Bettina Göring – Leben mit einem belasteten Namen | Was für ein Leben - Folge 17
Shownotes
Bettina Göring trägt einen Namen, der bis heute mit den Verbrechen des Nationalsozialismus verbunden ist. Sie ist die Großnichte von Hermann Göring – einem der führenden Männer im NS-Regime. Doch was bedeutet es, mit so einer Familiengeschichte zu leben? In dieser Folge spricht Bettina Göring darüber, wie sie ihre Herkunft lange verdrängt hat, warum sie sich später intensiv damit auseinandergesetzt hat – und wie sehr sie diese Vergangenheit geprägt hat. Sie erzählt von ihrem Leben als Aussteigerin, von ihrer bewussten Abgrenzung zur Ideologie ihrer Familie und davon, wie sie ihren eigenen Weg gefunden hat. Ein Gespräch über Verantwortung, Identität und die Frage: Was hat die Vergangenheit mit uns zu tun – und was nicht?
Habt ihr eine Geschichte für uns? Kennt ihr jemanden, der oder die ein außergewöhnliches Leben geführt hat?
Eine Geschichte, die man einfach hören muss? Dann schreibt uns an matti.geyer@fluxfm.de
– vielleicht wird genau daraus eine der nächsten Folgen von "Was für ein Leben".
Zum Host des Podcasts: Matti Geyer arbeitet als Redakteur beim Berliner Radiosender FluxFM. Speziell durch seine Arbeit als Stadtführer von toursofberlin bringt er Expertise in Sachen Historie ins Programm ein.
Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:06: Hi, ich bin Matti Geier und ihr hört den Podcast für ganz besondere Lebensgeschichten.
00:00:13: In der allerersten Folge habe ich ja mit einem Holocaust-Überlebenden gesprochen.
00:00:18: Der hat erzählt wie seine Mutter und seine Großmutter damals überlebt haben eine Geschichte die er bis heute in sich trägt obwohl er selbst damals nur ein Baby war.
00:00:27: Diese Folge hier ist ähnlich und doch ganz anders Denn diesmal geht es um Bettina Göring.
00:00:33: Der Name verrät es schon, sie ist mit einem der Haupttäter des NS-Regimes verwandt Hermann Göring.
00:00:39: Sie selbst ist viel später geboren hat mit all dem nichts mehr zu tun.
00:00:42: im Gegenteil ihr Leben hätte kaum weiter davon entfernt sein können.
00:00:46: Sie war hippie links rebellisch und trotzdem begleitet sich diese Familiengeschichte ihr ganzes Leben lang.
00:00:53: Wie sie damit umgeht und wie sehr sie ihr Leben geprägt hat das erzählt sie jetzt
00:01:00: Und das ist meine Geschichte Außergewöhnliche Lebensgeschichten auf Flux-FM.
00:01:06: Sie haben ja eigentlich zwei Nachnamen inzwischen, also einen, den sie privat gebrauchen und einen, denen sie in der Öffentlichkeit jetzt zumindest in Deutschland tragen, obwohl er sofort verrät mit dem sie verwandt sind ...
00:01:17: Richtig!
00:01:18: Das heißt, Sie haben den Namen wann geändert?
00:01:21: Ich hab den ursprünglich geändert als ich zum ersten Mal geheiratet habe.
00:01:26: das war in den frühen Achtzigern.
00:01:29: Da bin ich gerade nach Amerika emigriert und dachte auch, das ist doch mal interessant.
00:01:34: Ich kann jemand sein ohne History.
00:01:37: Einfach was Neues!
00:01:38: Und dann wieder zurück durch diese ganzen Dokumentationen.
00:01:42: da wurde ich dann wieder mit Tina Göring und es war mir auch ganz reicht.
00:01:46: Ich habe das zwar offiziell alles noch nicht geändert aber witzigerweise ist jetzt schon in zwei Ländern.
00:01:52: haben sie mir einen Doppelnamen gegeben, ohne dass ich danach gefragt hab Dachte ich mir, das ist doch richtig so jetzt.
