94 Jahre Berlin | Was für ein Leben - Folge 4

Shownotes

Ein Jahrhundertleben zwischen Krieg, Mut und Freiheit

In dieser Folge von „Was für ein Leben“ spricht FluxFM-Redakteur Matti Geyer mit Eva Tetz – 94 Jahre alt, Ur-Berlinerin, voller Energie und mit einer Geschichte, die sich über fast ein ganzes Jahrhundert spannt. Geboren am Ende der Weimarer Republik, wächst sie im Nationalsozialismus auf und erlebt den Zweiten Weltkrieg als Kind mitten in Berlin. Bombennächte, Angst, Zerstörung – und eine Zeit, die ihr Leben prägt. Zwischendurch wird sie aufs Land verschickt, fern von ihren Eltern, während die Angriffe auf die Hauptstadt immer heftiger werden. Nach dem Krieg folgt ein Leben in der DDR: als Lehrerin, als Zeitzeugin – und als jemand, der sich auch mit der Stasi auseinandersetzen muss. Und dann, Jahrzehnte später, steht sie plötzlich wieder an einem historischen Wendepunkt: Am 9. November 1989 gehört Eva Tetz zu den ersten Ost-Berlinerinnen, die über die Bornholmer Straße in den Westen gehen. Eine Geschichte über ein Leben zwischen Systemen, Zeiten und Extremen – erzählt mit einer Leichtigkeit und Wärme, die beeindruckt.

Habt ihr eine Geschichte für uns? Kennt ihr jemanden, der oder die ein außergewöhnliches Leben geführt hat?

Eine Geschichte, die man einfach hören muss? Dann schreibt uns an matti.geyer@fluxfm.de

– vielleicht wird genau daraus eine der nächsten Folgen von "Was für ein Leben".

Zum Host des Podcasts: Matti Geyer arbeitet als Redakteur beim Berliner Radiosender FluxFM. Speziell durch seine Arbeit als Stadtführer von toursofberlin bringt er Expertise in Sachen Historie ins Programm ein.

Transkript anzeigen

00:00:02:

00:00:08: Manchmal sitzt hier jemand im Studio und man merkt nach fünf Minuten, das wird keine normale Folge.

00:00:15: So war das bei Eva Tetz – vierundneinzig Jahre alt aus dem Prenzlauberg kommt rein, redet los und reißt alle mit!

00:00:23: Mit ihrer Energie, ihrer guten Laune, ihrer Präsenz.

00:00:26: Und dann erzählt sie ihr Leben.

00:00:29: Hi, ich bin Matti Geier, Redakteur bei Flux FM und das hier ist unser Podcast.

00:00:33: Was für ein Leben.

00:00:34: Ich spreche mit Menschen über ihre Biografien, über Geschichten die man nicht erfinden kann.

00:00:39: Lebensgeschichten, die größer sind als jeder Lebenslauf und die man hören sollte solange sie noch erzählt werden können.

00:00:46: Und Eva Tetz is genau so ein Fall!

00:00:50: Man muss sich das mal klar machen – Als sie geboren wird zerfällt gerade die Weimarer Republik.

00:00:54: Ihre Kindheit erlebt Sie im Nationalsozialismus Dann kommt der Krieg und sie wird aufs Land verschickt, weg von ihren Eltern während Berlin immer stärker bombardiert wird.

00:01:05: Eigentlich wollten wir genau darüber sprechen aber dann im Gespräch erzählt Sie auch noch nebenbei dass hier eine der ersten Ostberlinerinnen war die am neunten November nirgendwo über die Bonneheimer Straße in den Westen gefahren ist.

00:01:17: Hier jetzt das Gespräch mit Eva Tietz

00:01:24: Außergewöhnlicher Lebensgeschichten auf Flux-FM.

00:01:27: Wann sind Sie geworden und wo sind sie großgeworden?

00:01:30: Also, ich bin die Eva Tietz Und ich bin in Berlin In der Kastanienallee Geboren Am demnächstwanzigsten ersten Zweiunddreißig Dort bin Ich auch groß geworden Auch in der Kastenien Allee Erstmal eingeschult worden.

00:01:47: also Ich war sieben Jahre Als Der Krieg begann Und da wurde unsere Schule in der Kastanienallee zum Lazaret umfunktioniert und unser Schulweg länger hatte sich etwas bis zur Eberswalder Straße.

00:02:04: Aber haben Sie noch Erinnerungen an die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg?

00:02:06: Ja na sicher so ein bisschen Kinderzeit um die Ecke Milchladen, um die ecke Bäcker und solche Dinge.

00:02:14: Den

00:02:14: Prater gab es doch auch schon damals oder?

00:02:17: Ja natürlich den weiß ich nicht wie lange es den schon gibt aber den gab es damals auch.

00:02:23: und direkt über die Straße über die Kastanienallee war da noch so einen Vergnügungspark Pullmann hieß das.

00:02:31: Und als der Krieg zu Ende war, da wurde dann das als Operettentheater benutzt.

00:02:36: Da haben wir die Schwarzwaldmedel gesehen!

00:02:40: Was haben denn Ihre Eltern gemacht beruflich?

00:02:42: Also mein Vater hat sich dummerweise als siebzehnjähriger zum Ersten Weltkrieg freiwillig gemeldet... ...als er dann kaput geschossen mit Lungendurchschuss aus dem ersten Weltkrig zurückkam musste er umschulen, er ist dann kaufmännischer Angestellter bei der Mitrober geworden.

00:03:02: Und meine Mutti hat ... Na wie das früher so war die jungen Mädchen, die waren ja gleich eigentlich bloß so vorübergehend beschäftigt bis sie heirateten nicht und so hatte es bei meiner Mutti auch.

