Die 21-Jährige, die der DDR entkam | Was für ein Leben - Folge 2
Shownotes
Ständige Vertretung, ständiger Nervenkitzel: Die Geschichte der Inge Albrecht Manche Entscheidungen verändern alles. In dieser Folge von "Was für ein Leben" spricht FluxFM-Redakteur Matti Geyer mit Inge Albrecht – die 1984 mit gerade einmal 21 Jahren einen mutigen Schritt wagt: Sie flieht aus der DDR. Nach mehreren gescheiterten Versuchen landet sie schließlich in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin – einem Ort zwischen Hoffnung und politischem Ausnahmezustand. Wochenlang wartet sie dort, zusammen mit anderen, auf eine Entscheidung, die über ihre Zukunft bestimmt. Inge erzählt, wie sie ihre Flucht geplant hat, was in der Vertretung wirklich passiert ist – und wie es sich anfühlt, alles hinter sich zu lassen, ohne zu wissen, ob es ein Zurück gibt. Eine Geschichte über Mut, Risiko und den Moment, in dem man einfach losgeht.
Habt ihr eine Geschichte für uns? Kennt ihr jemanden, der oder die ein außergewöhnliches Leben geführt hat?
Eine Geschichte, die man einfach hören muss? Dann schreibt uns an matti.geyer@fluxfm.de
– vielleicht wird genau daraus eine der nächsten Folgen von "Was für ein Leben".
Zum Host des Podcasts: Matti Geyer arbeitet als Redakteur beim Berliner Radiosender FluxFM. Speziell durch seine Arbeit als Stadtführer von toursofberlin bringt er Expertise in Sachen Historie ins Programm ein.
Transkript anzeigen
00:00:02: Hi,
00:00:08: ich bin Matti Geier, Redakteur bei Flux FM und Geschichts Nerd.
00:00:13: Und das hier ist unser neuer Podcast.
00:00:15: Interviews mit Menschen deren Biografien sich wie Filme anhören nur dass sie wirklich passiert sind.
00:00:21: Und gerade bei dieser Folge stimmt das wirklich.
00:00:24: Sie könnte auch als Drehbuch für einen Thriller genutzt werden.
00:00:27: Es geht in die DDR der Achtzigerjahre, denn ich habe mit einer Frau gesprochen, die damals gerade mal einundzwanzig Jahren entschieden hat zu fliehen.
00:00:36: Ihr Name Inge Albrecht und der Ort, der in ihrem Leben alles verändern sollte war die ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in
00:00:45: Ostberlin.".
00:00:48: Und das ist meine Geschichte!
00:00:51: Außergewöhnliche Lebensgeschichten auf Flux-FM.
00:00:55: Für Sie war ziemlich früh klar dass sie in der DDR keine Zukunft haben.
00:00:58: Wann war das und was war passiert?
00:01:01: Ich bin am Stadtrand von Berlin groß geworden, also in einem kleinen Dorf, blanken Felder heißt es.
00:01:06: Da war meine Kindheit auch glücklich bis ich sechzehn war.
00:01:09: Und als ich sechszehn Jahre alt war und in der Schule immer mehr diese politische... Zwangsschulung aufkam und mein Vater zu Hause ganz kontra der DDR-Regierung eingestellt war, musste ich immer so ein Zwitterleben führen.
00:01:23: Und als ich sechzehn war oder ein Jahr vorher musste man sich für einen Beruf entscheiden.
00:01:27: Ich wollte immer studieren, ich wollte Medizin studieren.
00:01:30: Dann hat man mir gesagt, weil mein Vater so rennitant ist werde ich nie das Abitur machen dürfen.
00:01:36: Da war für mich klar, ich will auf keinen Fall in diesem Land bleiben, bloß mit sehzehn weiß man ja gar nicht wie man es anstellen soll.
00:01:42: Wir haben dann auch alles probiert.
00:01:44: Wir sind ja noch zum Schulamt gegangen, ob es nicht doch mal eine Möglichkeit gibt.
00:01:47: Mein Vater war kein wirklicher Oppositioneller.
00:01:51: Er war Schlossermeister in einer Firma und er hat einfach ... Nur Kleinigkeiten gemacht.
00:01:56: Dafür konnten sie ihn nicht wirklich bestrafen, aber er hat zum Beispiel keine sozialistischen Auszeichnungen entgegengenommen.
00:02:01: Das war ihm alles zu wieder dieses überzogene Loben der Leute und so.
00:02:06: Ich sage ich mach hier mal einen Job und dann lasse mich in Ruhe
00:02:08: damit.".
00:02:08: Und sowas ... Damit konnten die nix anfangen.
00:02:09: das war ja nicht wirklich was gegen den Staat zu sagen.
00:02:12: also Sie haben ihm einfach gesagt wenn sie hier nicht spuren kriegen ihre Kinder keinen Fuß auf dem Boden.
00:02:18: Und das haben sie durchgehalten.
00:02:19: also zehnte Klasse durfte ich machen mein Bruder auch Aber damit war die Karriere beendet.
00:02:24: Also wir durften nicht studieren, also nicht auf eine höhere Schule gehen und eine Berufsausbildung.
00:02:30: Die mussten man natürlich machen weil Arbeitslose gab es ja in der DDR nicht.
00:02:33: Zum Glück durfte ich eine Ausbildung beim DDR-Fernsehen machen weil wir so massiv gebeten haben warum das denn nicht geht dass ich studieren darf obwohl ich ganz gut in einer Schule war.
00:02:44: Haben sie mir wenigstens die Berufsaufbildung die ich mir gewünscht habe.
