Sieben Jahre Straße | Was für ein Leben - Folge 3

Shownotes

Ein Gespräch über Freiheit, Sucht – und den langen Weg zurück Was passiert, wenn Freiheit plötzlich keine Richtung hat? In dieser Folge von "Was für ein Leben" spricht FluxFM-Redakteur Matti Geyer mit Uwe Tobias – einem Mann, der sich nie angepasst hat. In der DDR landet er mehrfach im Zuchthaus, weil er sich gegen das System stellt. Nach der Wende will er eigentlich nur kurz raus – ein paar Tage auf der Straße, die neue Freiheit spüren. Doch aus Tagen werden Jahre. Sieben Jahre lebt Uwe Tobias ohne festen Wohnsitz in Berlin. Er schläft unter Brücken, in Hauseingängen, kämpft mit Alkohol und hält sich irgendwie über Wasser. Und erzählt heute offen davon: von den Tiefpunkten, den Routinen auf der Straße – und dem Moment, in dem er entscheidet, dass es so nicht weitergehen kann. Heute steht er wieder auf beiden Beinen.

Er arbeitet als Stadtführer bei querstadtein e.V. und führt Menschen durch die Orte, an denen er selbst gelebt hat. Eine ehrliche, direkte und beeindruckende Geschichte über Absturz, Überleben – und den Weg zurück.

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Habt ihr eine Geschichte für uns? Kennt ihr jemanden, der oder die ein außergewöhnliches Leben geführt hat?

Eine Geschichte, die man einfach hören muss? Dann schreibt uns an matti.geyer@fluxfm.de

– vielleicht wird genau daraus eine der nächsten Folgen von "Was für ein Leben".

Zum Host des Podcasts: Matti Geyer arbeitet als Redakteur beim Berliner Radiosender FluxFM. Speziell durch seine Arbeit als Stadtführer von toursofberlin bringt er Expertise in Sachen Historie ins Programm ein.

Transkript anzeigen

00:00:02:

00:00:08: Willkommen beim offenen Mikro für krasse Lebensgeschichten.

00:00:12: Geschichten, die man sonst vielleicht nie hören würde aber die unbedingt erzählt werden sollten!

00:00:18: Hi ich bin Matti Geier, Redakteur bei Flux FM und das ist was für ein Leben?

00:00:23: Ein Podcast über ungewöhnliche und unglaubliche Biografien.

00:00:30: Mehrere Leben hinter sich hat irgendwie.

00:00:32: Zuchthaus in der DDR, Brüche nach der Wende und danach sieben Jahre auf der Straße in Berlin.

00:00:38: Uwe Tobias war bei mir und Uwe ist jemand, der echt kein Blatt vor den Mund nimmt.

00:00:43: Berliner Schnauze sehr direkt, sehr klar Und genau das hört ihr jetzt!

00:00:55: Du hast siebeneinhalb Jahre auf die Straße gelebt in den neunzig Jahren Bevor wir darüber ausführlich sprechen, ist aber wichtig nochmal auch über dein Leben in der DDR zu reden.

00:01:05: Weil du warst ja alles andere als System treu und bist sogar im Zuchthaus gelandet.

00:01:10: Was hast Du damals Falsches gesagt oder angestellt?

00:01:13: Oder gedacht?

00:01:14: Falsche sind Anführungszeichen!

00:01:16: Also ich habe schon als Kind viel das Richtige gemacht was für die DDR einfach ein Dornenrohr war Weil ich hab mir ja gewundert, warum wohnte denn die Oma bei uns und der Oper drüben im Westen?

00:01:31: ganz einfach weil sie schienen waren.

00:01:33: Also bin ich mit sechs Jahren Richtung Grenze und habe dann festgestellt dass die Grenztruppen mich festhielten, die überjahmen mich der Polizei und die Polizei meinen Eltern.

00:01:45: Meine Eltern haben nicht geschimpft.

00:01:47: Warum nicht?

00:01:48: Weil mein Vater die Börd der West-Berliner war nach Ostberlin die Zunge ist, so.

00:01:58: Und dann ist es so.

00:01:59: Schule war auch nicht mein Freund weil die Schule war bei mir mit Verboten besteckt da ja die DDR angeblich ein kommunistischer Staat war und für mich nicht andere als ein Staat.

00:02:12: im Polizeistaat durfte viele nicht machen.

00:02:16: und jetzt kommt das was an meiner Schule kann nur von meiner Schule reden.