00:03:15: da hat sie als Näherin hier in irgendeiner Einrichtung gearbeitet, bis zum ersten Mal schwanger wurde.

00:03:26: Wie ging es Ihnen als Kind und in Eltern dann unter den Nazis?

00:03:31: Also gab's da Probleme.

00:03:33: Um ehrlich zu sein, ich als Kind merkte davon zunächst weniger.

00:03:38: man hat natürlich einen Krieg.

00:03:39: was stellt man sich?

00:03:40: als Sie mir hier unterm Krieg vor hatte ich doch keine Ahnung was das sein könnte.

00:03:44: Ich wusste nur ist es was Schlimmes.

00:03:46: und von Bomben und solchen Dingen war die Rede Und zuerst änderte sich eigentlich in unserem Leben nicht.

00:03:55: Der Krieg spielte sicher an der Front ab und fing dann erst so richtig an, als die Bombenangriffe kamen.

00:04:03: Und da wurde es ja auch in Berlin ziemlich ungemütlich.

00:04:08: am Tag und in einer Nacht heulten die Sirenen und dann musste man mit Sack und Pack... Man hatte alle mögliche Sachen eingepackt!

00:04:21: das Haus ausgebombt wird, dann könnte man eben noch die wichtigsten Dinge retten wenn man sie mit in den Keller nimmt.

00:04:28: Und so schleppte man bei jedem Alarm schwere Koffer in den Kellern und danach wieder hoch.

00:04:38: So war man mal schön in Bewegung.

00:04:40: Können Sie sich noch daran erinnern, dass es erfahren zu haben, dass jetzt Krieg ist?

00:04:46: Ja, ich sage ja.

00:04:48: man kann sich nicht richtig was darunter vorstellen.

00:04:51: Aber wie gesagt ich hörte aus den Gesprächen der Erwachsenen die man so mithörte dir auch gar nicht jetzt für Kinder Ohren gemacht waren.

00:05:01: da hört dich denn so seltsame Dinge von Bomben.

00:05:03: und also es war irgendwie für mich beängstigend unheimlich was da jetzt wohl kommt.

00:05:11: Mir Krieg bedeutete, dass das wusste ich von der Verwundung meines Vaters.

00:05:16: Ich sah ja immer wie sein Rücken mit dem großen Loch den Einschuss aussah und was Krieg eben anrichten konnte.

00:05:25: Das war dann so meine Vorstellung.

00:05:28: Ja also ansonsten sind wir auch an unserer Ecke Kastanienallee-Ecke Schweter die einzige Ecke gewesen, die stehen blieb.

00:05:39: Alle anderen drei Ecken wurden ausgebumpt.

00:05:44: Bevor wir gleich noch mal darauf zurückkommen, sie wurden ja dann nach Österreich evakuiert als Kind?

00:05:48: Ja, im Mai, der April, da zogen wir aus.

00:05:53: Wir zogen nach Kanten ins Schäbulla Haus.

00:05:57: So fing unser Lara-Lied an!

00:05:58: Wie kam das?

00:05:59: Was war das für eine Entscheidung?

00:06:01: Das ging von unserer Schule aus... Ist ja nicht gleich zu Beginn des Krieges gewesen, sondern das war im Jahr dreiundvierzig dann.

00:06:10: Ja da fuhr die ganze Klasse eigentlich mit man musste nicht mitfahren aber komisch eigentlich war so ein schüchternes Mädchen so ängstlich bisschen und so.

00:06:20: Aber da hatte ich Lust Ich wollte damit Und da haben wir.

00:06:24: dann War ich dann insgesamt zwei Jahre weg von Zuhause.

00:06:28: Während des Zweiten Weltkriegs wurden Millionen Kinder aus Städten wie Berlin aufs Land geschickt.

00:06:33: Die sogenannte Kinderlandverschickung sollte sie vor den Bomben schützen.

00:06:37: Insgesamt waren es rund zweieinhalb Millionen Kinder, aber es ging nicht nur um Sicherheit.

00:06:43: viele dieser Orte waren streng organisiert mit Einfluss der Hitlerjugend festen Regeln und wenig Kontakt nach Hause.

00:06:50: Gleichzeitig wurde Berlin immer stärker angegriffen.

00:06:53: Über dreihundert Luftangriffe trafen die Stadt insgesamt, besonders heftig in den letzten Kriegsmonaten.

00:07:00: Und genau in dieser Zeit kommt Eva zurück nach Berlin.

00:07:03: Zurück in eine Stadt, die unter Dauerbeschuss steht.

00:07:06: Wenn man das hört, versteht man vielleicht besser, warum diese Erinnerungen bis heute so präsent sind und wie viel ein Leben eigentlich aushält?

00:07:16: Es war eigentlich ihr Dach für ein halbes Jahr!

00:07:19: Der Sommer entkernten nicht.

00:07:21: Und dann wurde es ja nicht besser, sondern schlimmer in Berlin mit den Bomben und da durften keine Kinder mehr nach Berlin zurück.

00:07:30: Außer es haben Eltern sie abgeholt und hatten irgendwo einen Ort außerhalb Berlins so auf dem Lande wo man eben nicht den Bombe ausgesetzt war.

00:07:40: Meine Eltern haben mich nicht abgehult Aber die Mutti durfte zu Weihnachten, zu Besuch kommen.

00:07:46: War so ein extra Sonderzug für Eltern dieser verschickten KLV Kinder-Landverschickung ... Ja und da hat sie dann ein paar Nichte.

00:07:57: in so kleinen Pensionen wurden die Untergebrachte nicht teilsbar waren.

00:08:02: Und dieser Winter in Kärnten der war schon ein richtiger Winter mit Schnee und Eis und da ist es schon ganz schön.