00:02:48: Die haben Sie mir gegeben.
00:02:49: Ich bin also Technikerin beim DDR Fernsehen geworden Und dann wollte ich nach Ende der Ausbildung einen Ingenieurstudium draufsetzen.
00:02:56: Also wen zu mich da weiterentwickeln?
00:02:58: und haben sie auch wieder gesagt, nein geht nicht hier ist Schluss.
00:03:01: Haben Sie mit Ihrem Vater jemals über eine Flucht gesprochen?
00:03:05: Ja er wusste... Ich springe mal jetzt drei Jahre weiter.
00:03:08: also ich hatte die Welt meine kleine Welt bereist.
00:03:11: Also ich bin sich mal in Ungarn-Romanien getremmt halt in die Länder Reisen durfte und dann kam ich wieder.
00:03:17: Und immer wenn ich wiederkam, habe ich gesagt Ich halte es nicht aus mir sind die Grenzen auch zu eng.
00:03:22: Ich will die Welt sehen.
00:03:23: Ich hab unterwegs österreicher norweger schweden getroffen.
00:03:26: Ich wollte einfach auch wie die durch ganz europa fahren oder in die welt bereisen.
00:03:31: das war auch ein ziel.
00:03:32: und ich wollte unbedingt auf eine uni.
00:03:35: und Dann habe ich mein vater gesagt haben wir sagt ich werde in diesem land nicht glücklich.
00:03:39: und dann hat er gesagt da musst du gehen.
00:03:40: aber er hat ja Wir wussten ja, es gibt keinen Weg raus aus der DDR.
00:03:44: Das war schlichtweg unmöglich.
00:03:45: Hat er auch nicht so ernst gemeint dann gesagt?
00:03:47: Oder...
00:03:48: Also er hatte natürlich Angst, dass mir was passiert.
00:03:49: Wir wusste ja das, dass Leute halt auch sterben können bei einer Flucht oder so.
00:03:53: und wie gesagt ich war ja noch so jung und naiv, neunzehn-zwanzig Jahre alt.
00:03:58: Da reifte das immer mehr auf meinen Reisen.
00:04:00: Dann habe ich erste Fluchtversuche an der bulgarisch-türkischen Grenze.
00:04:05: dann wurde uns klar gemacht von den Bulgarien, also die schießen auch von der anderen Seite.
00:04:09: Also nicht dass ihr denkt wenn ihr im Grenzgebiet seid, die Bulganen fangen euch aber die Türken sind auch nicht fein!
00:04:15: Die denken einfach es ist ein Angriff, die wissen ja nicht woher ihr wirklich kommt... Also macht das nicht.
00:04:21: und das ist viel zu gefährlich auch in Rumänien über die Donau zu schwimmen.
00:04:25: Wir haben's versucht mit einer Freundin mehrfach, wir sind bei jeder Reise ausgestiegen, wir haben uns die Punkte angeguckt Aber damit waren wir viel zu naiv und viel zu ängstlich.
00:04:36: Und haben es nicht wirklich in die Tat auch nur ansatzweise umgesetzt, wir waren nah dran!
00:04:39: Wir waren immer ganz nah dran.
00:04:41: Und eine Sache wo wir's fast geschafft hätten sind wir mit einem österreichischem Lkw-Fahrer getremmt der in Richtung Österreich fuhrs war also auf der Rückreise.
00:04:51: und er hat gesagt Mödels ich nehme euch mit.
00:04:53: und dann sagt er wer fuhr mit einem lkw der keinen Auflieger hatte.
00:04:57: also das war nur die Zugmaschine mit der Ladefläche hinten.
00:05:00: da hat er uns ein Werkzeugfach gezeigt groß genug, wo wir beide reinpassen.
00:05:04: Das haben wir dann auch gemacht.
00:05:05: Wir haben uns Probe reingelegt und er meinte nur kurz vor der Grenze müssten wir unsere Rucksäcke wegschmeißen.
00:05:09: die passen da nicht mit rein.
00:05:11: Und dann sind wir noch auf eine Raschstätte in Ungarn gefahren.
00:05:14: das war noch vor Budapest und dann haben wir dahin gesessen und dann ging die Tür auf.
00:05:19: ein anderer Lkw-Fahrer aus Österreich kommt rief so in den Raum rein in diese Raschstäte.
00:05:24: hey daraus entsteht ein österreichischer Lkwe.
00:05:26: wer ist der Ösi?
00:05:27: Wo ist mein Kollege?
00:05:28: Und dann kam ja auch an den Tisch weil sie treffen sich scheinbar immer.
00:05:32: Dann hat er gesagt, die Kontrollen haben unglaubliche Kontroll.
00:05:35: Die gehen mit Hunden durch die Lkw's ohne dass der andere ihm irgendwas gesagt hatte.
00:05:40: also und das war klar, er kann uns nicht mitnehmen.
00:05:43: Und da waren wir sehr traurig.
00:05:46: Ja glaube
00:05:47: ich!
00:05:48: Und dann haben sie ja in den Ausreiseantrag gestellt.
00:05:52: was ist danach passiert?
00:05:54: Ich hatte mir ein paar Tage bevor ich diesen Ausreisantrag gestellt habe, habe ich mir das Bein gebrochen.
00:05:58: Das heißt... was mir erst mal nicht passiert ist.
00:06:01: Sie konnten mich nicht entlassen, weil ich gar nicht beim DDR-Fernsehen war.
00:06:04: und wer beim DDR Fernsehen auch als Techniker gearbeitet hat, war bestimmt Geheimnisträger.
