Carla Kalkbrenner: Zwischen DDR-Fernsehen, Wende und Krimi | Was für ein Leben – Folge 22
Shownotes
Manche Menschen beobachten Geschichte. Andere erzählen sie. Carla Kalkbrenner hat beides getan. Sie wächst in der DDR als Tochter des Malers Fritz Eisel auf und erlebt ihre Kindheit in Potsdam. Später studiert sie Journalistik in Leipzig und arbeitet ab 1979 für das Fernsehen der DDR. Als die Friedliche Revolution das Land verändert, berichtet sie mittendrin über eine Gesellschaft im Umbruch – zunächst für den Deutschen Fernsehfunk, später für den ORB, das ZDF und die Deutsche Welle. Für ihre Arbeit wird sie unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Doch Carla Kalkbrenners Geschichte endet nicht im Journalismus. Heute schreibt sie erfolgreiche Berlin-Krimis, deren Ermittlungen mitten durch die Geschichte und Gegenwart der Hauptstadt führen. Und auch ihre Familie spiegelt deutsche Zeitgeschichte wider: Ihr Großonkel Fritz Selbmann gehörte zu den bekanntesten Politikern und Schriftstellern der DDR, ihr Vater Fritz Eisel war einer ihrer bedeutenden Maler. Ihr Mann Jörn Kalkbrenner schrieb Texte unter anderem für die Band Silly. Und ihre Söhne Paul und Fritz Kalkbrenner gehören heute zu den international bekanntesten deutschen Techno-Musikern. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit Carla Kalkbrenner über das Aufwachsen in der DDR, den Journalismus im Wandel zweier politischer Systeme, ihre Leidenschaft für das Schreiben – und darüber, wie sich ein ganzes Stück deutscher Geschichte auch in einer einzigen Familie erzählen lässt.
Transkript anzeigen
00:00:02: Ich
00:00:08: bin Matti Geier und in diesem Podcast treffe ich Menschen, die außergewöhnliches erlebt haben.
00:00:13: Menschen, deren Biografien ein Stück deutsche Geschichte erzählen – mal bewegend, mal überraschend, manchmal kaum zu glauben!
00:00:20: Meine heutige Gesprächspartnerin hat irgendwie gleich mehrere Leben gelebt.
00:00:24: Sie war Fernsehjournalistin in der DDR, hat die Wende aus nächster Nähe erlebt.
00:00:29: Wurde für das Satire-Magazin Chaos mit dem Grimmepreis ausgezeichnet und schreibt heute Berlin Krimis.
00:00:35: Viele kennen ihren Namen aber auch noch aus einem ganz anderen Grund – sie ist die Mutter von Paul & Fritz Kalkbrenner über Journalismus in der DDR, die Umbruchszeit, das Schreiben von Krimies und das Leben in einer Familie, die Musikgeschichte geschrieben hat.
00:00:49: Darüber spreche ich jetzt mit Carla KalkBrenner
00:00:53: Und das ist meine Geschichte.
00:00:56: Außergewöhnliche Lebensgeschichten auf Flux-FM!
00:01:00: Wir fangen mit Ihrem Vater an, ich habe gesehen, Ihr Vater war Fritz Eisel, ein Künstler zu DDR-Zeiten und Sie waren Potsdammerin?
00:01:09: Ich bin Potsdama.
00:01:10: Viele kennen ja dieses lange Wandmosaik am Rechenzentrum, da er jetzt abgerissen werden soll.
00:01:15: Verfolgen sie es?
00:01:16: Ja, dass verfolge ich und abgerissens werden soll, ist so eine Sache.
00:01:19: Es steht unter Denkmalschutz.
00:01:20: Also der Streit geht schon seit zehn Jahren.
00:01:23: Ach, seit zwanzig!
00:01:24: Ich würde stehen lassen... ich würde das Rechenzentrum stehen lassen und den Kirchturm nebenbei.
00:01:30: da hätte man sozusagen so ein Symbol wie die Welten aufeinanderstoßen.
00:01:35: Das könnte man so machen aber ich weiß nicht was wird.
00:01:38: Ja muss mal abwarten.
00:01:40: Wie war denn Ihre Familie?
00:01:41: Waren ihre Eltern politisch?
00:01:43: Ja also sagen wir mal so Die Familiengeschichte ist extrem prägend.
00:01:49: Mein Großvater war Kurier bei einer Widerstandsgruppe in der Nazi-Zeit, kurzzeitig im KZ aber wieder entlassen.