00:08:19: Wir waren natürlich eine tolle Truppe.

00:08:21: Es war alles wunderschön, die Landschaft war schön wir haben auch viele Dinge unternommen.

00:08:26: Also so richtig doll und daheim wir hier litten habe ich eigentlich nicht.

00:08:31: Und das ohne Handy und ohne schnell mal anrufen, es waren immer angewiesen darauf dass die Post uns Grüße aus der Heimat brachte.

00:08:41: Aber zwei Jahre lang?

00:08:42: Ja, das Schlimme war diese Zeit nicht so genießen konnte, weil man natürlich immer Sorge um die zu Hause gebliebenen hatte.

00:08:52: Aber ich weiß es nicht wahrscheinlich würde man es heute schwerer nehmen als Erwachsener oder alter Mensch wenn man so jung ist.

00:09:00: man liebt vielleicht ein bisschen in den Tag hinein.

00:09:04: ja wenn das nur nicht diese scheußlichen Kriegsumstände gewesen wären würde ich sagen diese zeit möchte ich nicht missen.

00:09:14: Aber warum ging es dann und wann?

00:09:15: Und warum gings dann zurück nach Berlin.

00:09:18: Ja, das mit dem Zurück nach Berlin ist erst mal noch eine lange Geschichte.

00:09:24: Wir wurden im Frühjahr... ...vierundvierzig.

00:09:28: Vierund vierzig, da wurden wir umgelagert.

00:09:32: Das heißt unser Lager war dann zahlenmäßig so klein geworden.

00:09:37: Immer mehr Kinder kamen an wahrscheinlich oder?

00:09:40: Also in Malnitz, das war ein richtig kleines Berlin Die ganzen großen Hotels, die kleinen Hotels.

00:09:46: Alles war belegt mit Schülern aus Berlin und das war denn immer ... Also abends wir hatten manchmal solchen Schneesturm dass wir kaum dagegen anlaufen konnten um vom Essenraum in unseren Schlafraum zu kommen.

00:10:02: Da habe ich mal richtig was Schneesturms erlebt.

00:10:05: ja kannst du nicht atmen?

00:10:07: Du musst einfach hier so eine Höhle ...vorm Mund machen, damit da überhaupt Luft rein kommt.

00:10:16: Und danach ging es aber danach Berlin?

00:10:17: Ach!

00:10:19: Was denken

00:10:20: Sie?!

00:10:20: Danach ging es nach in Sudidengau.

00:10:23: Noch mal umgezogen... Haben sie überhaupt in der ganzen Zeit irgendwas vom Krieg mitbekommen?

00:10:28: Naja ich meine man hatte ja auch ein bisschen mal Nachrichten hören können und so Wir haben auch Heimwege gekriegt wir haben uns mal ins Kissen geheult.

00:10:39: Das hier hört natürlich nach so langer Zeit alles mit dazu.

00:10:44: Na ja, man sitzt nicht immer nur da und trauert in solchen Situationen.

00:10:50: Man liebt, man macht Blödsinn, man hat Eppelklauen auch wenn sie noch nicht reifst.

00:10:59: Wann ging's denn zurück nach Berlin?

00:11:01: Da mein Vater ebenso schwer krank war bekam ich zu Weihnachten Urlaub und durfte nach Berlin fahren.

00:11:10: Da hab ich so eine Schulmappe, da hatte ja damals noch die Ranzen, ne?

00:11:15: Ich habe mir ein bisschen Zeug drin im Paar Schlöpper und weiß nicht was.

00:11:21: Mit dem Schulmapp bin ich dann irgendwie in den Zucheinig-Ding unserer Lagerleiterin war eine Lehrerin von uns.

00:11:28: Die hat mir denn da irgendwie ... bis ich heute würde man sagen gebucht oder Irgendwie bin ich denn da.

00:11:35: einfach so zum Bahnhof, wir fahren in Niederländer Wiese und hatte Wusste auch wo ich umsteigen musste.

00:11:41: Das ging dann über Frankfurt oder?

00:11:44: Und inzwischen durch, dann hielt der Zug mal an jetzt ist Fliegeralarm.

00:11:48: Dann standen wir eben darin haben gewartet ob uns ein paar Bomben auf den Kopf fallen oder nicht oder irgendwie so.

00:11:55: nachts um ne Nachts also abends gegen neun Uhr kam ich denn in Berlin an Und ein zehnjähriges Kind, was er aus Berlin rauskommt, hat ja nun noch nicht mit allen Bahnhöfen Bekanntschaft gemacht und wusste überhaupt nicht wo ich bin.

00:12:10: Irgendwo, ich glaube, Görlitzer Bahnhof, wenn ich dann angekommen ... Ich weiß heute nicht mehr wie ich nach Hause gefunden habe.

00:12:17: Haben sie wohl im Sinn nicht abgeholt?

00:12:18: Ach, meine Mutter wusste doch gar nicht!

00:12:20: Ach so,

00:12:22: achso.

00:12:22: Wir haben ja nicht einmal schnell telefoniert.

00:12:26: Die wussten zwar, dass wir den Antrag gestellt haben auf Urlaub zu Weihnachten.

00:12:32: Aber da war noch nicht für sie bekannt, dass du die nehm ich todel.

00:12:36: Und so stand ich dann irgendwie den abends im Dunkeln vor der Haustür und müssen sich vorstellen Berlin war verdunkelt wegen der Bombenalarm es durfte ja kein Licht irgendwie unten zu sein alles war stockdunkel.

00:12:52: So bin ich denn zu Hause mit irgendeiner Bahn wahrscheinlich angekommen und stand jetzt vor der Haustür, Häuser waren natürlich verschlossen.