00:06:09: Und deshalb ist mir das erspart geblieben, weil sich im Krankenstand war.
00:06:14: Dann war ich zu Hause und meine Freundin kam zu mir und sagte Ich halte es nicht mehr aus.
00:06:20: Ich werde jetzt versuchen irgendwas so unternehmen.
00:06:23: Glücklicherweise lernten wir eine etwas ältere Frau kennen die zehn Jahre älter war als wir Und die war unter Druck, weil man wollte ihr ihre beiden Kinder wegnehmen.
00:06:33: Die hat mich wirklich angesprochen.
00:06:35: Ich dachte, sie hätte auch von der Stasi sein können.
00:06:36: Sie war es am Ende nicht!
00:06:38: Es war einfach Glück im Unglück mit meinem Beinbruch und so.
00:06:41: Und die hat gesagt, sie muss in die Botschaft flüchten.
00:06:43: Sie hat gehört da sind schon ein paar Flüchtlinge drin.
00:06:45: ich könnte mich ja anschließen... ...und dann habe ich nur meine Freundinnen in Leipzig informiert.
00:06:51: Nicht telefonisch, ich bin mit meinem Gipsbein nach Leipzig gefahren um ihr das persönlich zu sagen.
00:06:55: sag' ich mach das jetzt einfach, ich gehe mit der in die Bootschaft.
00:06:59: Die ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR war kein normales Botschaftsgebäude und sie hieß auch ganz bewusst nicht Botschaft, denn offiziell sah die Lage damals so aus.
00:07:10: Die BRD und die DDR waren keine klassischen Auslandstaaten zueinander sondern zwei deutsche Staaten in einem politisch ungelösten Verhältnis.
00:07:19: Deshalb sprach man nicht von einer Botschaft sondern von einer ständigen Vertretungen.
00:07:24: ein sprachlicher Kompromiss Gleichzeitig auch ein Signal.
00:07:27: Man erkennt sich gegenseitig an, aber irgendwie auch nicht!
00:07:32: Der Ort selbst lag mitten in Ostberlin abgeschirmt, aber sichtbar von außen.
00:07:37: ein eher unscheinbares Verwaltungsgebäude.
00:07:40: Heute sitzt hier das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit der Abteilung Industriepolitik Und jetzt haben sie schon gesagt es waren diese zwei Kinder dabei?
00:07:49: Ja
00:07:49: Wie haben die das dann mitgemacht?
00:07:51: Wussten die Bescheid hatten die Angst?
00:07:52: Also das Mädchen war glaube ich elf, der Junge war sechs.
00:07:55: Der Junge wusste von gar nichts.
00:07:57: Die Mutter hat ihm erzählt wir gehen da die Hannoverische Straße oder befindet sich die ständige Vertretung?
00:08:01: oder befand sie sich?
00:08:03: Da gehen wir in ein Laden und kaufen was, er freute sich!
00:08:07: Und das Mädchens wusste Bescheid und die war auch ganz angespannt.
00:08:11: Wir sind mit der Straßenbahn an die Straßenecke gefahren also Friedrichstraße Ecke Hannoverischen Straße.
00:08:16: Da hat man am Tag vorher schon gesehen, wo die Stasi sich positioniert hatte.
00:08:20: Und dann war klar okay wir spazieren einfach vorbei und Polizei stand dann auch noch davor und eigentlich waren wir schon sehr deprimiert.
00:08:28: Nur war an dem Tag, das war der Donnerstag-Verfingsten ein großes Festival angesetzt im Stadion der Weltjung.
00:08:33: Dieses Stadions steht mittlerweile nicht mehr, es gibt's nicht mehr und da marschierten hunderte von Jugendlichen vom Bahnhofsfrischstraße kommen links um die Ecke in die Hannoverische Straße hinein.
00:08:43: sozusagen vor unseren Augen sind sie abgebogen und sind an der ständigen Vertretung vorbei gelaufen und wir haben uns einfach eingereit.
00:08:49: Die hatten zwar Blauhemden an, wir nicht aber wir haben sich einfach eingereiht und ich lief weil ich ja einen G-Gibs hatte auf.
00:08:56: ganz links Hatte die Elfjährige an der Hand.
00:08:59: Und dann kam die Mutter und dann kam der Junge, meine Freundin war die schnellste.
00:09:05: Wir liefen also in einer Reihe mit denen mit.
00:09:07: Die Stasi waren ein bisschen irritiert weil sie haben das gemerkt dass wir uns da eingereit hatten.
00:09:12: Bloß die waren auf der anderen Straßenseite und links von uns war die ständige Vertretung mit zwei Polizisten davor.
00:09:17: Weil die guckten auch die kurzen Röcke der Mädels.
00:09:20: Das war heißer Tag.
00:09:22: Dann bin ich einfach losgerannt.
00:09:23: Das waren so zwei Stufe hoch zum Eingang Und habe dieses Mädel mit mir gezärt und die Mutter, also wir wissen wie sie uns so nach Reihe sind.
00:09:30: Wir da reingerannt.
00:09:32: Also ich hab' die Tür aufgerissen und wir sind rein gehächtet... ...und im Reflex hat der Polizist sich umgedreht und einfach gegriffen und er kriegte den Jungen zugreifen.
00:09:42: Der, also jetzt war die Mutter drin hatte den Jungs auf der einen Seite.
00:09:46: Meine Freundin war auch drin, obwohl sie vorher den Jungen noch an der Hand hatte.