00:02:21: Ein Verbot war mit links schreiben.

00:02:24: Ich bin linkshänder bis zum heutigen Tag, wir haben so früher den Arm an Stuhl gebunden aber nicht mit Bind fahren sondern... ...mit dem Seil oder mit linearer Rohrstock auf der Hand hier und das man bedingt war rechts zu schreiben und mein Vater lehnte sich da hinten auf.

00:02:41: Und ich mach heute noch alle mit links.

00:02:43: Na klar So!

00:02:45: Und dann ist es ja so dass Ich ja dann ab Achtelklasse die Schule verlassen hatte, neuntezehnte hätte kein Zweck gehabt für mich.

00:02:54: Ich wäre auch nicht erschienen.

00:02:56: und denn ist es eben so.

00:02:59: ich habe einen Beruf gemacht den ich gar nicht lernen wollte.

00:03:03: Ich hab bis zum heutigen Tag einen Traumberuf und der ist Straßenfähiger weil diese Menschen achtig die räumen noch unser Dreck her und denen zeugt höchstens Respekt.

00:03:17: Und ich habe einen Beruf zum Jardner gemacht und kurz vor Ende der Lehre habe ich festgestellt, dass die DDR nicht meins ist.

00:03:25: Sein Wort nie werden kann, was hab' ich nicht mehr gemacht?

00:03:29: Ich bin nicht mehr arbeitend jung!

00:03:31: Und wer einer DDR nicht arbeitende jung ist, der wurde einig spät fing also zu verhalten, war aufs Wohlerneunemvierzig Denn Obdachlosigkeit gab es eher nicht.

00:03:42: So... Und ich kam nach den Jahren raus und hatte gleich wieder so einen Zusatzparf.

00:03:48: Der Ding nannte sich Arbeitsplatzbindung, denn die Richt hat mir eine Arbeit zugewiesen, der ich nachgehen musste irgendwo bei der Prostautos waschen oder warte wie das Ecke.

00:04:00: Ich bin dahin und da dauerte auch nicht lange.

00:04:02: Das dauert genau zwei Minuten und dreißig Sekunden.

00:04:06: Warum?

00:04:07: Wie die ganzen Leute da alle sehen haben ein Partei abzeichen von Honecker diesen Staatsratsober-Guru Und das war nicht meine Baustelle, da war ich weg.

00:04:17: Denn nahm sie mich vierzehn Tage später wieder in die Sperre.

00:04:22: Mh.

00:04:23: Für zwei Wochen nicht arbeiten halb Jahr und weil ich vorbestraft war, wir haben es ein Jahr.

00:04:29: Und dann kam ich so raus und suchte auch raus nach den anderthalben Jahren... ...und habe so eine Kneipe gesessen und mir geklein angesoffen.

00:04:39: Könnte doch ein bisschen größer erwiesen sein, nicht mehr.

00:04:43: Und dann ist es halt so, dass ich dann eben gesagt habe entweder jetzt oder nie.

00:04:50: Ich bin da wo wir wohnen haben an einer Grenze.

00:04:53: Schosssee Straße war ja ein Grenzüberg und in der Wölertstraße war im Friedhof.

00:05:00: Da über dem Friedhof bin ich abgehoben weil da nachts keine Grenzer waren und der Kontrollturm stand auf der anderen Seite.

00:05:10: und da bin ich rüber.

00:05:12: Du dachtest, das wäre keine Grenze da.

00:05:13: oder wusstest du?

00:05:14: Ich wusste,

00:05:15: dass nachts keine Grenzen auf dem Friedhof anfallen.

00:05:18: Weil meine Oma dahin liegen hat und ich bin immer mit meiner Schwester Rove Young und dazu brauchte man früher eine Grabkarte.

00:05:29: Da bin ich dann rüber und dann bin ich los in der Hand und kam nicht weit.

00:05:34: Dann standen auf immerhin zwei Grenzer vor mir, mit einem durchgerissen Maschiniwärm.

00:05:39: Mit einer AK-CMUHRT-Sicht und dessen Laufhafe geguckt haben sie mich verdunkelt an die Licht und dann zur Stasi gebracht.

00:05:48: Und bei der Stasi waren die Vernehmungen nicht prickelnd.

00:05:51: Was glaube ich?

00:05:53: Die Vernehnung dauerten so täglich zwischen zwölf und zwanzig Stunden.

00:05:58: Das war das physisch und das psychische.

00:06:01: Und die haben mich verurteilt.