00:01:57: Mein Großonkel also der Bruder meiner Oma Fritz Selbmann war der Chef der kommunistischen Partei Thürings wurde gleich neunzehntreiunddreißig verhaftet und war zwölf Jahre in KZ und Suchthaus.
00:02:10: Und als er rauskam, war er der Einzige, der weder in der Westimmigration war noch in der Sowjetunion.
00:02:17: Er war der einzige hohe kommunistische Funktionär, der gewissermaßen die ganze Zeit von vorn bis hinten gesessen hat.
00:02:24: Und er wurde dann Wirtschaftsminister in einer DDR für Schwermaschinenbau und war aber auch ein sehr eigensinniger Mensch, der zwar wirklich ein knallharter Kommunist war, aber wenn ihm sagen wir mal von der Wirtschaftsseite her was gegen den Strich ging da hatte das auch gesagt viel dann auch in Ungnade.
00:02:44: Ihm wurde zum Beispiel Manager-Tum vorgeworfen, also als was ganz Schlimmes.
00:02:49: Na ja, dann ist er Schriftsteller geworden.
00:02:51: Sein Bruder wiederum war im französischen Widerstand im Makie.
00:02:55: kurz gesagt... Also das waren so die Stories am Armbrottisch und das prägt sehr, sodass ich als Kind und Jugendliche ... Ich hab' die DDR genommen wie sie war!
00:03:10: Also für mich war das so selbstverständlich, dass das nicht ganz so war ist mir erst sehr viel später aufgegangen.
00:03:17: Aber die Schwungkraft dieser Prägung hält doch lange!
00:03:22: Und Sie haben dann Journalistik in Leipzig studiert?
00:03:25: Genau am Roten Kloster.
00:03:27: Also seltsame Fächer oder vielmehr seltsamer Inhalte in den Fächern... Nicht so wirklich aufgegangen, dass wir in Philosophie zum Beispiel fast nur Marx Engels und Lenin hatten.
00:03:38: Und ein bisschen Feuerbach und ein bisschen Hegel und sonst nix.
00:03:42: Es gab keine anderen Philosophen... ...und kommunistische Wirtschaftslehre ist ja naja okay!
00:03:48: Es gab auch so'n bisschen richtigen Journalismus.
00:03:51: also man hat dann gelernt Bericht, Reportage Portrait usw.. Wir haben viel diskutiert aber natürlich Wir waren durchaus kritisch, aber in so einem Rahmen.
00:04:05: Man ging nicht drüber hinaus.
00:04:07: Aber haben Sie dann als Journalistin nicht irgendwann gemerkt dass da Grenzen sind und das man den Job gar nicht so vielleicht machen kann wie man wollte?
00:04:15: Allerdings ja!
00:04:16: Es ist ja so junge Leute es sind ja.
00:04:18: also wenn wir kommen... Also wenn wir jetzt hier wir Absolventen kommen jetzt in die Realität wird alles besser.
00:04:24: Wir machen alles besser.
00:04:27: Ich bin dann in die Kulturredaktion gekommen vom DDR-Fernsehen und das war ein bisschen ein Glück, weil sie wurde immer sehr spät ausgestrahlt.
00:04:37: Und da konnte man sich so gewisse Aufmüpfigkeiten leisten im Rahmen.
00:04:42: Aber man ist natürlich durchs ganze Land gekommen, durch die ganze DDR und hat sukzessive so vom Ende der Siebzigerjahre, wo ich da angefangen habe gesehen den Verfall der Städte In Halle, in Altenburg.
00:04:55: In Dresden... Ach überall!
00:04:57: In Leipzig bei uns auch.
00:04:59: Das hat mich irgendwie schwer beeindruckt weil ich habe so versucht auf diesen Gebieten ein bisschen zu arbeiten.
00:05:05: Literatur kannte ich nicht so gut aus Theater auch nicht.
00:05:08: Kino hatten andere Kollege gemacht und da blieb es so ein bisschen Architektur Denkmalpflegedesign.
00:05:15: Ich war auch in vielen Betrieben unterwegs zum Beispiel bei Carla in der Porzellanfabrik ... bei einem Verpackungsunternehmen, ... ... in einer Bierproduktion.
00:05:26: Da ging es natürlich um die Etiketten und nicht um das Bier!
00:05:30: Und da habe ich gesehen was alles nicht funktioniert.