00:09:49: Das ging aber alles so schnell und jetzt hing er dazwischen Tür und also drinnen und draußen und da schrie die Mutter diesen Mann an diesem Polizisten.
00:09:57: Er soll sofort ihr Kind loslassen und vor Schreck hat das wirklich losgelassen.
00:10:01: Also das war ja wirklich.
00:10:03: dann ist er zurückgeprungen sozusagen und dann ist die Tür zu gefallen.
00:10:08: Und dann saß hinter der Glasscheibe also innen ein Beamter der westdeutschen Vertretung und guckte uns an und sagte dann ihre Ausweise bitte, beziehungsweise wir hatten die schon in der Hand weil man ja so Behördenhürig ist wahrscheinlich oder so das so gewohnt war.
00:10:25: Und dann sahen sie durch die Glasscheibe die Polizisten auch noch Ja!
00:10:28: Die Bestätigung war da.
00:10:29: Wir sind Flüchtlinge, die haben fünf Flüchtlings gerade rein laufen lassen.
00:10:33: Das Gesicht von dem Polizist mich nie vergessen.
00:10:35: also er wird viel Ärger gekriegt haben denke ich mal.
00:10:39: und Dann guckte der Beamte Der westdeutsche Beamter uns an und lächelte Ich nehme mal was voraus, er ist mit meiner Freundin verheiratet mittlerweile und die haben drei Kinder.
00:10:50: Oh okay wow!
00:10:53: Was ist Ihnen durch den Kauf gegangen als Sie dann endlich in der Vertretung drin waren?
00:10:57: Als wir drin waren, waren wir nicht wirklich drin.
00:10:58: Wir waren in so einer Schleuse und wir waren also noch ein bisschen gefangen Und wir haben gesagt, wir wollen hier unsere Ausreiseangelegenheiten klären und würden dann wieder gehen.
00:11:06: Wir haben also gelogen weil wir ahnten, wenn wir nicht richtig reinkommen werden sie uns auch nicht richtig rein lassen Und möglicherweise kriegen wir das Schwierigkeiten.
00:11:14: Dann holte der seinen unten Abteilungsleiter, ein.
00:11:18: Herr Starpi ist er und er kam dann an und viele Leute waren schon im Urlaub.
00:11:23: es war wie gesagt Finks Donnerstag also Donnerstag vor finksten Nachmittags.
00:11:28: Er kam machte die Tür auf und hatte einen ziemlich generften Gesichtsausdruck und fragte denn was wollen sie hier?
00:11:34: Ja wir wollen unsere Ausreise klären.
00:11:36: Wir haben ausreiser Anträge alle drei und wollen unsere Daten hinterlassen damit uns von Westen Licher Seite auch geholfen wird.
00:11:43: Da hat er gesagt, ja aber sie versprechen mir schon dass ihr dann die Botschaft wieder verlassen.
00:11:46: wir natürlich was haben Sie denn gedacht?
00:11:48: also wir waren vollkommen schaffiert über dieser.
00:11:51: wie kann da nur sowas denken?
00:11:53: und das
00:11:54: hatten sie nicht vor oder?
00:11:54: Natürlich
00:11:55: nicht!
00:11:55: Wir haben ihn angelogen und dann sind wir reingebeten worden in seinen Büro und dann saßen wir ihm gegenüber auf einem viel zu kleinen Sofa mit drei Frauen zwei Kinder sehr eng.
00:12:06: Und dann hat er alle unsere Daten aufgenommen, hat vorher noch gesagt, schauen Sie nach links hinter dem Vorhängen.
00:12:11: Dort ist die Stadtsicherheit.
00:12:13: Ich würde sie darauf hinweisen, die hören mit Richtmikrofon alles ab.
00:12:16: Wenn Sie jetzt was Falsches sagen kann es gegen Sie verwendet werden.
00:12:20: und wir haben gesagt, es ist uns egal!
00:12:21: Wir haben ja eher Ausreiseanträge, wir wollen das hier nur nieder schreiben lassen und dann gehen wir wieder und dann war's soweit.
00:12:26: Das war dann alles geschrieben und dann sagt er so, jetzt können wir gehen, jetzt kommen wir aufstehen erst standauf, wir blieben sitzen Und dann habe ich ihn angeguckt und gesagt, es tut mir leid wir haben sie angelogen.
00:12:36: Wir haben keine Chance, wir können nicht zurück weil hier ist eine Mutter mit zwei Kindern.
00:12:40: man will ihr die Kinder wegnehmen.
00:12:42: Wir gehen hier nicht mehr
00:12:43: raus.".
00:12:44: Ich hatte schon einen Fluchtversuch in der Waschauer Botschaft hinter mir im gleichen Jahr.
00:12:49: da hat mich der Botschafter raus gegrault.
00:12:52: das war im Februar und jetzt warten wir Juni und ich wusste dass ich bei jetzt nochmal mache ich das nicht.
00:12:59: also die kriegen mich hier nicht.
00:13:01: Das war für mich ganz klar.
00:13:03: Und dann fing der an, uns ja ganz streng mit uns zu reden.
00:13:06: Er wurde wirklich laut und hat gesagt was ist wenn sie hier krank werden?
00:13:11: Und dann sah er erst meinen Gipsbein.
00:13:12: das ist ihm bis dahin noch gar nicht aufgefallen weil es war da eine Hose drüber und er hatte uns immer in die Gesichter geguckt und so und dann saß er das und was ist denn mit ihrem Fuß?
00:13:22: was ist mit dem Haxen?
00:13:23: Haxe habe ich auch noch nie gehört vorher das Wort Ja und dann hat er gesagt so dann kommen Sie wieder mit nach unten.