00:02:00: Aber hatten Sie jemals Probleme wegen Ihres Nachnamens?
00:02:03: Nein, nicht wirklich.
00:02:05: Ihr Großonkel war Hermann Göring eine der berüchtigsten und berühmtesten, kaltherzigsten Nazis aber es geht ja erst mal um sie.
00:02:14: trotzdem stand und steht ihr Leben irgendwie im Schatten des Großonkels.
00:02:18: Wann?
00:02:19: Wir fangen von vorne an.
00:02:20: wann wurden Sie geboren und was wussten Sie über Ihnen als kleines Mädchen?
00:02:24: Okay, also ich bin sechsundfünfzig geboren und ich habe gute Sachen erfahren von meinem Vater und Großmutter über ihn.
00:02:34: Als ich noch ganz klein war, dass er ein Flieger war und das er im Ersten Weltkrieg ans Lige hält war und mein Vater hat ja auch geflogen und seine Brüder, also das kam dann als positiv rüber.
00:02:46: Dass er sonst irgendwie wichtig war, war so vielleicht dabei aber man wusste es uns nix.
00:02:53: Da war ich aber noch sehr klein.
00:02:55: Dann sind wir umgezogen, da war ich zehn oder so und da ist unsere Großmutter zu uns gezogen und da kamen schon mehr Rücken.
00:03:04: Und sie war also auch eine sehr unangenehme Gestalt.
00:03:07: Also mit der habe ich einige Zeit verbracht und da hab' ich dann schon eher ein Gefühl gekriegt dass diese Familie ja schon was besonderes ist – auch negativ besonders!
00:03:17: Aber das war durch die Bank.
00:03:20: Ich lese viele Bücher, um die Zeit gehen in vielen Familien ob Nazi oder nicht.
00:03:25: Niemand wollte sich damit beschäftigen weil es so traumatisch war.
00:03:33: Jetzt frage ich mich aber auch wo stand Ihre Eltern politisch?
00:03:38: Also meine Großmutter war ja der Alt-Nazi von der Seite meiner Eltern waren sehr liberal Mein Vater war so intellektuell, offen zu allen Seiten.
00:03:48: Und meine Mutter kam von einem Anti-Nazi-Familie und die war auch sehr liberal.
00:03:54: Was sie später beide gelebt haben muss man sagen.
00:03:58: Wie Sie uns akzeptiert haben, uns gelassen haben sozusagen wie wir waren.
00:04:03: Mein Bruder und ich, wir waren ja sehr bös.
00:04:06: Ja, kommen wir gleich noch zu.
00:04:08: Ihre Eltern haben Ihnen erst mal was Falsches erzählt weil sie sich wahrscheinlich schützen wollten nicht weil sie irgendwie...
00:04:13: Ich weiß nicht, ob die Falsches erzählt haben.
00:04:15: Das ist ja ein Aspekt.
00:04:17: Also
00:04:17: nicht falsche, aber sie haben ihn nicht erzählt ...
00:04:20: Aber die schlimmen Sachen?
00:04:22: Nee!
00:04:23: Und das kam dann erst raus als die Dokumentation ins Fernsehen kam über Auschwitz und die Kinder ab den späten fünftiger Jahren wurden dazu angehalten auch in der Schule zu sehen.
00:04:38: Das wurde dann in den Schulen gezeigt bei mir noch nicht.
00:04:42: Freunde von mir, die zwei, drei Jahre älter waren haben das schon in der Schule gesehen.
00:04:47: Hermann Göring war einer der mächtigsten Männer im NS-Staat und einer der engsten Vertrauten von Adolf Hitler.
00:04:53: Geboren in Bayern machte er zunächst Karriere als Jagdflieger im Ersten Weltkrieg.
00:04:59: In den neunzehntzwanziger Jahren schloss er sich früh der NSDAP an und war am gescheiterten Hitlerputsch beteiligt.
00:05:06: Nach der Machtergreifung stieg er schnell auf.
00:05:09: Er baute die geheime Staatspolizei mit auf, wurde Chef der Luftwaffe und gehörte zu den zentralen Figuren beim Aufbau der NS-Diktatur.