00:13:01: Und dann rief ich da unten, Gott sei Dank wohnten wir nur im ersten Stock.

00:13:07: auf einmal ging die Fenster auf, die Mutti guckte raus.

00:13:13: also die war sowas von erschrocken.

00:13:15: ihr Kind steht davor der Tür plötzlich, die denkt ja nur ich bin weit weg, ja musste sie runterkommen in die Tür aufschließen und dann kam ich in die Wohnung.

00:13:28: Also man kann sich das überhaupt nicht vorstellen.

00:13:31: Wie komisch mir das in dieser Wohnung vorkam!

00:13:35: Ich war jetzt immer gewöhnt große Seele, Essenraum, Küche war auch ein Riesending.

00:13:42: und jetzt kam ich in die Wohnung.

00:13:43: unsere Wohnung war nicht klein aber mir kam es vor wie in einer Puppenstube so was seltsames.

00:13:50: ja naja jedenfalls habe ich dann laut Weihnachten verbracht und am sechsten Januar musste ich wieder zurück und nun kamen dann immer die Ja.

00:14:02: ging es denn schon los dass wir weg müssen, das wir da wegmüssen.

00:14:06: Die Front kam ja immer näher Und Es war aber immer unsicher.

00:14:13: keiner wusste richtig wohin und wie und wann und was?

00:14:17: Dann mussten wir also jedenfalls alle unsere sachen packen und immer bereit stehen zum abfahren.

00:14:24: Dann

00:14:27: sind wir.

00:14:28: Ja, denn dann kam es.

00:14:30: eines Tages war soweit ich hatte den noch Geburtstag hat mir die Küche noch eine wunderbare Creme Torte gebacken und dann ging es auf Schlitten neun Stunden lang in irgendwo in irgendeinen Ort wurden wir dann gebracht.

00:14:48: unterwegs war richtig niedlich.

00:14:50: die Leute die da am Wegesrand wussten wohl davon, dass hier Kinder langkommen.

00:14:56: Die brachten uns Tee raus oder auch mal ein Stück Kuchen und so was.

00:15:00: also ja dann landeten wir in einem Ort und wurden bei den Leuten da verteilt untergebracht Und ich kam zum Ortsbauernführer und er hatte auch gerade ein kleines Enkelkindchen.

00:15:13: Also für mich war das doch sehr schön.

00:15:16: Ja und auf einmal hieß es denn wieder zwei drei Tage.

00:15:20: Da hieß Es geht weiter Und dann fuhren wir mit diesen ollen Eisenbahnzug, der ungeheizt war.

00:15:28: Und kamen dann am zwölften Februar in Dresden an.

00:15:37: Vielleicht sagt Ihnen das Datum etwas?

00:15:40: Der dreizehnte Februar war der Bommentach in Dressen und wir haben genau die Nacht davor, haben wir da in einer Schulklasse gesessen Und wurden dann am nächsten Morgen nach Kosswig weiter transportiert.

00:15:58: Es ist ja so ein Vorort von Dresden und also eine Nacht später wären wir tot gewesen, und so sahen wir dann von Kosswisch aus wie Dressenbrannte.

00:16:11: Ja?

00:16:13: Und die größeren Mädchen ... Wir hatten ja denn welche, die waren schon noch zwei Jahre älter.

00:16:20: Die wurden dann auch eingesetzt als Hilfskräfte für hier so, um verletzte Menschen zu betreuen.

00:16:28: Und meine Mutter die hörte natürlich von den Bombenradio hat sie ja gehabt und da hat sie gesagt nee also Da ist es ja jetzt schlimmer als in Berlin und hat sich in die Bahn gesetzt und hat mich abgeholt.

00:16:43: Dann sind Sie im...

00:16:45: Dreizehnten.

00:16:46: Na ja, so nach dem dreizehnten bis ich fünftzehnte Februar ungefähr bin ich dann wieder nach Berlin gekommen.

00:16:54: Also

00:16:54: gerade genau zur schlimmsten Zeit?

00:16:56: Ja da haben wir dann so richtig den Rest erst mal den Rest von den Bomben noch mitbekommen.

00:17:02: Wir haben ja nachher zum Schluss nur noch im Keller richtige wohnt.

00:17:05: Man ging denn nur nochmal rauf um sich was zu essen zu holen oder weiß?

00:17:09: Ich war

00:17:10: tagsüber bomben nachts bomben an schlaf war ja in der zeit kaum zu denken.

00:17:15: naja Und wie hat man denn ... Der Körper verlangt das eben, dass man auch mal wegtritt.

00:17:21: Aber ja sicher und dann gab's kein Wasser!

00:17:26: Dann war ein Pumpen in Berlin wo die Frauen mit Eimern hinliefen sind auch welche dabei erschossen worden.

00:17:35: Inzwischen kam schon die Flaksch- und die Schütze rein also dass man richtig erschossen werden konnte in den Straßen.

00:17:44: Also es war denn richtig Krieg und direkt neben uns, also um die Ecke in der Schwester Straße stand auch so eine Flak,

00:17:53: sagt was?

00:17:54: Ja, sagt man was.

00:17:54: Fliegerabwehrkommando

00:17:56: ja!

00:17:57: Und das Beutböller hatte natürlich dann ganz schön wenn man im Keller saß.

00:18:02: Erinnern Sie sich daran im Keller zu sitzen... Man hat Schülsch!

00:18:06: Was sind das für Erinnerungen?

00:18:08: Mutter hat immer noch versucht Da war noch Adolf Hitler's Geburtstag.

00:18:12: Das war kurz bevor das anfing, dass wir immer in den Keller mussten.

00:18:17: Da haben Beckerleden noch Torten.