00:13:28: jetzt hatten wir wirklich Angst der schmeißt uns jetzt raus.
00:13:31: Dann sind wir aber in den Wartepereich geführt worden.
00:13:34: Wir sollten uns da hinsetzen und dann kam er nochmal nach einer Stunde, sie wollen wirklich nicht gehen?
00:13:39: Nein!
00:13:39: Wir gehen nicht.
00:13:40: Gut, da müssen Sie übernachten.
00:13:41: Wir haben jetzt Finkstrain und sehen Sie doch zu... Wir haben hier Sicherheitsbeamte im Haus und ja, da können Sie mit dem Botschafter reden, der ist jetzt nicht mehr im Haus.
00:13:50: Da haben wir da übernachtet.
00:13:51: Wir wussten, jetzt sind wir drin und es wird jetzt hier keiner mehr rausschmeißen.
00:13:55: Am nächsten Tag kam Bräutigram, also der Botschafter, Herr Bräuhtigram war denn gar nicht mehr darauf bedacht, uns rauszuschmeißen.
00:14:03: Er wusste ja jetzt hat er mir eh schon eine Nacht dazu gebracht, jetzt würden wir sowieso im DDR-Gefängnis bleiben.
00:14:08: Er hat dann nur die Formalitäten geklärt und hat uns noch mal drauf hingewiesen wie gefährlich das ist.
00:14:13: es kann sich Jahre hinziehen als wäre ein Priester in Ungarn, in der Botschaft, in Amerikanischen schon seit Jahren und wir hätten keine Chance und er kann uns gar nichts sagen, wie lange das dauert.
00:14:23: Und sie waren ja nicht die einstigen Flüchtlinge
00:14:25: in der Botschaft?
00:14:25: Nein, vor uns waren schon zwölf drin!
00:14:26: Wir hatten es schon in einer Tagesschau gesehen, sonst hätten wir diesen Schritt vielleicht doch gar nicht gewagt...
00:14:30: ...und die zwölfen auch noch da, wie Sie da
00:14:32: waren?!
00:14:32: Ja, die waren da und nach uns kamen dann auch noch ein paar, die ist auch geschafft haben.
00:14:36: Wir haben aber auch insgesamt waren wir vier Wochen in der Bootschaft und wir haben viele Verhaftungen gesehen.
00:14:41: also es ist nicht nur eine eine besonders beobachtet, da wurde unten auf dem Gehweg jemand zusammengeschlagen der einfach auch nur wie wir in die Brotschaft flüchten wollte und den hat man blutig geschlagen.
00:14:52: In so ein Parkers also zum Verwirrbus ehemaligen Auto hineingezerrt und es ist mit ihm weggefahren.
00:14:59: das hätte uns ja auch blöden können.
00:15:01: Das hat Panik ausgelöst.
00:15:03: Also insgesamt waren glaube ich fifty fünf Flüchtlinge davon ganz viele Kinder in diesen vier Wochen dann mit uns dar
00:15:11: Alle in einem Zimmer?
00:15:12: Nein, man hat uns in einer ganzen Etage untergebracht im vierten Stock das Gebäudes.
00:15:18: Das waren vorher die Gästezimmer der Botschaftsgäste aber auch ein paar von den Dienstzimmern der Sicherheitsbeamten, die vom Bundesgrenzschutz da sozusagen Dienst taten.
00:15:31: Die mussten umziehen, ein paar Etagen drunter gab es nochmal so Räume, die haben sie dann bezogen, die mussten zusammenrücken Es wurden immer mehr Matratzen gebracht, dann auch auf den Gängen geschlafen.
00:15:42: Aber wir hatten tatsächlich mehrere Zimmer.
00:15:44: Man hat versucht – da war eine Familie mit zwei Kindern -, dass die erstmal einen Raum für sich haben und so.
00:15:50: Also man hat es versucht!
00:15:51: Es gab auch eine Tischtennisplatte, weil die Beamten haben immer Tüchterns gespielt.
00:15:55: Die konnten wir jetzt nutzen... Die ganzen Angestellten der ständigen Vertretung haben Spielzeug gesammelt.
00:16:01: Sie selber durften uns nie treffen, also sie durften nie in die vierte Etage kommen.
00:16:05: Wir hatten nur drei-vier Kontaktpersonen, die uns treffen konnten Aber das Spielzeug wurde uns hochgereicht für die Kinder Und dann ging es gegen Ende der vier Wochen an die Verhandlungen.
00:16:14: Gehen wir raus oder gehen wir nicht raus?
00:16:17: Ja aber irgendwann kam ja die Nachricht dass sie vom Westen freigekauft.
00:16:21: Na so einfach war es nicht, also das kam der Verhandler Wolfgang Vogel.
00:16:25: Das war der DDR-Verhandler, der im Namen der Regierung halt alles mögliche ausgehandelt hat.
00:16:31: Der kam dann tatsächlich mit einem goldenen Mercedes aufs Gelände gefahren und wir haben das von oben beobachtet aus dem Fenster und dann war er uns gleich so unsympathisch, wir haben Angst gehabt.
00:16:40: egal was er verhandelt Wir gehen hier nicht raus!
00:16:43: Wir wollen direkt über die Invalidenstraße in den Westen gebracht werden.
00:16:47: Und was er vorhandelt Wir müssen noch mal in die DDR zurück.
00:16:52: Und wir müssen alle nochmal in die DDR zurück und kriegen aber dann die Zusage innerhalb von acht Wochen, die DDR zu verlassen.