00:05:17: Später koordinierte er auch die Wirtschaft für den Krieg und war maßgeblich in die Verfolgung und Enteignung jüdischer Menschen eingebunden.
00:05:25: Während des Zweiten Weltkriegs verlor er zunehmend an Einfluss blieb aber bis zum Ende Teil der NS Führung.
00:05:32: Nach Kriegssender wurde Göring verhaftet und stand als einer der Hauptangeklagten vor dem Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal.
00:05:38: Dort wurde er newtzenhundertsechsundvierzig wegen Kriegs Verbrechen und Verbreche gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt.
00:05:45: Die Hinrichtung durch den Strang sollte kurz darauf erfolgen, doch dazu kam es nicht mehr.
00:05:50: In der Nacht vor seiner geplanten Exekution nahm Göring Gift und Stab in seiner Zelle.
00:05:55: Könnt sich noch dran erinnern wie sie sich gefühlt haben Das gesehen haben und dann gesehen, was Hermann Göring gemacht hat?
00:06:03: Ja das war also ein totaler Moment wo sich alles geändert hat in der Familie.
00:06:10: Wir haben das gesehen als wir in diese neue Wohnung gezogen sind.
00:06:13: davor hatten wir auch kein Fernsehen.
00:06:15: es kann man sich ja gar nicht vorstellen mehr heute kein Fernseh zu haben.
00:06:18: aber die kamen erst schon den sechziger jahren das war wahrscheinlich so sieben sechzig oder so.
00:06:24: Die Großmutter, die ist zu uns gezogen.
00:06:26: Sie hat davor auf diesem Hof gewohnt und war so zu krank.
00:06:30: Und sie war auch etwas dementiert.
00:06:32: Wir haben uns das angeguckt.
00:06:34: Mein Bruder und ich waren noch mittags.
00:06:36: Und die saß auf dem Sofa hinter uns ... und hat das kommentiert und sagt, dass alles Lüge ist.
00:06:42: Und wir waren schockiert, wie man es nur schockierend sein kann, wenn man sich dieses anguckt.
00:06:49: Es ist ja so erschreckend!
00:06:52: Schrecklich und ... Und mein Bruder hat ein Holzschuh auf meine Großmodelle gebrauchen.
00:06:59: Oh Gott, hi!
00:07:00: Ich
00:07:00: dachte ja wir waren wüst, besonders.
00:07:03: Das fand ich dann auch nicht cool aber ... Aber ich kann es verstehen.
00:07:08: Es war so ein Schock ne?
00:07:11: Und in dem Moment wussten wir noch nicht dass das Hermann Göring die zweite Person war im dritten Reich.
00:07:17: so klar also vielleicht irgendwo verschwommen.
00:07:21: Dann so langsam und dann haben wir angefangen Fragen zu stellen, dann kam das alles raus.
00:07:26: Die Großmutter ist war...
00:07:28: ...die war verheiratet mit seinem älteren Bruder.
00:07:31: Ah, verstehe.
00:07:33: Ja aber die hat ihren eigenen Onkel geheiratelt also die war doppelt verwandt.
00:07:38: Was?
00:07:40: Das ist oft passiert in diesen reichen
00:07:42: Filmen.
00:07:44: Ich frag mich auch gerade Die.
00:07:46: Herrmann Göring und auch seine Verwandtschaft, die haben sich ja einiges zusammengeklaut im Dritten Reich.
00:07:52: Ja vor allem er.
00:07:54: Und er hat es dann verteilt.
00:07:56: also ich glaube nicht mal dass die anderen da so beteiligt waren.
00:07:59: außer die waren die Nutzniester davon.
00:08:01: Also wie meine Großmutter die hat einige möbel durch ihn gekriegt zum Beispiel.
00:08:06: Wollte das wollte ich grad fragen ob da in ihrer Familie bei ihrer Großmütter was gelandet ist?
00:08:12: Ja, die Sistern als sie zu uns gezogen ist sind dann zwei Möbelstücke.
00:08:16: Die waren unglaublich und sind bei uns gelandet.