00:05:33: Die Zulieferteile waren nicht da... ... da wurde die Strecke unterbrochen,... ...die Etiketen auf den Bierflaschen landeten kreuz- und quer.
00:05:40: Das hat keinen Menschen interessiert.
00:05:42: Also alles so dieses... Ich hab' so eine Gefühl dafür gekriegt dass sich dieses Land gewissermaßen von hinten auffrisst.
00:05:49: Wenn man bedenkt.... Das Kinderschuhe wurden zu einem niedrigen Preis verkauft, als sie produziert wurden.
00:05:57: Weil das so sein sollte genauso wie die Brötchen Straßenbahn zwanzig fände ich die ganze Zeit seit neunundvierzig.
00:06:05: Das konnte nicht gut gehen.
00:06:08: Aber wen konnten Sie es ja nicht?
00:06:10: Haben's nur gemerkt.
00:06:11: Ich habe es gemerkt und Wie gesagt immer noch diese Hoffnung dass die vielleicht irgendwann mal aufwachen.
00:06:19: Aber mit dem Aufwachen, das habe ich alles erst hinterher so richtig begriffen.
00:06:23: Die konnten ja gar nicht aus ihrer Haut raus.
00:06:26: Was hätten sie sehr hätten sagen müssen Sozialismus ist gescheitert wir treten ab.
00:06:30: Das macht keiner
00:06:33: und Architektur Design Denkmalschutz klingt ein bisschen nischig fast oder?
00:06:38: Ja
00:06:38: es ist auch, aber es hat Spaß gemacht.
00:06:42: und später schon nach der Wende hab' ich da so eine Sendung ins Leben gerufen Burger rettet eure Altstätte.
00:06:48: so ne Gesprächssendung.
00:06:50: Da konnte hatte man dann zum ersten mal die wirklich realen Bilder.
00:06:53: es gab Gegenden.
00:06:54: Das sah ein Straßensüge aus wie nach dem Krieg alles vernagelt, alles runtergerockt und da konnte man die himmendlich zeigen und darüber sprechen.
00:07:04: Ja hatten Sie Lieblingsprojekt im DDR-Fernsehen?
00:07:09: Nee
00:07:10: oder danach?
00:07:11: Dann das war dann meine Sendung Chaos!
00:07:13: Okay na dann okay genau Chaos.
00:07:16: dafür gab's ja sogar den Grimmepreis Satire Magazin.
00:07:19: Hat Ihnen Satire besonders Spaß gemacht?
00:07:22: Absolut.
00:07:23: Also ich weiß nicht, ob ich so ein bisschen geprägt bin schon durch meine Literatur, die ich gelesen habe.
00:07:29: zum Beispiel einer meiner Lieblinge ist Stanislaw Lem.
00:07:33: Ion Tichi's Weltraumabenteuer Die waren so köstlich verdreht, sarkastisch lustig.
00:07:40: Das hat mir immer gut gefallen.
00:07:42: und dann... Ich weiß es nicht So, im Jahr neunzig schlug der damalige Korrespondent der ARD in der DDR, Hans-Jürgen Birner.
00:07:53: Der schlug bei uns auf in einer Kulturredaktion und wollte so einen Bericht machen.
00:07:58: Wie geht es denn jetzt weiter hier im DDR Fernsehen?
00:08:01: Da hat er mich auch interviewt.
00:08:03: Ich weiß nicht mehr das Einzige was ich mich erinnere, was ich gesagt habe.
00:08:06: also wir haben keine Leichenberge hinterlassen nur Papierberge!
00:08:11: Das ist der einzige Buch an dem ich mich noch erinnern kann hatte die Sendung extra drei beim mndr diese satire sendung und der hat gesagt wie wär's denn wenn sie nach so in anlehnung an unsere sendung eine satiresendung aus der taufe heben?
00:08:28: das war so der anstoß Und dann haben wir uns zusammengesetzt und wir haben ja in der zeit dann gemacht was wir wollten.
00:08:36: es hat Ja keiner mehr irgendwas kontrolliert.
00:08:39: Das war so eine wilde zeit Und ich meine, wir haben ja gar nicht gewusst wie Satire funktioniert.
00:08:44: Wir haben ja im Grunde auf dem Sender geübt aber wir hatten sehr viele junge Talente.
00:08:50: die meisten kamen direkt vom Studium einer direkt von der Armee und die haben einfach losgelegt.
00:08:57: da wurde dann das DDR Fernsehen aufgelöst durch Herrn Münterfering und alle Welt im Fernsehen gab sich Mühe das letzte Geld auch wirklich auszugeben.