00:16:59: Man hat immer mit uns einzeln gesprochen – nie als Gruppe, nie mit uns fifty-fünfzig zusammen!
00:17:04: Sondern man hat uns einzel rein geführt.
00:17:06: Da war dabei der Botschafter Wolfgang Vogl, dann noch zwei Regierungsbeamte unter anderem auch der Minister für Innerdeutsche Angelegenheiten, Staatssekretär für InnerDeutsche.
00:17:17: Also man saß sich sozusagen dieser Männerriege gegenüber als einundzwanzigjährige.
00:17:22: Die haben auf uns eingeredet und haben ja auch zugesichert, ihnen wird nichts passieren.
00:17:28: Sie können nach acht Wochen die DDR verlassen aber sie müssen die Formalitäten regeln.
00:17:33: Und dann habe ich gefragt was denn für Formalität?
00:17:35: Ich hab nix zu regeln!
00:17:37: Ich hab Wohnen in einer kleinen Mietwohnung... Ich kann das alles zurücklassen.
00:17:41: Mit nichts.
00:17:42: Ich will einfach nur gehen und ich habe die ersten drei Gespräche, die fanden in mehreren Tagen Abstand statt.
00:17:48: Da hab' ich mich verweigert.
00:17:49: Ich hab gesagt, ich gehe nicht und noch viele andere bis eine Familie auf einmal umkippte und sagte wir machen's!
00:17:55: Wir gehen
00:17:56: raus.".
00:17:57: Und als sie gingen – wir haben noch zugeguckt wie sie mit dem Auto ausm Gelände gefahren wurden war sozusagen das Eis gebrochen und empfolgten ihn auch andere.
00:18:06: Und dann hat man sie anrufen lassen, die waren nicht nach acht Wochen sondern nach drei Tagen schon in Westberlinen.
00:18:13: Dann haben die von da aus in der Botschaft angerufen und jetzt waren wir total verunsichert sind.
00:18:18: Die von der Stasi sind hier überhaupt infiltriert worden.
00:18:22: davon weiß auszugehen dass Flüchtlinge auch von einer Stasi eingeschleust wurden.
00:18:27: Wir wussten nicht wer Aber irgendwann waren wir die Letzten, also ich war mit den Letzte.
00:18:32: Alle sind dann nach und nach raus und meine Freundin... Also wir drei Frauen und die Kinder waren die Vorletzten.
00:18:38: Und zwar nur noch ein Offizier der NVA, der war wirklich ein schwieriger Fall.
00:18:44: Da wurde mehr verhandelt bei dem ging es ums Leben.
00:18:48: Der war wirklich hoch gefährdet.
00:18:50: Bei uns ging's um ins Gefängnis zu kommen aber er war mehr gefährdet.
00:18:55: Und dann sind wir mit einem, mit dem Chef für das Botschaft, dass der war so nett und hat uns zum Ostbahnhof gebracht.
00:19:02: Und die Stasi war immer an unserer Seite und zwar nicht versteckt sondern sie sind mit uns die Treppen hochgelaufen hinter uns gefahren.
00:19:07: Die waren mit uns aufm Bahnsteig.
00:19:09: also die Angst war zum Greifen.
00:19:11: Also
00:19:12: Sie müssen doch da in die ganze Zeit auch weiter gedacht haben... Das war eine Falle oder?
00:19:15: Noch
00:19:15: nicht!
00:19:16: Ja, sie haben uns ja nichts getan.
00:19:17: Sie haben uns nicht angefasst.
00:19:18: Sie habe gar nix gemacht.
00:19:20: Wir hatten einfach nur Angst und dann bin ich auch nicht in meine Wohnung alleine rein sondern bin in die Wohnung zur Mutter mit.
00:19:27: Ich wollte nicht alleine sein, und sie auch nicht!
00:19:29: Und sie war einer der wenigen DDR-Bürger, die ein Telefon hatte – das hatte er ja auch nicht jeder.
00:19:34: Das erste was ich gemacht habe….
00:19:36: Ich hab eine Freundin angerufen, zufälligerweise hat eine von meinen Freunden auch ein Telephone.
00:19:41: Das war die einzige, die allen anderen das weitersagen hätte können.
00:19:44: Wo war ich überhaupt vier Wochen?
00:19:47: Wir haben uns verabredet für den Abend Und das Telefon wurde abgehört und dann so kein paar Minuten danach klopfte es an der Tür.
00:19:54: Also da sie muss im Haus mit gehört haben, also nicht irgendwo sondern die müssen schon da gewesen sein.
00:19:59: Ich soll sofort mitkommen!
00:20:01: Da war mir schon sehr mulmig.
00:20:04: Jetzt dachten Sie es war eine Falle?
00:20:05: Dann haben die uns aber einfach nur... Also sie musste zum Amt nach Lichtenberg.
00:20:09: ich musste nach Friedrichsheim weil ich da wohnte Bürgermeisterbüro, glaub ich.
00:20:14: Also irgendwie so eine ... Aber dass die Stasi da auch Büros hatte, das wusste ich nicht und da saß sich einer Frau gegenüber und die hat dann zu mir gesagt Sie werden noch an uns denken aber wir werden jetzt erst mal ihre Eltern hier herholen.
00:20:28: Und dann waren meine Eltern wurden auch informiert oder ich hab sie... Ich weiß es nicht mehr!
00:20:33: Vielleicht habe ich sie noch auf der Arbeit erwischt weil sie waren nur telefonisch auf ihrer Arbeit zu erreichen.