00:18:20: Adolf-Hitler Geburtstagstorten, die Backen.

00:18:23: Kann man sich gar nicht vorstellen?

00:18:26: Ja und dann hat man mal so Jernse Muschpogel, was alles im Haus wohnte, mal zu kennenlernen.

00:18:32: In einer Frau mit drei kleinen Mädchen ... Pippi Mausi, Pippi-Mausi.

00:18:37: Die hat die innerhatse Pippi genannt und die andere Mausi.

00:18:39: Und das war ... Das war die Portierche!

00:18:43: Das waren die Frauen, die im Haus eben putzte.

00:18:47: Dann kam der Tag an dem die Russen bei uns einzuholen.

00:18:51: Und Russen?

00:18:52: Russen war ja ein Schreckenswort.

00:18:55: Es gab auch in der Hitlerzeit eine Ausstellung über ... Bisschen Horror, Sowjetunion oder so was.

00:19:02: Also wo man eine Hucke ist nur Gräueltaten gezeigt hat und jetzt hieß es die Russen kommen.

00:19:09: also das war natürlich für uns eine Grauensvorstellung.

00:19:15: So dann kam sie wirklich.

00:19:19: Dann kam sie und der ganze Tag haben wir nur am Fenster gestanden Wie die ganzen, die hatten so eine Panewagen.

00:19:30: So mit so einem Bogen über dem Wagen und dann kamen sie da kilometerlang.

00:19:39: Unendliche Massen von diesen Wagen fuhren durch unsere Straße Und waren schon voll geladen mit Beutegut mit Bettgestellen und Einrichtungsgegenständen.

00:19:53: Alles hatten die da, was sie sich vorgestellt haben.

00:19:56: Ich weiß auch nicht ob die jemals davon irgendwas mit nach Hause nehmen konnten aber so haben erst mal geplündert.

00:20:03: Und dann hatten die unseren Hausflur als Pferdestall benutzt.

00:20:08: Da haben die jetzt ihre Pferde untergestellt und da kann man sich vorstellen wie das denn da so geduftet hat.

00:20:17: Aber ich muss sagen, wir hatten Glück.

00:20:21: Alle Frauen hatten ja nun Angst was ihnen da jetzt passieren könnte?

00:20:25: Das

00:20:26: ist bei uns nicht passiert.

00:20:28: Die haben zusammen die Deutschen mit eingeladen ihren Sieg zu feiern!

00:20:34: Also ich war ja zu klein, ich wurde noch nicht mit eingeladen.

00:20:37: Aber die Mädels von den Nachbarn waren schon ein bisschen größer.

00:20:42: Die haben dann da in der Lage dieser feierenden Soldaten mitgemacht.

00:20:47: Es ist ihnen aber nichts passiert.

00:20:49: also wie ihr sagt wir hatten Glück und sie waren net und haben dann reichlich auch an die Kinder Süßigkeiten verteilt Und so waren das für uns die netten Onkels Und wir hatten ja noch einen Garten.

00:21:05: Also von Kindheit an, ich hab da im Kinderwagen gestanden in dem Garten in Cepanik und dieser Garten der war dann für uns in der kommenden Nachkriegszeit die erst mal die richtige... also im Krieg haben wir nicht die Hunger.

00:21:20: Da sind wir so mit allem versorgt worden was wir brauchten und da begann es dann.

00:21:27: Da haben wir im Garten erstmal natürlich das große Glück gehabt, große gut tragende Ufsbäume zu haben.

00:21:35: Waren Sie eine der Trümmerfrauen?

00:21:38: Nee dazu war ich noch zu klein.

00:21:39: und da meine Mutter.

00:21:40: jetzt muss ich dazu noch sagen wir hatten einen Sohn also ein Bruder hatte ich.

00:21:46: Der war wieder noch sechs Jahre jünger als Ich Und er war Down-Syndrom.

00:21:51: Das waren natürlich nun auch nicht schlecht und dadurch war sie nicht in der Lage Trümmarfrau zu werden.

00:21:57: Sie musste ja ihren Sohn betreuen.

00:21:58: Jetzt stelle ich mir sofort die Frage, das war ja auch gefährlich für ihn unter den Nazis.

00:22:04: Tja also da war bei uns.

00:22:07: irgendwie ist da keiner Roffi stoßen oder davon blieb er verschwunden.

00:22:17: Hatten sie eigentlich jüdische Kinder in der Schule

00:22:20: mit?

00:22:20: Also bei mir waren keine mehr.

00:22:22: Meine Schwester hat das noch erlebt, dass sie jüdische Mädchen in der Klasse hatte.

00:22:27: Die ganz normal eben auch da ihre Mitschülerinnen war.

00:22:31: und also die Zeit ... wo diese Kristallnacht war, da hab ich noch Erinnerungen dran.

00:22:39: Also so ganz Dunkle.

00:22:40: Dass so zerstimmerte Schaufenster scheiben.

00:22:44: Und ja, das hat man dann irgendwie ... Ja, die Juden werden weggeschafft oder was.

00:22:49: es hat man denn irgendwie gesagt?

00:22:52: Ja, das war so ein ... wie so einen Husch.

00:22:56: Der dann mal in der Geschichte da so durchhuschte für meine Erinnerung.

00:23:03: und dann hat man natürlich unser Nachbarer, Herr Tank, der hat irgendwie da in Oranienburg den Job gehabt.

00:23:15: Sachsenhausen?

00:23:16: Und den durften natürlich darüber nicht reden.

00:23:20: aber er hat dann manchmal, wenn Sie wissen So Andeutungen gemacht, was da passiert.

00:23:27: Der brachte auch Gegenstände mit die diese Gefangenen dort gebastelt hergestellt hatten.