00:08:20: Sie waren also in ziemlich schlechtem Zustand aber es war klar.
00:08:24: das eine war ein Meisterstück aus dem sechzehn Jahrhundert aus Ebenholz mit Hundertfünfzig geschnitzten Teil, das war ein unglaubliches Teil.
00:08:35: Und das andere war ein flehmischer Schrank an Sternenkasten, haben wir den genannt so mit lauter Sternen eingelegt und so tolle Dinge.
00:08:45: Die hat dann mein Vater ... Bevor er gestorben ist, der ist ziemlich früh gestorbt, hat er die verkauft und hat seine Schulden getilgt auf die Art.
00:08:54: Das war uns superrecht weil ... Da wussten wir dann schon, wo das Zeug herkam und wollten nichts damit zu tun haben.
00:09:02: Sie wussten ja nicht, wo es herkam?
00:09:03: Nee,
00:09:04: das weiß ich jetzt also jetzt nicht direkt.
00:09:07: aber ich weiß dass die alle aus so jüdischen States in oben im Netherlands, wie heißt denn von Holland?
00:09:17: da hat der ganze Zug wagons voll ständig abgeholt auch von Frankreich und Sonstburg Ja, da war er sehr gut dran.
00:09:26: Man hört es schon ein bisschen an dem Englischen hin und wieder, dass sie ja dann später Deutschland verlassen haben.
00:09:31: Aber das erste Mal von zu Hause weg sind Sie ja mit dreizehn.
00:09:34: Das ist richtig!
00:09:35: Wieso?
00:09:35: Wieso was da passiert?
00:09:37: Ja, da habe ich mich mit meinem Vater... Ich hab ihn angegriffen erstmal verbal und habe eben seine ganze ... Wo er herkommt, seine ganze Herkunft einen Kopf geschmissen und wie er sich verhalten hat.
00:09:49: Und da muss man dazu sagen, dass meine Mutter hat meist das meiste Geld verdient und er war eher so ein Lebenmann kann man sagen.
00:09:57: Der Betrieb von meiner Mutter ist eingegangen kurz bevor die in diese neue Wohnung gezogen sind, die auch viel teurer war, dass die Großmutter zu uns ziehen konnte Und das hat mein Vater auch ausgesucht, diese Wohnung die seinem Stand mehr entsprochen hat.
00:10:14: Was aber ein Witz war weil er nicht das Geld verdient hat für den Stand.
00:10:20: Da hat sich dieser Teil von ihm, dieser Upper-Class, diese Einstellung, das kam immer mehr raus und es fand ich so schrecklich und da hab' ich ihm das an den Kopf geschmissen dass er einen Ein Sucker war, ich komme dich jetzt gar nicht mehr an die ganzen Worte erinnern.
00:10:38: Aber er ... Ich hab das so klar im Kopf geschmissen, dass er mir eine runtergehauen hat und es hat er nie gemacht!
00:10:46: Also das war ganz besonders und auch interessanterweise.
00:10:51: mit seinem Görling Siegelring
00:10:54: hatte wir... Den hätt er noch getragen?
00:10:56: Den hat er getragen, ich habe den jetzt auch an also den anderen.
00:10:59: aber und ich hab geblutet Ausgeschleppt und hab ihn zusammengeschlagen.
00:11:06: Da muss man zu sagen, dass er so eine Niete war.
00:11:09: Der hatte überhaupt keine körperliche Kraft gehabt oder irgendwas.
00:11:12: der ist also sofort runtergegangen Und dann bin ich abgehauen.
00:11:17: Ja so war das.
00:11:19: Das hat ja gar nicht so viel damit zu tun mit der mit der vergangenheit es hatte eher damit zu tun mit ständen.
00:11:24: und
00:11:25: Ja aber das ist all das ist teil davon.
00:11:28: Es ist Teil davon.
00:11:30: liberal haben sie gesagt.
00:11:32: Er war liberal, ja.
00:11:33: Sie auch meine Mutter.