00:20:38: Irgendwas kamen meine Eltern, die mich ja vier Wochen nicht gesehen haben.
00:20:41: Wussten
00:20:41: sie überhaupt?
00:20:41: Die vier Wochen dann wo Sie waren?
00:20:42: Ja, die haben mich im Fernsehen gesehen.
00:20:44: Ich war tatsächlich einmal in einer Tagesschau zu sehen und ich hatte vorher auch gesagt wenn ich mich eine Weile nicht melde macht euch keine Sorgen nicht.
00:20:52: aber mehr sage ich euch nicht weil wenn sie euch wirklich verhören könnt ihr wirklich ehrlich sagen ihr wisst gar nicht wo ich bin und meine Freundin war noch deutlicher zu erkennen.
00:21:00: also diese Bilder gibt's Ja, und dann hatte mein Vater wohl weislich meine Wohnung.
00:21:07: Er hat einen Schlüssel und hat meine Papiere daraus geholt was ich sehr umsichtig fand weil die Stasi muss auch drin gewesen sein.
00:21:13: Die Wohnung war etwas umgekrempelt also... Die Frau hat dann gesagt sie wären jetzt hier abgeholt und sie werden heute noch die DDR verlassen.
00:21:21: Also es war nicht der gleiche Tag.
00:21:23: Es war Tag drei Urtag zwei.
00:21:24: Ein bisschen sind die Zeiträume verrutscht.
00:21:28: Es ging
00:21:28: extrem schnell, ich durfte niemanden mehr treffen.
00:21:30: Das wollten sie verhindern.
00:21:31: keine Freunde mehr treffen und so das haben Sie auch geschafft
00:21:34: aber ihre Eltern.
00:21:35: und dann sagte ein Mann.
00:21:37: Ich soll mit ihm mitfahren Und dann hat ja meine Eltern so angebrüllt ihr und sie bleiben hier sitzen.
00:21:42: da dachte schon jetzt werden die stellvertretend vielleicht zur Verantwortung gezogen?
00:21:46: keine Ahnung Bin ich zum Alexanderplatz gefahren worden?
00:21:51: Ich muss dazu sagen, mein Gips wurde noch in der Botschaft abgemacht.
00:21:54: Ich konnte überhaupt nicht mehr laufen.
00:21:55: mit dem Geh-Gibbs war ich schneller.
00:21:56: Ich hatte keine Physiotherapie, kein Nix.
00:21:58: Der Fuß war dick geschwollt weil er über anstrengend war.
00:22:02: Ich konnte den kaum folgen.
00:22:03: Er lief vor mir her dieser Stasi Mann in dieses ehemalige Reisebüro der DDR.
00:22:07: Ich war vollkommen verwundert warum dahin und in so einem Hinterzimmer schob man mir eine Bescheinigung zu Unterstand ganz groß zur einmaligen Ausreise aus der DDR Und was da mit mir passierte, also mit mir fiel alles ab.
00:22:22: Weil ich wusste jetzt hab es geschafft und das dauert nicht mehr lange.
00:22:25: Also ich bin heute noch draußen... ...und dann musste ich mein Personalesweis abgeben und sie wären nie wieder zurückkommen weil einmal ich war dick unterstrichen habe ich heute noch als Andenken Das war mir ja so egal.
00:22:38: Ich wollte auch nicht wieder kommen zumindest nicht zu dem Zeitpunkt.
00:22:40: Heimweg kam später.
00:22:42: Dann haben Sie mich tatsächlich wieder zurückgefahren zu meinen Eltern die dann Mittlerweile auch verhörd wurden und dann haben sie gesagt so jetzt bringen wir Sie zum Trinnenpalast also zur Bahn Friedrichstraße.
00:22:53: Da hat mein Vater gefragt, darf ich meine Tochter fahren?
00:22:56: Und dann bin ich mit meinem Vater ins Auto gestiegen und ich da sie vor hinter uns.
00:23:01: Ich hatte nur eine Tüte dabei weil sie hatten ja auch keine Sachen für mich!
00:23:05: Ich hatte nix, ich bin in einer Plastiktüte ausgereist aber mit meinen Papieren immerhin... hat mein Vater zum ersten Mal geweint.
00:23:13: Ich habe ihn nur einmal in meinem Leben weinen sehen und das war der Tag, an dem er mich zur Grenze gefahren hat.
00:23:18: Und ich hab bis dahin noch nicht geweint!
00:23:20: Ich war ja so unter Adrenalin und immer noch unter Angst ob es jetzt wirklich alles wahr ist... Dann bin ich durch die Grenzkontrolle und mir kamen lauter Rentner hingegen.
00:23:28: Das sind ja die Rentner durften ja einen ausreißen in einer DDR.
00:23:32: Und dann musste ich an mehreren Beamten da die Papiere Plastiktüte mit meinen Handtücher oder was ich da gekriegt hatte von meinen Eltern.
00:23:42: Und dann war eine Frau, die durchsuchtete diese Sachen und sagte dann ganz leise so eine vom Zoll, sagte ganz leiser viel Glück!
00:23:52: Das war so irre weil sie war für mich ja auf der anderen Seite und dann war die eigentlich doch irgendwie schon sehr rührend.
00:24:04: So richtig bewusst war es mir dann, als dann hinter mir also vor mir so eine Stahltür aufging man mich durchließ und ich stand eigentlich nur auf dem Bahnhof auf jetzigen Bahnhof Friedrichstraße.
00:24:13: Es war so surreal.
00:24:14: da waren ganz normale Leute und man musste sowas Irres machen um da auch stehen zu können.