00:09:06: deswegen hatten wir in den letzten Monaten irre viel Geld zur Verfügung.
00:09:11: Wir haben gedreht, ohne Ende geschnitten.
00:09:13: Wir haben ganze Studio-Bauten gemacht und keiner hat die Sendung abgenommen.
00:09:19: so heißt das ja also das Vorgesetzter dass sich anhört.
00:09:23: ich habe die Sendungen zusammengefahren und hab das Sendeband persönlich in die Senderregie gebracht.
00:09:28: Sie hätten alles im Fernsehen sagen können machen können?
00:09:32: Ich hätte wirklich...und wir haben auch manchmal unter der Gürtelinier aber so genau weiß ich es auch nicht mehr
00:09:38: Aber von Jetzt zuständig sein für Denkmarschutz und Architektur.
00:09:42: Und dann jetzt zur Satire.
00:09:43: ist ja ein Riesensprung, oder?
00:09:44: Das kann man laut sagen.
00:09:46: Aber wie gesagt ich hatte eine tolle Crew... ...und ich habe die Beiträge nicht gemacht!
00:09:51: Ich hab sie nur betreut also alles was das Sprachliche.
00:09:54: der brillanteste Autor von uns war Stefan Schwarz.
00:09:57: Der ist heute noch einer der besten satirischen Autoren.
00:10:01: Er hat zum Beispiel so Sätze.. ..das war in der Sendung glaube ich die einen Kremlpreis gekriegt hat.
00:10:06: genau da ging es um die Zeit nach der Wende.
00:10:10: Und da hat er den schönen Satz gesagt, und zwar im Stile einer fünftiger Jahre Propagandasendung mit schwarz-weiß Material.
00:10:18: Und hier lernen die Ostdeutschen in dem ihnen vertrauten Partei chinesisch die Vorsteuer von der Servolenkung zu unterscheiden.
00:10:27: Da muss ich immer noch kichern.
00:10:30: So selbstironisch wir Aussies sind doof!
00:10:32: Wir müssen ganz viel lernen.
00:10:33: aber es war natürlich nicht ernst gemeint.
00:10:35: Es waren natürlich dreifach gedreht.
00:10:38: Wie war eigentlich die Wendezeit für Sie?
00:10:41: Sie mussten sich gar nicht so groß neu beweisen, erst mal.
00:10:43: Also ich sage immer so wir sind relativ weich gefallen das muss man ehrlich zugeben weil das Kulturmagazin bestand weiter und wir haben dann verschiedene Sendelschienen die alle mit K anfingen weil das Symbol war so ein K Und da ist deshalb wird K aus bei uns auch mit K geschrieben was ja eigentlich mit CH geschrieben wird.
00:11:03: Wir haben die gewisse Masse im DDR-Fernsehen in dem Nachwende DDR-Fernsehen dann weitergeführt, erfunden und paar Sendungen gemacht.
00:11:13: Und da kam ein Herr vom ZDF auf uns zu.
00:11:17: Er meinte, das wäre doch was für einen ZDf-Dreisat diese Sendung.
00:11:22: Die haben die übernommen.
00:11:23: Da haben wir in der Oberlandstraße in Berlin für einen zdf-dreisad die Sendung produziert.
00:11:29: Wir waren natürlich immer Geübter und hatten auch einen guten Chef, der uns gut beraten hat
00:11:35: mussten sich irgendwie groß umschulen oder war vieles anders dann im west fernsehen als
00:11:43: die technik war.
00:11:44: etwas weiter muss man sagen aber am anfang gab es ganz wenig einflussnahme von aus meins.
00:11:53: wir haben ja in berlin produziert und haben das fertige sendeband.
00:11:56: im grunde haben uns natürlich die themen abnicken lassen aber wie sie dann aussahen haben die erst den mines gesehen wenn sie's ausgestrahlt haben Und wie gesagt, irgendwann nach dem Grimmepreis da hatten wir dann die Aufmerksamkeit des Fernsehrates.
00:12:12: Vorher war das so naja lasst die mal die jungen Leute da und da haben sie dann Dollar drauf geguckt und wir haben keinen echten Verbündeten im Fernsehrat gehabt weil wir uns alle vorgeknüpft haben Kirche alle Parteien.
00:12:27: Wir hatten keinerlei Rückhalt durch irgendwelche Organisationen.