00:06:03: so viel mehr Zu zwei Jahre, sechs Monate.

00:06:07: Fünf Jahre Berlin verbotigt beim Wasch-Echter Berliner sechster Generationen.

00:06:12: und ich geb so ein Sprichwort einen alten Baum verpflanzt man

00:06:16: nicht.".

00:06:17: Die Staatsanwältin sagte vorhin und sagt zu mir wortwörtlich Ich bin eine Diesel im sozialistischen Rosengarten, eine Schwür am Arsch unserer sozialistische Selbschaft.

00:06:29: So und da ich mir ja nicht gefallen lasse.

00:06:31: bis zum heutigen Tag habe ich ihr auch eine Antwort geben.

00:06:35: Und so?

00:06:36: Ich hab zu ihr gesagt, wissen Sie was?

00:06:39: Denn lieber strümende Gossern, als sie in Trabant-Sexhundert einszufahren und dafür musste ich noch Fünfhundert Ostmark Strafe zahlen!

00:06:48: Ich hab ihre Freistaat, ich sage sagen Sie mal wenn die so überzeugt sind können Sie mir dann erklären wer hier die Mauer eingestellt hat?

00:06:58: und das fand ihr ja nicht lustig und das waren nochmal Fünf hundert Ostmark.

00:07:03: Dann bin ich ja nach den zweieinhalb Jahren rausgekommen und durfte ja nicht nach Berlin.

00:07:08: Ich bin nach Blech Ziti gekommen, wer Blech ziti nicht kennt einfach Eisenhüttenstadt denn ich schreibe vieles in meiner Sprache um.

00:07:16: da geht es mir besser bei.

00:07:18: Es ist ein Zuchthaus unter einem Stasi-Gefängnis.

00:07:22: man weiß ja wie die Stasi einen manipuliert hat.

00:07:25: sprichst du darüber was da in der Haft war?

00:07:27: Das muss ja fürchterlich gewesen sein.

00:07:29: Also

00:07:29: also ich habe ja Ein Hohenschön-Grünkohl, also ein Hohenschönhausen soll dann eigentlich kapier in der Magdalene Straße gesessen.

00:07:38: Und die dient ja nochmal vier Etagen unter den Keller.

00:07:42: Ich habe dadurch eine Krankheit gekriegt, die ich eigentlich nie kannte.

00:07:45: Ich hab Platzangst!

00:07:48: Wenn zum Beispiel die S-Bahn voll sind steigt nicht ein, wächst nicht kann... Man hat da so ne olle Zelle gehabt, das war vier Meter zwanzig hoch Das Gebäude, da musste man dann immer auf dem Rücken liegen und die Hände auf den Bauch haben.

00:08:06: Und immer zur Glühbirne gucken.

00:08:08: Wenn man sich auf der Seite gedreht hat, haben sie geknallt, ging das Tür.

00:08:12: Er war ganz schlimm aber ... Ich habe es überstanden und Dennis hat gesagt, ich hab mir noch nicht mal heran gedacht weil ... Das ist ja dieser physische und psychische was er meinte.

00:08:27: Und dann bin ich ja rausgekommen und bin nach, wie gesagt, nach Blechzehti.

00:08:32: Also eine Südstadt.

00:08:34: Und ich hab noch mal einen Beruf gemacht zum Maurer.

00:08:37: Dann kam die Wende?

00:08:39: Du konntest zurück nach Berlin aber hast dich freiwillig dafür entschieden erst einmal auf der Straße zu leben.

00:08:44: Warum?

00:08:45: Freiwillige?

00:08:46: auf der Strasse war ich diesen Satze-Sachtabel, die was drüben in den Gossern endet.

00:08:49: Da hat sie hier ein Trabant-Sexhundert einzufahren Und dann hatte ich das Freiheitsgefühl.

00:08:54: Ich hatte das Gefühl, nicht gebraucht zu werden und das war ein schöner

00:08:58: Gefühl.".

00:09:00: Obdachlosigkeit in Berlin ist auch längst kein Randthema.

00:09:03: Das sehen wir alle wenn wir in der Stadt unterwegs sind.

00:09:07: Schätzungen gehen davon aus dass rund sechstausend Menschen auf der Straße leben standen, zwei tausend sechsundzwanzig und das es nur das was sichtbar ist.

00:09:15: viele schlafen in U-Bahnhöfen unter Brücken in Haus eingängen oder wechseln ständig die Orte.

00:09:20: andere tauchen in keiner Statistik richtig auf.