00:23:35: Haben Sie den Nachbarn noch mal gesehen der da gearbeitet hat in Sachsenhausen?

00:23:39: Ja ja, der liebte natürlich weiter.

00:23:41: Er wohnte ja neben uns weiter.

00:23:43: Hat er wurde nicht belangt oder?

00:23:46: Nee, wahrscheinlich war das so eine kleine Nummer dass er da... hab ich nie was gehört.

00:23:52: Nee, die sind nachher später noch umgezogen in der ganzen Straße.

00:23:56: Haben sich Ihre Eltern oder Sie je die Frage dann gestellt?

00:23:59: Jetzt geht es ja langsam Richtung Ost-West.

00:24:02: Wo soll's hingehen?

00:24:03: Oder bleiben wir hier im Ostsektor?

00:24:05: Gehen wir rüber ...

00:24:06: Das war überhaupt kein Thema bei uns!

00:24:08: Ne.

00:24:09: Meine Schwester hatte sich ja nun inzwischen in Kassel festgesetzt.

00:24:13: Die hat manchmal vielleicht auch davon geträumt dass wir abhauen würden und irgendwie da zu ihr kommen.

00:24:20: Aber, nee.

00:24:22: Also ich habe nie in meinem Leben einmal ... In Erwägung gezwungen abzuhauen.

00:24:28: Ja

00:24:28: und dann sind sie Lehrerinnen geworden?

00:24:30: Dann hab ich Einen Fünfzig das Abitur gemacht, dann kam diese Nachkriegszeit ja und in dieser Zeit da wurden ja nun auch all die Nazi Bonzen aus den Schulen geworfen, die da Lehrer waren.

00:24:46: Und da herrschten natürlich sehr doller Lehrer-Mangel.

00:24:50: und dann haben uns die Schulräte Krause, Kretke und Kreuziger.

00:24:56: Die hießen alle drei so kratzig!

00:24:59: Und die haben uns denn bettelt dass wir gar nicht das Studium machen sondern gleich in die Schulen gehen.

00:25:07: Und da hast du im Juni des Abitur gemacht und am ersten September standest du vor der Klasse.

00:25:15: Keine Ahnung, wie groß sind Kinder einer vierten Klasse.

00:25:19: Also sie waren Grundschuliererin oder?

00:25:21: Wurde dann Grundschulerin?

00:25:23: ja und in der Unterstufe ich war ja an sich wollte ich das Studium machen für die oberen Klassen also bis zur Zehnten zumindest.

00:25:33: Für welche Fächer?

00:25:34: Ja für Deutsch- und Kunsterziehung.

00:25:37: Ich war damals sehr gut im Zeichenunterricht Dachte nun, alle Kinder würden auch so begeistert sein vom Zeichenunterricht.

00:25:47: Aber das habe ich ... Ich kam an eine Jungsschule im Prenzloberberg, Scherenbergstraße Kunstunterricht nach Fünfundvierzig also Einundfünfzig, finde ich an.

00:25:58: Da war mit diesen Jungs nicht viel zu machen und es war ziemlich schlimm.

00:26:04: Und ich dachte nach vier Wochen, ich kann kein Wort mehr rausbringen und ich werde das nicht weitermachen.

00:26:10: Es kam zu Weihnachten geschah, dass das für mich Wunder.

00:26:15: Eine Lehrerin ging aus gesundheitlichen Gründen ab und gab eine dritte Klasse ab.

00:26:20: Und die musste durfte ich dann übernehmen.

00:26:25: Und diese Klasse hatte ich dann wirklich sechs Jahre bis dann.

00:26:30: achte Klasse war ja das höchste damals in der Schule was man erreichen konnte.

00:26:34: Bis zur achten haben wir den drehenreichen Abschied genommen.

00:26:38: mit diesen Schülern bin ich heute noch in Verbindung.

00:26:41: Hatten Sie Probleme je Stasi oder?

00:26:43: Also ich war nicht in der Partei.

00:26:46: Ich war eine gute Lehrerin, aber die wollten mich mal für die Stasi werden.

00:26:51: Da bin ich mindestens über eine Stunde bearbeitet worden und das war ich gerade so ein zwei Jahre Lehrerin Und hatte natürlich eine Wahnsinnsangst.

00:27:03: Die Stasi, das war ja schon für uns Ach so, so ein grauen.

00:27:08: Und jetzt hatte die mich in den Fingern und ich habe tatsächlich damals, aus der wir es dann fünftig sind, dieses Ding unterschrieben.

00:27:17: Da war ich mal Stasi-Mitarbeiter.

00:27:19: Wen

00:27:19: sollten Sie ausbühren?

00:27:20: Also ich bekam einen Menschen zugewiesen, der natürlich auch einen Decknamen hatte.

00:27:25: Ich hatte auch einen Decknamen.

00:27:28: Dann wurden immer Treffen vereinbart.

00:27:32: Der wollte immer von mir wissen was so in der Schule ... und an den Kollegen so geredet wird.

00:27:39: Ich weiß jetzt nicht, einiger Zeit ... ich hab die ganze Akte hier, wo das auch drinsteht, weil es nicht brauchbar war.

00:27:45: Ich hab ihnen still liefert, was ihr brauchen konnten.

00:27:48: Haben Sie sie unter Druck gesetzt?

00:27:49: Haben Sie sich irgendwann gedroht?

00:27:51: Nein!

00:27:52: Also, ich habe natürlich eine Riesenangst gehabt, aber passierte gar nicht.

00:27:56: Auch als ich diese Absage gemacht habe, ich hatte einen Brief geschrieben dass ich nicht der Mensch bin, der andere Leute bespitzt und darüber jetzt Aussagen macht.

00:28:08: Und ich kann das nicht!