00:12:32: Wir haben uns darum nicht geschert.
00:12:33: Und zwar das auch nicht so bewusst mit dem Fernsehrat, dass es sowas gibt solche Gremien wo sich sagen wir die katholische Kirche aufregen kann und sagen kann So nicht Das war uns nicht so klar.
00:12:45: Naja und so ist es dann ja auch geendet.
00:12:48: Ich wollte sowieso fragen gab's große Beschwerden?
00:12:51: Ja
00:12:52: weil man hat ja da auch mitgemacht und ich weiß nicht ob das noch bekannt.
00:12:55: Es gab diese Sendung pleitenpäch und pannen Mit dem Herrn Schautzern Und da haben wir so eine satirische Variante draus gemacht.
00:13:05: Bleiten, Pech und Schrammen mit Herrn Schnauzer mein Mann mit angeklebten Schnurrbart und der erste Preis war das goldene Kameel und haben dann einen Zusammenschnitt von allen möglichen Katastrophen gemacht.
00:13:17: Das waren natürlich echt fies!
00:13:20: Da hat einer geschrieben, sowas kann sich nur ein ganz dummes Schwein ausdenken.
00:13:25: Wann haben Sie denn gemerkt dass es jetzt aber doch nichts mehr für sie ist?
00:13:28: Also nach der endgültigen Absetzung von Chaos, das Chaos ist ja noch mal vom Dreiser zum RWB gewandert und nach zwei Jahren hatte auch der dortige Justizjahr die Schnauze voll.
00:13:38: Hat die Deutsche Welle mich aufgefangen, gewissermaßen die Kulturredaktion und da habe ich zehn Jahre gearbeitet und es war auch sehr interessant.
00:13:46: wir sind also in ganz Europa rumgekommen und haben da unsere Berichte gemacht aber irgendwann hatte ich so ein Gefühl als wenn alles nochmal vorbeikommt dass sich die Themen wiederholen und das war nicht mehr so spannend.
00:14:02: Naja, dann musste ich eine auszeitnehmende gesundheitliche... ...und in der Zeit habe ich mich relativ schnell gelangweilt.
00:14:10: Dazu muss ich sagen, ich hatte für die Deutsche Welle einen ganz wunderbaren Krimi-Autor Interviewt Ulrich Ritzel aus Ulm!
00:14:19: Und er war Polizeireporter gewesen.
00:14:22: Und da hab' ich so gedacht, aha, der wart Polizeireporter Und hat dann diese tollen Krimis geschrieben.
00:14:27: Ich hab mein Leben lang auch geschrieben und durch Chaos ja auch sehr prägnant, bisschen sarkastisch immer, leicht satirisch, sehr schnell... ...und da habe ich gesagt probierst du es doch auch mal!
00:14:41: Und Krimi erschien mir so wie.
00:14:43: das traue ich mir zu.
00:14:46: Das könnte ich konstruieren Weil ich hab der Welt ja nicht großartig was mitzuteilen in dicken Romanen.
00:14:52: Aber eine Krimi-Handlung kann man sich fein ausdenken, da kann man auch viel Gesellschaft mit reinbringen so politische wenn die Leute über Dinge, die sie sehen nachdenken oder das reflektieren.
00:15:03: Da kann man viel gesellschaft mit rein bringen.
00:15:06: und dann habe ich damit in dieser Zeit angefangen.
00:15:09: Wie lange haben Sie geschrieben am ersten Buch?
00:15:11: Bestimmt drei Jahre.
00:15:13: Es ist ja ein ganz anderes Schreiben, weil Sie sagen, Sie haben geschrieben aber fürs Fernsehen schreiben und Buchschreiben.
00:15:18: Es ist ein großer Unterschied, das es war.
00:15:21: Man muss sich einfach jeden Tag hinsetzen.
00:15:24: also ich warte nicht auf Inspiration.
00:15:27: Ich setze mich hin und gucke das an und schreibe dann sogar manchmal schon mal einen Satz hin wo ich weiß der ist gar nicht so gut aber der treibt mich dann schon in die Handlung rein und läuft auch.
00:15:40: Aber die Stadt Berlin ist doch auch eine Inspiration für Sie?
00:15:43: Absolut!
00:15:44: Also wirklich, ich glaube, ich habe schon alle Stadtbezirke abgedeckt.
00:15:49: Auch meine Ermittler wohnen ja hier und da...
00:15:52: Was ist eigentlich Ihr Kiez?