00:24:21: Und dann bin ich in die U-Bahn eingestiegen weil ich wusste in Marienfelde gibt's ne Aufnahmelage ein Flüchtlingslager.
00:24:26: Das war Nachmittag und die Leute kamen von der Arbeit und fuhren unter der DDR durch und lasen ihre Zeitung, ich sah nur Bild-Zeitung, Spiegelstern.
00:24:34: Und das war vollkommen irre für mich!
00:24:37: Dann habe ich irgendeine Frau, die da saß angesprochen, eine ältere Entschuldigung, geht es hier Richtung Marienfelde... ...und dann über Mariendorf und der Nazi gesagt, Kind kommst du gerade aus der DDR?
00:24:50: Da fing ich an zu weinen erst in dem Moment.
00:24:53: Ich muss dazu sagen, die Frau hat mir diese wie ne zweite Mutter geworden für mich, die hat mir sofort ihrer ihre Telefonnummer aufgeschrieben, hat gesagt melde dich und wenn du ankommst mir ist das gleiche passiert in den sechziger Jahren.
00:25:07: Ach krass!
00:25:07: Und ich habe der aber nicht getraut.
00:25:10: Ich war am Anfang ja so ängstlich und dann bin ich erst mal ins dieses Aufnahmelage nach Marienfelder da meine... Bin erstmal angekommen und erst nach einer Woche hab' ich bei dieser Frau angerufen.
00:25:21: die war verheiratet sie wohnten auch noch mit einem behinderten Mann zusammen mit dem Opa und das wurde meine zweite Familie Und sie sind bis heute noch, Sie sind jetzt Mitte Achtzig.
00:25:32: Das sind mit die wichtigsten Menschen in meinem Leben geworden.
00:25:35: Die haben mir so viel geholfen ja.
00:25:36: Ach schön!
00:25:38: Und dann muss man sich aber auch gleichzeitig von den eigenen Eltern für immer verabschieden.
00:25:43: und was geht da in einem Vor?
00:25:45: Also es kam irgendwann natürlich Heimweh nach ein paar Wochen weil ich kannte ja auch niemandem.
00:25:52: Wichtig ist ja dass er erstmal Fuß fasst.
00:25:54: Ich wollte auch aus diesem Heim raus, ich wollte eine Wohnung hatte die denn nach acht Wochen und hat auch vor allem noch einen Job.
00:26:02: Und dann habe ich mich verabredet mit Freunden in Ungarn, und dann bin ich mit dem Zug nach Budapest gefahren und meine Freunde aus der DDR sind nach Buda-Pest gekommen.
00:26:13: die konnte ich schon mal da treffen.
00:26:15: Und meine Eltern habe ich tatsächlich das erste Mal im Prag getroffen weil sie durften ja sich ja nur um sozialistische Ausland bewegen.
00:26:23: und dann haben wir uns zum Prag getroffene.
00:26:25: nach einem Dreivierteljahr Und das ging also, obwohl man nur zehn Kilometer auseinander wohnte mussten wir dann doch bis nach Prag fahren um uns zu sehen.
00:26:35: Naja
00:26:36: und haben Sie Ihre Entscheidung je bereut?
00:26:37: Niemals niemals!
00:26:39: Mein Vater war auch mächtig stolz und ich habe auch studiert.
00:26:42: Also das war ja das Wichtigste für mich.
00:26:44: Ich hab tatsächlich nicht mehr das Abitur nachgemacht weil es... Weil ich ja nichts hatte.
00:26:49: Ich musste arbeiten.
00:26:49: Ich hatte einen tollen Job der mir auch total Spaß gemacht hat und dann habe ich gedacht dann gehe ich in die Richtung weiter so Plan B und habe dann Filmregie studiert, später noch Journalismus.
00:27:00: Und bin in dem Beruf auch sehr glücklich muss ich sagen bis heute.
00:27:03: Bis heute!
00:27:04: Ich arbeite sehr gern aber ich gebe zu wenn ich so junge Leute treffe und die sagen, ich studiere Medizin.
00:27:09: es gibt ein Kleinstich.
00:27:11: also weil das war ja sozusagen mein eigentlicher Wunsch Aber ist nicht so geworden.
00:27:17: aber Plan B war auch schön und bin sehr zufrieden.
00:27:21: Wahnsinns Geschichte!
00:27:23: Vielen Dank fürs Gespräch!
00:27:24: Gernisch
00:27:25: Eine wirklich beeindruckende Frau und eine Geschichte, die zeigt was passieren kann wenn man sich traut Entscheidungen zu treffen auch wenn sie riskant sind.
00:27:36: Heute ist Inge Albrecht als Zeitzeugin unterwegs Und hält Vorträge über ihre Flucht und ihre Erfahrungen Was ich wirklich wichtig finde Denn es sind genau diese persönlichen Stories Die die große Geschichte greifbar machen und deshalb nicht vergessen werden dürfen.
00:27:54: In der nächsten Folge geht's um Uwe Tobias und sein Leben zwischen DDR-Zuchthaus, Freiheit und vor allem seinen sieben Jahren als Obdachloser auf den Straßen Berlins.
00:28:06: Und wenn ihr auch jemanden kennt, der oder die eine außergewöhnliche Lebensgeschichte hat, gerne her damit!
00:28:11: Wir haben ein offenes Mikro dafür.
00:28:14: Ansonsten danke fürs Zuhören, mein Name ist Matti Geier.
00:28:17: bis zum nächsten Mal
00:28:19: FluxFM, was
00:28:20: für
00:28:21: ein Leben.
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