00:28:09: Und diesen Brief hatte ich in der Tasche als des Nächste Treffen mit meinem Herrn Kleinhard stattfand.

00:28:16: Nee, stattfinden sollte es fand ... er kam nicht.

00:28:20: Ich wurde einfach so sank und klanglos abgeschrieben Und hat gar keiner jetzt gesagt, sie taugen nicht für uns etwas.

00:28:29: Es kam einfach ein Gesprächspartner mehr und da war eben Schluss.

00:28:33: Ich hatte ja mit dieser Absage Angst dass ich dann Repressalien zu befürchten hätte oder so.

00:28:40: es passierte gar nichts.

00:28:43: Das hat mich ein bisschen mit dem Staat versöhnt.

00:28:47: Und dann kam der neunzehn November neunund achtzig?

00:28:50: Tja!

00:28:51: Und wir saßen am Fernseher.

00:28:54: Der hat gesagt, ab sofort ...

00:28:57: Unverzüglich.

00:28:59: Und ich saß gerade bei meinem Sohn.

00:29:02: Er wohnte im gleichen Haus, im Hinterhaus und wir haben uns gleich auf den Weg gemacht in seinem Lader.

00:29:09: Gleich nach der Pressekonferenz?

00:29:10: Gleich nach einer Presse-Konferenz.

00:29:12: Sofort auf dem Weg gemacht und sind zur Bornholmer Straße gefahren.

00:29:16: Das sah es noch völlig tot aus, hatte noch keinen Menschen da irgendwie.

00:29:21: Irgendwas in Aktion gesetzt und wir sind da hin.

00:29:24: Und vor uns stand einer mit dem Wartburg, das konnte ja auch nur ein Aussie sein.

00:29:30: Da haben wir gedacht er hat sich erst mal nicht getraut man wusste ja nicht ob man wieder nach Hause kommt ne?

00:29:35: Ja.

00:29:36: Und dann haben wir denen gefragt was haben sie denn jetzt vor?

00:29:39: wollen Sie auswandern oder wollen Sie wiederkommen?

00:29:43: Nö ich will auch noch mal gucken sagt der.

00:29:45: Ja.

00:29:46: Mh ja dann versuchen wir es auch.

00:29:49: Und dann sind wir noch richtig, da habe ich noch ein Stempel in meinem Ausweis durch dieses ganze Labyrinth.

00:29:56: Das war ja einen wirklichen Labyrinthe wo die Autos immer durchführen also die Westbesucher, die denn da durch die Kontrolle ging.

00:30:05: Da sind wir mit unserem Lader da durchgefahren und kamen da drüben an Osloer Straße.

00:30:12: Das sieht ja hier aus wie im Osten.

00:30:14: Ich denke das auch immer, man hat diese Erwartung vom Westen und dann steht man da im Bedenken.

00:30:18: Man dachte

00:30:18: man ist jetzt gleich in Gleisendem Slicht aber das war ja ein Hochbus-Grenzbereich Da kam ja kein Arbeiter hin und es war eben eine tote Ecke.

00:30:27: Und wir sind dort durch diesen Langweil hier dunkler Osloher Straße weiter weiter weiter.

00:30:32: und dann kam er auf die B-Räder.

00:30:33: B-Sechsohn neunzig Die querte ja da so zweiundneunzig und dann sind wir da rum Und sind denn so, da war ja damals noch eine besondere Straße.

00:30:47: Eine Umgehungsstraße hier gebaut ... Da konnte man den Reichstag sehen und so rum.

00:30:55: Dann sind wir auf die Potsdamer Straße gekommen.

00:30:57: Ich stell dir vor, fass mich mal an!

00:30:59: Wir sind im Westen!

00:31:00: Fass mich einmal an!

00:31:02: Kneif mich mal!

00:31:03: Da war dann gleich rechts ein kleines Hotel.

00:31:06: Und ich hatte so, ich weiß Verwandtschaft, Ich weiß ja nicht, ob das an dem Tag Zufall war.

00:31:12: Ich hatte jedenfalls ein paar Groschen Westjeld in der Tasche und wir sind da vor dem Hotel angehalten und ich habe da drin gefragt die wussten überhaupt noch nicht von Mauerfall.

00:31:23: Ich hab nur gefragt, ob ich mal anrufen durfte und da habe ich meine Schwester in Kassel angerufen und als mein Schwacher an das Telefon ging darf ich raten du bist in West-Werlin?

00:31:36: Die hatten natürlich auch Fernsehen geguckt Und hat natürlich gleich geschaltet, jetzt sind die tatsächlich in Westberlin.

00:31:44: Ja also das war da... Man kann es heute selber fast nicht mehr nachvollziehen was das damals so für ein Gefühl war.

00:31:52: und jetzt haben wir natürlich noch im Kopf gehabt um zwölf wird zugemacht an der Grenze.

00:32:01: Da kommt ja denn keiner mehr zurück!

00:32:04: Ich wollte grad fragen weil er so wie ich das gelernt habe sind die ersten, die rüber gelassen wurden mit Stempel wie sie.

00:32:11: Den wurde gesagt dass sie mit diesem Stempeln nie wieder einreisen dürfen?

00:32:15: Ja

00:32:15: ja irgendwie.

00:32:16: also das wurde uns direkt dreimal nicht gesagt.

00:32:20: aber es soll wohl auch öffentliche Wesen sein, bekannte Wiesen sein.

00:32:24: bis zum Zoo sind wir gekommen und haben dann plötzlich auf die Uhr geguckt habe ich gesagt Mensch du wir müssen um zwölf wieder zurück seien.

00:32:33: Das können wir nicht mehr rein zu.

00:32:37: Dann haben wir uns, ich finde mal jetzt den Weg nach Hause.