00:09:24: Was die Geschichte von Uwe Tobias so besonders macht, er erzählt aus der Innenperspektive und je länger man ihm zuhört, desto mehr versteht man wie schnell sich Biografien verschieben können und wie lange der Weg zurück manchmal dauert.

00:09:38: Ich hatte ja damals noch drei Freunde, die leider nicht mehr leben weil ich war ja auch Alkoholiker also Vollblutalkoholika.

00:09:48: Alkoholiker werde ich ewig bleiben.

00:09:50: Ich bin jetzt trockener Alkohliker, schon seit über siebenundzwanzig Jahren und wir waren Freunde und Freundschaft hat bei mir einen hohen Stellenwert.

00:10:03: Und das war die Richtchenfreunde.

00:10:04: mit denen haben wir früher immer Sachen gemacht.

00:10:09: Das heißt unsere Tarsätze geholt.

00:10:13: man hatte ja früher drei Buchstaben im Ausfestglied der OFW.

00:10:16: hießen heißt ohne festen Wohnsitz Und so ein Tarsatz lag damals zwischen der Sechzehn-Mai-Sechzen-Sechzig und die Siebzehnte-Mag-Fünfzig.

00:10:25: So, und da wir ja nicht das Zeitalter der Technik hatten.

00:10:29: Dann hat man folgendes gemacht.

00:10:31: Wenn man von zehn bis elf in Potsdam war, waren wir um zwölf bis eins im Brandenburg... ...und hatte gleiche nochmal geholt ohne dass wir den einen Amt voneinander wussten.

00:10:41: Es ist verjährt!

00:10:44: Ich hab mich auch wohl gefühlt, und damals ist es ja auch so.... So sauber rumlofen, das war nicht mein Ding.

00:10:52: Duschen und Bahnen waren ich meinem Freund, wie auf der Straße war.

00:10:55: Das war eklig um Fulfen für mich.

00:10:57: Und wenn Inna zu mir gesagt hat, ich stinke, hatt's mir interessiert... ...wie die Wasserstandsmeldung in Potsdam lehme ich ja auch nicht!

00:11:05: Und heute ist es ganz anders, wenn man so Verletrungen hat wie Ecke.

00:11:10: Manche Inna wurde da gar nicht mehr aufstehen von.

00:11:14: Ich brauchte ja früh schon sechs halbe Liter Bier Und eine halbe Flasche Schnaps überhaupt gerade aus Laufen zu können.

00:11:21: Man kriegt Entzugssyntome und Entzuchs-Syntome können die Hölle auf Ehren sein.

00:11:27: Da ist es eben halt so, dass ich tägliche Trunken habe, den Zweiflaschen Schnaps.

00:11:35: Jetzt werden viele rechnen und sagen, wir haben jetzt mit thirty-fünf Mark, aber ich hatte damals noch was jüttelt.

00:11:42: Ich habe laufe der Jahre in einer politischen Rehabilitierung Von Stappen, die mal von den Jälten traf ich ein Stück weil es meinen Kindern was geschickt und den Rest traf er gut durchgebracht.

00:11:56: Und dann kommt der gewisse Tag L, ich umschreibe dem also wo sich bei mir auf immer alles verändert hat.

00:12:04: Ich war in Berlin-Würmastorf unterwegs auch natürlich wieder Rottstüten zu Oberkante unter Lippe Alles Stufen runtergeknallt, hat mir ein Außenmantels-Sui zogen.

00:12:17: Sprünke Lenkzer drin hat und alle fünf C gebrochen mit einem Alkoholspiel von vier Komma zwei sieben Prummele.

00:12:25: Ja, dann kommt man den Krankenhaus um, denn übernimmt der Sozialamt so.

00:12:32: Und bei mir hat, ich sag mal, der Drillee auf immer Klick gemacht.

00:12:36: Ich habe einen Straßensozialarbeiter angerufen, denen er gesagt, kannst du mir eine Therapie besagen?

00:12:44: Und ich kam nach vier Wochen raus mit zwei Krücken, Jibsbeen-Laufschuh und stand so eine Stunde am Bahnhof zu.

00:12:53: Weil wir kannten uns ja untereinander alle... ...und dann ist es halt so dass ich nach einer Stunde gesagt habe du bist nicht du!

00:13:02: Also bin ich zur nächsten Kauferlern.

00:13:06: Da hängt mir wieder Bier und Schnaps herut.

00:13:09: Waren's drei Wochen, waren's dreieinhalb Wochen?