00:15:53: Mein Kiez ist Mitte!
00:15:55: Ja, da wohne ich.
00:15:56: Und wie gesagt Berlin ist ja eine Stadt der Kieze weil ... Ich glaube, alle anderen großen Hauptstädte sind aus nem Kern heraus und sich rumgewachsen.
00:16:07: Und Berlin ist ja erst neunzehnundzwanzig zum Groß-Berlin zusammengefügt worden.
00:16:11: Das merkt man immer noch so an den verschiedenen... Dass jedes so.
00:16:15: sein kleines Zelt... Mancher kommt gar nicht aus seinem Gehitz raus!
00:16:18: Hat er gar nicht nötig, sehr alles da.
00:16:20: So sieht's aus?
00:16:22: Wie haben Sie die Entwicklung Berlins seit der Wende empfunden?
00:16:25: Ja so und so.
00:16:27: Das ist immer so eine Frage.
00:16:29: Nehmen wir mal Brenzler Berg und Friedrichsein, das waren ja die Stadtbezirke wo zumindest die Häuser noch standen.
00:16:36: zumindest jetzt kostet so ne Sanierung natürlich der das bezahlt der legt es natürlich um auf Verkaufspreise Mietpreise usw.
00:16:47: Und dann gibt es da dieses So dass sich das Klientel dann ändert.
00:16:52: viele können sich das nicht mehr leisten und andere die sie es leisten können Bevölkern dann diese Gegenden.
00:16:58: Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wie man da einen echt guten Mittelweg finden könnte.
00:17:04: Also um die Wohnung ist noch eine andere Frage.
00:17:06: Da kann man wirklich sagen bauen, bauen, bauten aber bei Sanierung von, sagen wir mal Gründerzeithäusern mit dem ganzen Stuck außen dran den Stuck drinnen möglichst noch erhalten.
00:17:19: Hinten Fahrschüle anbauen weil ja keine drin sind ist ja klar es schwierig.
00:17:23: Und dann natürlich habe ich beobachtet den ganzen Streit um Palast der Republik.
00:17:28: Na klar!
00:17:29: Ich habe so einen priorisierten Entwurf gesehen, wo ich gedacht habe das wäre es doch gewesen... ...das Ding stehen lassen.
00:17:35: Übrigens wenn man als bestum mantelt passiert überhaupt nichts.
00:17:38: Das passiert gar nix.
00:17:39: Es ist eine Panikgeschichte.
00:17:43: Wenn der nicht raus kann, dann ist da nix okay.
00:17:45: Palast stehenlassen vorne eine große Glaswand Und davor die Silhouette des Schlosses eingeritzt.
00:17:54: Da hätte ich gedacht, wenn das nachts beleuchtet gewesen wäre... ...die Silhouette der Schloss es hätte durchgestrahlt!
00:18:00: Wir hätten DDR und wir hätten Schluss.
00:18:03: Präusentum.
00:18:05: Hätte-hätte.
00:18:07: Sie beobachten viel und dann landet das ein oder andere auch in den Büchern?
00:18:11: Ja
00:18:11: klar.
00:18:11: Jetzt sind schon vier Bücher.
00:18:13: Worum geht's im Neuesten?
00:18:15: Ich wollte noch ganz kurz... Was so einfließt.
00:18:19: Meine Beobachtung, Denkmalpflege und was in der Nachwende da passiert ist das fließt ins erste ganz stark ein.
00:18:25: Das spielt ja im Holländer Viertel in Potsdam Und da sind ja auch dubiose Sachen gelaufen.
00:18:31: Okay!
00:18:32: Und das neue Spiel zum Teil in der Prignitz Da wird der Tote gefunden Ein hoher Beamter des Brandenburgischen Landwirtschaftsministeriums Der von einem Flug zerteilt wird Ist ja auch eine etwas absurde Todesart, aber es kommt tatsächlich vor.
00:18:50: Ich habe da mehrere Zeitungsartikel dazu.
00:18:54: Und dann spielt's in Potsdam im Ministerium und meine Ermittler haben auch verschiedene Spuren ja.
00:19:01: Okay, also Sie haben ja sogar einen extra Verlag gegründet, Ihren eigenen Verlag?
00:19:04: Warum?
00:19:05: Damit das Kind einen Namen hat!
00:19:09: Es gibt ganz viele Self-Publisher... Und die veröffentlichen meistens ja E-Books, was ja völlig in Ordnung ist.
