:32:17: da dachten wir, ach hier ist zum ersten Mal wieder einer... ...der irgendwie sich um Künstler wirklich kümmert und nicht die ganze Zeit nur nach Touristen oder Geld irgendwie sich wendet sondern der auch sagt dass Berliner Künstlern wichtig sind.
00:32:34: also das fand ich ziemlich unglaublich und er wurde ja im Jahr zwei tausend siebzehn gewählt.
00:32:38: und da haben wir uns überlegt So was gibt's eigentlich nirgends.
00:32:42: Also wir waren da sehr viel in Amerika und auch in den anderen europäischen, also osteuropäischen Ländern werden zeitlang überlegt ob nach Budapest ziehen sollen weil da auch eine super Szene ist es nicht so teuer ist aber sehr korrupt.
00:32:55: Und als wir dann mitbekommen haben was der gesagt hat das muss unterstützt werden
00:33:00: Okay
00:33:01: Dann werden wir zurück nach Berlin kommen eigentlich für uns extrem unerwartet war.
00:33:06: Also, ich meine wir hatten trotzdem die ganze Zeit schon noch im Büro hier und waren schon immer wieder in Berlin.
00:33:12: aber das war der entscheidende Anstoß uns wieder hier niederzulassen.
00:33:17: und jetzt sind wir gerade nach Lichtenrade gezogen.
00:33:20: Okay gar nicht mehr die Szene.
00:33:22: Nein
00:33:24: kann man kann man im Innenbezirk nicht mehr bezahlen?
00:33:27: ja und da sind wir auch nicht bereit zu.
00:33:29: also Ich finde es nicht okay wenn man das so klang.
00:33:32: Man muss es, viele müssen das.
00:33:34: Aber wenn ich die Möglichkeit habe irgendwo hinzuziehen wo's vielleicht nicht so hip ist aber dadurch ... eine menschlichere Miete dann unterstütze ich das lieber.
00:33:43: Natürlich stellt sich jetzt mir die Frage jetzt seit ihr hergezogen bin wegen Lederer, aber Ledera gab's ja schon gar nicht mehr.
00:33:48: Ja!
00:33:48: Schon längst wieder weg.
00:33:50: Bereuchtest du das jetzt oder denkt ihr jetzt?
00:33:52: Okay, jetzt warten wir mal.
00:33:53: Naja, wir warten mal ab und gucken.
00:33:54: Jetzt gibt sie Heidi.
00:33:56: Nächstes Jahr vielleicht eine linke Bürgermeisterin.
00:33:58: Ja,
00:33:59: das wär super.
00:34:01: Was wünschst du dir denn für Berlin?
00:34:03: Also ich wünsche eigentlich allen das Gleiche, dass man weg von diesem Profitgedanke und wieder zurück zu irgendwelchen Basics kommt.
00:34:13: Die eigentlich das Wichtige sind, dass alle Menschen irgendwie leben können und sich das leisten können.
00:34:21: Und dass es nicht diese Ungleichheiten gibt, dass ich nicht so viele obdachlose Menschen auf der Straße sehe, Rassismus mitbekommen, sondern dass die Menschen im Prinzip so wie in den Achtzigern also so wie ich das erlebt habe zumindest eigentlich alle sich die Miete leisten können.
00:34:39: und das Hip ist unterschiedlich zu sein.
00:34:43: Friede Freude.
00:34:44: Eierkuchen musst du jetzt
00:34:45: haben?
00:34:45: Genau!
00:34:47: Obwohl Ich bin vegan, also kein Eierkochen.
00:34:49: Okay
00:34:51: dann danke ich erst mal fürs spannende Gespräch.
00:34:54: Danke.
00:34:55: Danke, dass Du mich eingeladen
00:34:56: hast.
00:34:57: Krasse Story, oder?
00:34:58: Wie aus so einer kleinen Szene-Idee plötzlich ein Stück Stadtgeschichte wird.
00:35:04: In der nächsten Folge wird's dann richtig heftig!
00:35:06: Es geht um eine Fluchtgeschichte durch Wüste, Gefängnisse und übers Mittelmeer.
00:35:11: Bis
00:35:19: dann!
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