00:13:11: Ich weiß nicht mehr genau.

00:13:13: Jedenfalls haben die mich dann in der S-Bahn auf ihr lesen.

00:13:18: Ich hatte keine Krücken mehr, ich hatte keine Trinage mehr am Behen.

00:13:23: Dann kam mir wieder ein Krankenhaus und der Professor sagte zu mir, das war kurz vor um.

00:13:29: Ich hatten Alkoholspiel vom Vier Komma sieben zwei Prummele mit Delirium.

00:13:34: Wenn ich die oben zu ihm macht hatte sind durch Häuser gebaut worden, Autobahnen explodiert und viel, viel schlimmbere Sachen.

00:13:44: Und wie Kalbwegs wieder fit war, habe ich die dann nochmal angerufen – der Nerbsnertherapie.

00:13:50: Da war ich denn sieben Monate.

00:13:53: Und von da sind Überangshausen.

00:13:55: Damals hatten wir ja noch Sozialwohnungen, wo wir heute von träumen können.

00:14:00: In dieser Wohnung wohne ich seit... ...von zwanzig Jahren!

00:14:05: Und ich bin seit über siebenundzwanzig Jahren Trockner Alkoholiker.

00:14:11: Ich habe mich noch gefragt, auch als es vorhin nochmal erwähnt hat, du hast ja zwei Kinder und hast den auch Geld zukommen lassen.

00:14:17: oder aber wie ist das?

00:14:18: Wenn man auf der Straße ist?

00:14:20: ne und beim Brichter dann mit der Familie nämlich haben die probiert dich zu finden, dich irgendwie von der Straße runterzuholen.

00:14:26: Wie alt waren die damals?

00:14:27: Na meine Tochter war damals dreizehn und mein Sohn war elf Und meine Tochter, die wollte mich ja mal suchen.

00:14:34: Die hätte mich auch nie gefunden weil ich früher schöne Verstecker hatte oder schöne Ecken hatte.

00:14:40: Ich hab zu ihr gesagt du wirst mich nicht finden.

00:14:43: und dann habe ich zu ihr gedacht, ich werde dir irgendwann mal wenn er die Zeit zulässt erklären warum ich überhaupt auf der Straße gegangen bin.

00:14:54: Und das habe ich denn Jahre später gemacht?

00:14:59: Ja, ja.

00:15:00: Sie haben das begriffen und die freuen sich auch immer.

00:15:04: Wir sehen uns jetzt Microsoft Teams.

00:15:08: Ich freue mich dich zu sehen und ich muss gleich sagen... ...ich bin kein Familienmensch.

00:15:12: Ich mag keine Familie!

00:15:14: Da kann keiner von mir denken was da will?

00:15:17: Ich mag einfach keine Familie.

00:15:20: In all den Jahren als Obdachloser wo warst du am meisten?

00:15:23: in Berlin?

00:15:23: und vor allem auch wie übersteht man Die kalten Nächte im Winter, die heißen Tage im Sommer.

00:15:30: Damals, ich kenne ja noch minus siebzehn bis vormundzwanzig Grad... ...die erste Sache ist man je zum Gemüselamm!

00:15:36: Man guft sich da weder einen Appel nach dem Obzahler, sondern fragt den Gemüselner ob man Bananen, Tomaten, Birnen, Apelkästen kriegen kann aus Pappe.

00:15:45: So dann hat man schon eine Sache und dann kriegt man bei Suppenküchen und Kleiderkammern kostenlosen Schlafsack unten in Isomatte.

00:15:53: Und in Deutschland muss keiner verhungern.

00:15:56: Es gibt den noch Suppenküchen und Kleiderkrammern.

00:16:00: So, dann haben wir schon drei Sachen.

00:16:03: Und denn kann man noch fragen ob man zwei Decken kriegen kann?

00:16:08: Das ist immer für die Beene und immer für den Nieren.

00:16:10: Sintebenen kalt sind automatisch auch der Nieren kalt.

00:16:14: Und ich hatte damals viele Schlafplätze herab zum Beispiel unter der Sandgrubbrücke in der Charité.

00:16:22: Da stand ein ganzer Taus leer!

00:16:24: Und wie sie im Wachschutz Ende führten, waren wir weg.

00:16:28: Und da gibt's so ein Park also von der Tuchholz-Gi-Straße aus Da gibt es linkerhand so einen Park und da habe ich fast vier Jahre geschlafen Vom früher bis zu meinem Bruch der Kälte.