00:11:35: Ja, das trotz alle Dämen, das geht ja auch aber es ist ein Teil davon von dieser ganzen Familie.
00:11:40: was wo ich mich hab von distanzieren wollen eigentlich mehr von diesem Standesdünkel als habe ich ja später rausgefunden all diese schrecklichen Sachen die involviert waren und mein Vater nicht direkt er war ja für die Jugend.
00:11:56: Aber Ihre Familie selbst haben sie auch gesagt hat der jetzt nicht so viel Geld weil ihr Vater über Over the top gelebt hat oder?
00:12:03: Nee, die hatte nichts.
00:12:05: Die haben alles verloren nach dem Krieg.
00:12:07: Nichts!
00:12:08: Und so die Äder und die Frau von Göring, die haben alles belohnt.
00:12:13: Und was sie hatten wollte denen dann auch noch entzogen also alles.
00:12:17: Das war natürlich sehr schwer für die dann weiter... mit was die es gewöhnt waren.
00:12:23: Und dann dagegen war meine Großmutter eigentlich etwas mehr bewundernswert, weil sie hat von nichts.
00:12:29: dann diese Hühnerfarmen angefangen in so einem Kaff.
00:12:32: Eine
00:12:33: Hühnnerfarm?
00:12:34: Aha!
00:12:36: Von jemanden der so ein Standesdünkel hat ist schon ganz schön.
00:12:40: Also die war so einen, wie sagt man bis so ein Stehaufmännchen, die sich dann völlig neu sortiert und sie fand das irgendwie auch ganz gut.
00:12:51: Ja, die war dann auch schon mit des Sechzig oder so.
00:12:54: Dann wurde sie krank und dann ging das nicht mehr.
00:12:58: Und hat bis zum Schluss gesagt dass man alles lügen?
00:13:00: Dass es so nicht passiert?
00:13:02: Also ich denke die Demenz hat da viel mit zu tun gehabt aber viele von denen waren so.
00:13:08: Ich habe also nachdem wir das recherchiert haben und das Buch geschrieben haben Als andere Seiten von ihr entdeckt, wo sie nicht ganz so dünkelhaft war und nicht ganz alles demantiert hat.
00:13:21: Sondern eigentlich mehr Liberaler.
00:13:23: aber sie war bestimmt Teil der Nazi-Partei und hatte ja auch alle Mädchen Posten.
00:13:29: Die war ja voll dabei!
00:13:31: Und Sie waren aber eine richtige dann Achtendsechzigerin könnte man sagen?
00:13:35: Ja.
00:13:36: Nach dem Abitur waren Sie in Mexiko oder in Amerika, wo Sie Ihre Familiengeschichte schon wieder eingeholt haben.
00:13:42: Was ist da passiert?
00:13:44: Leider, also ich hatte eine Adresse von der Klassenkameraden in Honduras.
00:13:49: Es war ein Dentist, ein Zahnarzt in Tegucigalpa.
00:13:56: Da bin ich nach dem ich rumgereist bin hin und ich hatte erst den drei Monatsticket.
00:14:02: dann habe ich mich entschieden zurückzukommen Und mein Bruder sollte mir Geld schicken und damals hat das unheimlich lang gedauert.
00:14:08: Also wir sagen Monate manchmal Und dann war ich also bei denen, bin ich untergekommen und die hatten ganz viele deutsche Freunde.
00:14:17: Deshalb haben sie wahrscheinlich auch ihr Kind auf eine deutsche Schule geschickt in Wiesbaden.
00:14:22: Dann haben sie gesagt ja das ist doch toll wir sind oft einmal an dem Götterhaus und da sind diese ganzen Deutschen und es als die kennenlernen bla bla bla.
00:14:31: und dann stellte sich heraus dass waren Nazis Zum größten Teil.
00:14:35: Typischer Nazi ist nach Südamerika ausgewandt?
00:14:38: Genau,
00:14:39: genau diese ja.
00:14:40: und das war also für mich schwierig weil auf der einen Seite war es nett paar neue Leute da kennenzulernen.
00:14:46: Der ihre Tochter war auch sehr nett und auch so wie ich dagegen gegen alles aber es war schon sehr komisch.