00:19:15: Aber ich wollte eben das Gedruckte haben und ich wollte dass die einen hübschen Namen... Das Logo ist auch sehr schön!
00:19:23: Das M heißt Martini & Lörsch.
00:19:28: Name eines Großvaters, Lörsch-Geburtsname meiner Mutter und er klingt so ein bisschen alt eingesessen.
00:19:33: Das war so'n bisschen ein Trick!
00:19:35: Das kostet ja nix ne?
00:19:36: Das koste siebenunddreißig Euro Gewerbesteuer so einen Verlach anmelden.
00:19:39: Achso... Ja aber dann der Buchdruck.
00:19:41: Das Buchmachen ist teuer.
00:19:44: Richtig teuer und das kommt man verdient absolut.
00:19:46: also als Selfpublicher verdienst du kein Geld.
00:19:49: Ich wollte
00:19:49: fragen, hat sich's rentiert bisher?
00:19:51: Nein
00:19:51: null.
00:19:52: Rentieren tut es unter Umständen wer nur E-Books macht.
00:19:56: Also der schreibt seinen Ding und lädt das hoch.
00:19:59: Und da brauchst du kein Papiergein
00:20:01: usw.,
00:20:01: keinen Vertrieb, sondern es geht alles elektronisch.
00:20:03: Da kann man durchaus Geld verdienen.
00:20:07: Aber ich wollte wirklich Bücher die man in die Hand nehmen kann, die dann so schön dastehen.
00:20:12: Finde
00:20:12: ich auch schöner immer.
00:20:14: Ja!
00:20:14: Ich habe auch ein super Grafiker Gilberto Giardini, der die Cover gemacht hat... ...und mein Buchmacher also Herstellungsleiter ist auch ein erfahrener Mensch und die kannte ich eben zufällig schonen, als ich... ...die Idee hatte.
00:20:28: So mit dem Ersten da kannte Ich sie schon!
00:20:30: Da kamen so'n paar Elemente zusammen, die das bisschen erleichtert haben Die Entscheidung.
00:20:35: Ich war auch bei meiner großen Agentur Graf & Graf is ne renommierte Literaturagentur.
00:20:41: Die waren auch wirklich sehr angetan Und die haben gesagt Das ist echt gut und so.
00:20:47: Und jetzt suchen wir mal einen Verlach.
00:20:49: Och und das hat sich so gezogen Dass ich dachte, das wird doch nie was.
00:20:54: Und da kam Paul um die Ecke und hat gesagt jetzt ist hier noch mit der Warterei.
00:21:00: machen wir es doch selbst.
00:21:02: Und damit war ich aber so ein bisschen auf der Schiene.
00:21:04: Da bin ich dabei geblieben.
00:21:07: Reich wäre ich nicht berühmt, wär' ich auch nicht mehr.
00:21:09: Aber ich hab das geschafft!
00:21:10: Ich habe diese vier Dinger... Und
00:21:12: mal sehen was das Marketing noch bringt.
00:21:15: Ich drückt mir die Daumen.
00:21:16: Und dann
00:21:17: müssen wir aber auch über ihre Kinder sprechen.
00:21:19: Okay,
00:21:20: machen wir.
00:21:20: Paul und Fritz Kalkbrenner, Techno-Ikonen kann man ja eigentlich sagen.
00:21:25: Wie laut waren deren Kinderzimmer früher?
00:21:29: Die waren schon laut
00:21:31: Falls euch die Namen nicht sagen, Paul Kalkbrenner gehört zu den bekanntesten deutschen Produzenten elektronischer Musik.
00:21:36: Mit Berlin Calling und dem Song Sky and Sand wurde er auch international gefeiert.
00:21:41: Und auf sein jüngerer Bruder Fritz Kalkbränner feierte mit seiner markanten Stimme und eigenen Hits ebenfalls große internationale Erfolge.
00:21:48: Paulchen hat ja recht früh eigentlich neunundachtzig noch angefangen.
00:21:54: das vergessen immer viele wie lange er das eben auch schon macht.
00:21:58: Und Fritz ist ja ein bisschen später eingestiegen.
00:22:01: Der hat ja dieses Guy in Cent bei sich im kleinen Zimmer mit einem ganz einfachen Mikro aufgenommen und das hat er mir dann vorgespielt, ich war vollkommen von den Socken.
00:22:11: Erst mal habe ich nicht gedacht dass der einen englischen Text schreiben kann.
00:22:16: Ich wusste nicht...der hat wohl in Bars Gläser abgeräumt so.