00:16:40: Hast du jemals gebettelt in der Zeit?

00:16:42: Ne,

00:16:43: das kann ich nicht.

00:16:44: Ich hatte ja diese politische Rehabilitätierung und dann bin ich vorbeifahren und hab mir das geholt.

00:16:51: Wenn du heute Obdachlose siehst, wer werden ja immer mehr statistisch in Berlin.

00:16:55: Was geht dir durch den Kopf?

00:16:56: Redest du mit denen?

00:16:57: Kommst du jemals ins Gespräch?

00:16:58: Nee kann ich leider nicht weil Ich kenne mich wenn ich mich zu sehr darin setze.

00:17:04: Da bin ich eh das Tars wieder hinten Fahregründen rückwärts rüber Die wissen wo soll sie verkriegen Wo es Weihnachtsfeier gibt und wo etwas abzusagen gibt.

00:17:14: Und Also eine schön Sachen und ich kann kein helfen würde gerne Aber ich kann es nicht.

00:17:22: Jetzt, heutzutage gibst du ja Touren für den Querststadt ein.

00:17:26: Du zeigst Leuten die Orte wo du damals als Obdachloser gelebt hast und wirst demnächst sogar dafür ausgezeichnet.

00:17:33: vom Land Berlin, habe ich gehört?

00:17:34: Ja also... Ich bin Stadtführer und meine Chefin sagt immer, ich bin der Dienstelter des Stadtführers.

00:17:42: Ich bin auch der längste, der dabei ist so lange wie ich im Verein jeb zwölf Jahre und ich mache das auch jahrelang Weil in der heutigen Zeit kann ja jeder auf die Straße landen.

00:17:54: Und man kann nicht jeden Obdachlosen was geben, aber was man nehmen kann ist schenkt ihn ein Lächeln, denn Lächel und Zelt vor Respekt und Respekt sollte man für jeden Menschen haben, dann Respekt fängt beim Zuhören an!

00:18:10: Und ich werde aus dem Zeichen hat mit der Ehrennadel von Berlin Man muss sich mal überleben, von Obdachlosen zum Stadtführer.

00:18:22: und dann noch eine Auszeichen.

00:18:25: Hättest du den nicht träumen können damals?

00:18:28: Und du bist so ein richtiges Bellino Original finde ich!

00:18:30: Na aber sowas schon... Ich hasse das ja wenn ich zum Bäcker hier... Ich hatte ja fünf Schröppen.

00:18:41: Wir haben nur Brötchen, ich sag das heißt Schrippe und nicht Brötchin.

00:18:46: Das ist ja erstmal wie nach West-Berlin gefahren mit in der Nähe vom Zoo.

00:18:50: Da stand weil ich das Wort nicht kannte.

00:18:53: Echte Berliner Frikadelle.

00:18:55: Ich zu den Händen, ich sahr mal du Klon, was isst denn da eine Frikadelle?

00:19:00: Sagt dann ne Bullette!

00:19:01: Ich sag dann schreibt er doch ran du Klohn!

00:19:04: Nein, das sind dann mal so Sachen die ich saaar metadiut.

00:19:09: Vielen vielen Dank

00:19:10: Aber sehr gerne.

00:19:12: Was für ein Typ!

00:19:14: Ich hab's gesagt, Uwe Tobias ist wirklich ne Berliner Schnauze, pur direkt ehrlich ohne Umwege.

00:19:20: und genau das macht ihn auch so stark in seiner Erzählung – auch weil er nichts beschönigt sondern einfach sagt wie es war und wie es ist.

00:19:29: Und ich hatte danach echt das Gefühl dass sich so'n echtes Berliner Original getroffen habe Wie man´s wirklich selten trifft.

00:19:37: Und in der nächsten Folge geht's tatsächlich um noch so ein Berliner Original und zwar um Eva Titz, stolze, vierundneinzig Jahre alt.

00:19:46: Ich hab mit ihr gesprochen.

00:19:47: über Ihr Jahrhundertleben kann man ja quasi sagen!

00:19:51: Wenn ihr auch jemanden kennt, der oder die eine wirklich unglaubliche Lebensgeschichte hat dann gerne immer her damit.

00:19:57: Die E-Mail Adresse findet ihr in den Show Notes.

00:20:00: Ansonsten bedanke ich mich fürs Zuhören.

00:20:02: Mein Name ist Martin Geier und wir hören uns hoffentlich in der nächsten Folge

00:20:13: wieder.

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