00:14:54: Und das war auch eine Zeit, weil ich hatte viel Zeit und ich habe gleichzeitig da spanisch gelernt in der Familie.
00:15:04: Ich habe schon immer viel gelesen und dann habe ich in dem Götterhaus die ganze Bibliothek ausgelesen.
00:15:09: Alles auch von dieser Nazi-Zeit wieder, irgendwie hat es nicht das schon immer fasziniert für die dreißigvierziger Jahre.
00:15:16: Und man will ja auch verstehen wie das dazu gekommen ist, daraus... Das ist es ja!
00:15:20: Ja und auch wie die eigene Familie dahin gekommen ist?
00:15:23: Genau,
00:15:24: genau da war ich natürlich jetzt sehr viel mehr darüber.
00:15:27: Aber damals wusste ich noch sehr wenig.
00:15:30: Und mein Papa hat auch nicht viel erzählt von der Zeit, wir haben ja nicht mehr zu Hause gewohnt und meine Cousins sind dann eingezogen oder andere Hippies und alles ... Kurz bevor er gestorben ist, da war ich schon in Indien, da hat er schon mal erzählt von dieser Zeit.
00:15:47: Tja, das haben sie aufgenommen und dann ist es verschöpft gegangen.
00:15:51: Leider wissen wir davon sehr wenig, aber ich glaube, er hat's bereut was er hat bereuen konnte.
00:15:57: Er hatte ja auch eine ganz schwere Zeit gehabt, er war ein russischer Kriegsgefangenschaft danach und dann hat er seine beiden Brüder verloren, die sind beide abgestürzt ziemlich früh abgeschossen worden und ich weiß nicht... Also ihr
00:16:12: Vater war im zweiten Weltkrieg gekämpft?
00:16:15: Ja
00:16:15: ja waren die alle auch so jung.
00:16:17: schon der erste Bruder, der ist ein Jahr jünger als älter, war zwanzig geboren
00:16:34: Und Sie haben sich dann, ich habe es gerade schon rausgehört der Hippie Bewegung angeschlossen auch in Indien.
00:16:39: Ist das?
00:16:40: Ja.
00:16:40: Das war Puna, das war Sandhya's, das waren Oshoer.
00:16:44: und sagt es ihnen was?
00:16:45: Nein, wirklich nein!
00:16:46: Es ist ein indische Guru, der in den siebziger Jahren groß wurde und ganz viele Leute Vor allem Deutsche sind dahin gepilgert und auch haben da gewohnt.
00:16:57: Und ich war einer davon, die meisten waren Deutsche, Juden... ...und was war die dritte Gruppe?
00:17:04: Japaner!
00:17:05: Das waren alles Leute von dem Krieg und davor total traumatisiert waren.
00:17:11: Interessante Gruppe, die sich zusammengefunden hat.
00:17:14: Aber es waren Tausende, das war ein riesiges Ding.
00:17:17: wenn du da nichts mehr weißt, guck mal.
00:17:19: Oh, Scho!
00:17:20: Ja, dann kam noch eine riesige Entscheidung in ihrem Leben.
00:17:22: Weil sie haben sich entschieden, sich sterilisieren zu lassen.
00:17:24: Und
00:17:25: sind in ihrer Familie auch nicht die Einzige, der es gemacht hat?
00:17:27: Nein!
00:17:28: Da gibt's einige... Also auf der Göringseite gibt's ja keine Kursängs, weil die sind ja alle tot gewesen.
00:17:35: aber ich weiß auf der anderen Seite, ich hab das sechzehn Kursengskusinen Gibt's nur einen, der ein Kind hat.
00:17:43: Aber nicht dass die sich haben sterilisieren lassen.
00:17:46: Wir haben einfach keine Kinder gewollt oder gekriegt oder wer weiß.
00:17:50: also es ist unglaublich wenig.
00:17:52: Alle mit der gleichen Entscheidung auch absichtlich dieser Linie nicht weiterführen zu wollen?
00:17:56: Nein,
00:17:57: Alter, ich denke so.