00:22:21: Er hatte ja elfte Klasse auch geschmissen wie Paul und hat dann so Jobs gemacht ...in Bars gearbeitet, Gläser abräumen und da war so viel internationales Publikum.
00:22:30: Da hat er wahrscheinlich irgendwie Englisch gelernt, keine Ahnung!
00:22:34: Und ich wusste auch nicht dass er so singen kann... Das hatte dann gemacht.
00:22:37: aber richtig durch ging es ja erst als die Verwendung in Berlin Calling in diesem Spielfilm wo Pauli Hauptrolle gespielt hat.
00:22:45: Da ging's dann richtig los.
00:22:47: Wann haben Sie gemerkt das Ihre Jungs so musikalisch sind?
00:22:50: Schon richtig klein und haben sie es gefördert oder nie?
00:22:52: Nein überhaupt.
00:22:52: Also sagen wir mal so Wir haben Paulchen zum Trompetenunterricht gejagt.
00:22:59: Na gut!
00:22:59: Hat er nicht gerne gemacht und hat ihm keinen Spaß gemacht, ich hab auch nicht gespürt.
00:23:05: Irgendwie war Fritz bei dem Chor aber dann auch wieder nicht ... Da war eigentlich nix.
00:23:11: Die haben nur viel Musik gehört
00:23:13: z.B.,
00:23:14: hoch- und runtergehört den Traumzauberbaum.
00:23:17: Und Paul hat irgendwann so entdeckt, der hat die ... Bilder einer Ausstellung von Mussorgsky in der Version von Tomita.
00:23:27: Elektronisch und das war wohl so ein Türöffner für ihn, wo er so gedacht hat, was man so machen kann?
00:23:34: Und da hat dann angefangen ich glaube noch auf alten Atari-Computern aber relativ schnell auch in klitzekleinen völlig runtergerockten ehemaligen DDR-Jugendclubs.
00:23:49: Das waren diese Standardwürfel, die überall rumstanden.
00:23:52: in Lichtenberg gab es so ein Ding und der musste immer um elf zu Hause sein.
00:23:56: Erzählte heute gesagt ich soll da auflegen und ich muss um elf Zuhause sein.
00:24:02: Geht ja nicht!
00:24:03: In Berlin fängt er alles erst nach um elf an.
00:24:06: Genau hat sich dann oft die Schule nicht so gut ausgewirkt.
00:24:11: Gehen sie auf die Konzerte selbst, ist das Musik mit der Sie was anfangen können?
00:24:13: Absolut.
00:24:14: Ja.
00:24:15: Ich mag das einfach wie Sie das machen.
00:24:18: Es gibt bestimmt auch viele andere, die auch gut sind aber ich meine ich habe genug Musik von denen und wenn es möglich ist gehen wir zu den Konzerten und immer wieder... Aber
00:24:30: weil Sie mir vorhin gesagt haben dass Sie die Kollegen vom Klassikradio gerne hören dachte ich jetzt naja Doch, doch.
00:24:39: Weil es sind gerade bei Paul wunderschöne Melodien dabei schöne Melodieerfindungen wirklich auch viel Gefühl und nicht nur Wumm-Wumm
00:24:51: Genau.
00:24:52: Na dann vielen vielen Dank fürs Gespräch.
00:24:54: Ja ich bedank mich war sehr schön.
00:24:57: Carla Kalkbrenner war das Und wenn ihr neugierig auf ihre Bücher seid Ihr neuestes heißt die Sonne über Berlin Triebstau.
00:25:05: Wenn euch dieser Podcast gefällt Würde ich mich freuen, wenn er ihn bewertet, abonniert und mit Freunden oder der Familie teilt.
00:25:12: Damit noch mehr Menschen diese außergewöhnlichen Lebensgeschichten entdecken!
00:25:15: Und in der nächsten Folge wird es besonders bewegend – dann spreche ich mit Asya Gorban Sie überlebte als Kind Ghetto-Konzentrationslager und Flucht während der Shoah.
00:25:25: Heute mit über neunzig Jahren geht sie noch immer in Schulen und erzählt ihre Geschichte damit sie nie vergessen wird.
00:25:32: Also wir hören uns beim nächsten Mal.
00:25:33: Ich bin Matti Geier.
00:25:34: Bis dann
00:25:36: FluxFM, was für ein Leben.
00:25:39: Weitere außergewöhnliche Biografien auf fluxfmde.
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