00:32:40: Wie sind wir denn hier fahren?

00:32:41: Wir haben aber dann auch wieder um die Umgehungsstraße unseren Weg zurückgefunden und dann kamen wir in die Osloer Straße.

00:32:50: und dann dachten wir oh Gott was ist denn da jetzt los?

00:32:54: Da standen kurz vor der Brücke Sperren von Westpolizei und so habe er gesagt Jetzt ist es passiert!

00:33:02: Jetzt können wir nicht mehr zurück.

00:33:05: Dann haben wir das Auto abgestellt und sind an so den Polizisten rangegangen.

00:33:11: Und haben gesagt, kann man denn jetzt hier nicht wieder zurück?

00:33:15: Versuchen Sie doch mal hat er dann gesagt!

00:33:19: Da kam nämlich die ganze ... da brütten die schon.

00:33:22: Da haben sie schon hier singen auf der Brücke und hatten ihre Sektflasche.

00:33:25: So ein Tag und na schön wie heute, alles lag sich in den Armen.

00:33:33: Idioten kamen jetzt mit dem Ostauto

00:33:36: gegen

00:33:37: diesen Strom.

00:33:38: Das muss man sich mal vorstellen.

00:33:39: und die haben auf unser Dach gekloppt und verrückt gespielt.

00:33:43: Am nächsten Tag, also ich bin brav.

00:33:46: am nächsten Tag habe ich Unterricht gemacht.

00:33:48: War jemand da?

00:33:50: Ja!

00:33:51: Also es waren viele nicht da, sagen wir mal.

00:33:54: Aber das war auch alles so auf ihr räufelt und also es war schon der Unterricht.

00:34:01: Es war dann nicht möglich und nach dem Unterricht habe ich mich sofort wieder in mein Auto gesetzt.

00:34:06: Wir hatten jeder im Auto und bin selber übergefahren Was ich lange, lange viele Aussies überhaupt nicht getraut haben in den Wessen.

00:34:17: Ich musste gleich alles erforschen.

00:34:18: Weil ich war ja früher da auch, hatte ja Verwandtschaft da drüben und das hätte ich mitbringen sollen.

00:34:25: an dem Freitag bin ich dann sogar mit der S-Bahn gefahren vom Friedrichstraße.

00:34:30: Da stand eine riesen lange Schlange man musste ja noch durch dieses Glashaus.

00:34:36: Ja

00:34:37: Tränenpalast!

00:34:39: Und natürlich knüppelt die Gevoll, die S-Bahn.

00:34:42: und mit wem quetschte ich mich da an?

00:34:46: eine S-Beantür?

00:34:48: Mit Günder Jauch.

00:34:52: Der war ja damals noch ziemlich jung als Reporter, Sportreporter und so.

00:34:56: Aber man kannte ihn schon... Und da habe ich mir gleich den Autogramm dienen lassen für das hab' ich noch!

00:35:03: Da habe ich immer schon mal auf die Gelegenheit, ihr hofft dass ich ihm das mal zeigen könnte aber ich bin ihm doch nicht so richtig wieder begegnet.

00:35:12: Vielleicht hört er es ja

00:35:14: Was weiß ich nicht.

00:35:15: Dann

00:35:16: jetzt melden wir Flux FM?

00:35:17: Ja,

00:35:17: das war so ein kleiner und

00:35:20: usw.,

00:35:20: dann bin ich nähen Tag nach der Schule, habe meine Erforschung im Westen gemacht.

00:35:27: Hab mir die Straßen da angeguckt und hab versucht mich zu erinnern nur hat man sich inzwischen dran gewöhnt.

00:35:35: So ist das!

00:35:37: Ich werde jetzt meine Abschlussfrage stellen wie finden Sie Berlin heute Und was wünschen Sie sich für die Stadt?

00:35:44: Ja, finde ich Berlin schön in seiner ganzen Grünheit mit so vielen Bäumen.

00:35:50: Ich bin da nur ein Pflanzenmensch und habe mein Leben lang meinen Garten geliebt und meine Pflanzen geliebts, hab Biologie unterrichtet und freue mich natürlich über jeden Baum der gepflanzt wird und über ihre Grünfläche, die bearbeitet wird Kleingärtner Land, was erhalten bleibt und nicht bebaut wird.

00:36:15: Und das ist ja jetzt eine Bedrohung für Berlin die ich ganz furchtbar finde dass man so schöne Paradiese abreißt in denen Menschen ihren Feierabend und ihre Zeit verbringen können um solche Scheißhochhäuser.

00:36:30: Die können sie auch ein bisschen weiter draußen bauen.

00:36:35: Was für eine Frau, wirklich.

00:36:37: Eva Tätz, wir und neunzig Jahre alt aber mit einer Energie die den ganzen Raum füllt so eine Frohnatur so direkt so wach und gleichzeitig mit einer Lebensgeschichte die einfach nur beeindruckt.

00:36:49: ich fand das Gespräch wirklich besonders weil sie mit einer Leichtigkeit über diese unfassbar schweren Themen spricht dass es einen wirklich

00:36:58: überrascht

00:36:59: ein echtes Berliner Original.

00:37:02: Und in der nächsten Folge geht es um einen ganz bestimmten Moment, als der Bürgerrechtler Martin Luther King Jr.

00:37:09: plötzlich in Ost-Berlin predigt und ein junger Berliner das hautnah miterleben durfte!

00:37:14: Wenn ihr auch jemanden kennt, der oder die so eine Geschichte hat, dann meldet euch bitte.

00:37:19: Ansonsten danke fürs Zuhören – ich bin Matti Geier.

00:37:22: bis zur nächsten

00:37:30: Folge.

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