00:17:58: Die sind noch nicht von der Linie, sie sind von meiner Mutter.
00:18:01: Achso verstehe aber ihnen war es wirklich so.
00:18:04: wie gesagt wir wollen diese Linie aussterben lassen.
00:18:06: Ja, also das spielte ganz bestimmt mit rein und mein Bruder hat es auch so ausgedrückt.
00:18:12: Der ist ja auch sein Jasen geworden, der hat sich in Pune gemacht.
00:18:15: Da haben das ganz viele gemacht und der Guru hat die Leute zu angehalten, so ein Befehl, dass es eine okay Summe wäre zu machen wenn man das will.
00:18:24: Ich wollte das nicht machen mit einem Druck von anderen und habe dann erst mal gewartet und hab das ein paar Jahre später gemacht, da war ich dreißig.
00:18:33: Und dann dachte ich, so witzig Ach, ich bin ja schon so alt.
00:18:37: Wenn ich das jetzt noch nicht machen will, will ich es nicht machen.
00:18:39: Das ist natürlich Quatsch!
00:18:40: Aber so habe ich gedacht und dann hab' ich's gemacht mit dreizig-einunddreißig... Es hat sich nicht gut angefühlt danach.
00:18:47: Mein Körper hat sich nie gut angefült aber ist dann wieder auf die Reihe gekommen und kurz darauf habe ich meinen Mann kennengelernt.
00:18:57: und ein Jahr später oder so habe mich so gut gefühlt, dachte ich, was ist das denn?
00:19:03: Leute haben gesagt auch wenn ich Und ich wüsste, dass du dich hast sterilisieren lassen würdest sagen.
00:19:08: Du bist schwanger und da war ich.
00:19:11: Was?
00:19:12: Ja, bin ich trotzdem schwanger geworden.
00:19:15: Gibt's nicht selbst aber gibt es.
00:19:17: Aha!
00:19:19: Und ich denke, ich hatte das Jahr davor Akupunktur weil mein Unterleib hat sich nicht so gut angefühlt und was wieder geheilt ist.
00:19:28: Aber dann habe ich es leider verloren auf ein paar Monaten.
00:19:32: Sie hätten es aber halten
00:19:34: Ja, hätte ich behalten.
00:19:37: Und das war dann sehr traurig und mein Mann wollte nicht wirklich ein Kind zu der Zeit oder überhaupt.
00:19:45: Ich habe mir gedacht naja wenn das einmal passiert kann es wieder passieren ist aber
00:19:49: nicht.
00:19:49: Also Sie haben es bewollt so ein bisschen?
00:19:51: Ja, aber nicht genug um da eine andere Operation oder etwas zu machen.
00:19:56: Ich dachte also das muss dann voll uns beiden kommen und das hat's nicht getan.
00:20:02: Was haben Ihre Eltern?
00:20:03: Zu all dem gesagt?
00:20:05: Also mein Papa ist ja schon lange tot, meine Mutter fand es interessant.
00:20:10: Die hätte das gerne gehabt aber...
00:20:14: Ihr Bruder hat's auch nie bereut?
00:20:16: Nee.
00:20:19: Gibt es dann überhaupt noch andere Göring-Familienmitglieder?
00:20:22: Ja der Masbi.
00:20:24: Ich weiß jetzt gerade nicht ihren Namen, aber gibt´s jetzt.
00:20:29: Aber Kontakt haben sie nicht mit denen
00:20:32: oder...?
00:20:32: Ab und zu mal!
00:20:34: Also ich denke jetzt an eine andere bekannte Nachfahren eines hochrangigen Nazis, Kathrin Himmler.
00:20:40: Die ja auch erzählt hat mal in ihrer Familie sehr viele noch Neonazis sind und sie richtig Anfeindungen kriegt weil sie denjenigen ist die mit dieser Geschichte so offen umgeht.
00:20:52: Gibt es das sowas bei Ihnen oder nicht?
00:20:56: Ja, da ist eine alte Familie von Österreich.
00:21:00: Die sind etwas... Da war meine Patentante wenn die noch lebt.
00:21:05: Die waren etwas hostile aber sonst sind eigentlich okay mit was ich mache.
00:21:14: Sie
00:21:14: haben ja auch ein Buch geschrieben.
00:21:16: War das so ein Befreiungsschlag auch?
00:21:18: Ein bisschen die Last, sich runterschreiben.
00:21:20: Oh ja!
00:21:21: Ich war in so vielen Dokumentationen und die haben immer nur einen Aspekt.
00:21:25: Die Israelis haben nur die Sterlisation.
00:21:29: Das war für mich gar nicht so ein Big Deal wie sie das gemacht haben.
00:21:33: Und dann die anderen... ich weiß nicht irgendwas anderes oder da mit den Ungarn waren wir im Karin-Hall.
00:21:41: Die Ungarn waren übrigens toll.
00:21:43: Das Buch ist gerade in Ungarn rausgekommen vor ein paar Monaten, da waren wir da und es war toll.
00:21:49: Karin hatte
00:21:50: das
00:21:50: Göringslandsatz gewesen?
00:21:52: Ja, es ist befreiend!
00:21:53: Vor allem weil ich meine Geschichte erzählen
00:21:56: kann.
00:21:56: Wie lange hat's überhaupt gedauert dass Sie dahinkommen konnten, dass sie sich einen Jungen eher rebelliert und wahrscheinlich macht ja auch was mit einem wenn man das plötzlich rauskriegt so eine Welt zusammenbricht herausfindet was er gemacht hat?
00:22:11: Ja, wie sind Sie da hingekommen?
00:22:12: Dass sie dann offener darüber sprechen konnten.
00:22:16: Das war ja erst mal... Ich bin ja ein Teil von den Kommunisten da gebaut mit fünfzehn bis siebzehn oder so.
00:22:23: und da habe ich also sehr viel gelesen.
00:22:26: das war Literatur die hat man aus der damaligen DDR gekriegt, die du gar nicht gekriegte in Westdeutschland zu sehr mit Statistiken was da alles gelaufen ist.
00:22:36: und History Geschichte Ja, da hab ich sehr viel drüber gelesen und gehört.
00:22:42: Und da waren dann auch Briefe bei von meiner Tante Ole, die ich sehr mochte an Hermann ... Was schockierend!
00:22:51: Weil sie mocht sich so gern.
00:22:53: Während meine Großmutter, die mochte ich nicht so gerne.
00:22:56: Aber das zu sehen ist eine Person, die du sehr magst, dass dir auch voll dabei war am Anfang
00:23:04: usw.,
00:23:05: ja?
00:23:05: Das ist schon schockerend.
00:23:06: Spricht ihr Bruder auch so offen darüber?
00:23:09: Ah, der ist... Der hält sich lieber im Hintergrund.
00:23:11: Er hat wohl die gleiche Meinung.
00:23:13: Das war für ihn ein Ding als das Buch rauskamen weil er ist ja auch drin in dem Buch ne?
00:23:17: Ja.
00:23:19: Aber es war auch befreiend glaube ich.
00:23:21: War auch gut!
00:23:22: Er sprach darüber als wir Teenager waren da war er ja auch dabei und also auch so ein Jassen geworden.
00:23:29: aber sonst hätte sie sich mehr im Hintergründ.
00:23:32: Was haben Sie dann später noch beruflich gemacht und wo haben Sie überall gelebt?
00:23:36: Okay Also erst mal kurz in Indien, in dieser Kommune und dann in den USA.
00:23:41: Auch in diese Kommune erstmal.
00:23:43: Und als das auseinanderfiel, das war von mir in achtzig ... Dann hab ich eine Massageausbildung gemacht.
00:23:50: Da war schon San Diego.
00:23:52: Etwas später nach Santa Fe sind wir gezogen haben da Haus gebaut.
00:23:57: Wir selber so mit den eigenen Händen.
00:24:01: Mein Bruder hat geholfen.
00:24:03: Da bin ich in die Akkupunkturschule gegangen Und das habe ich dann die letzten dreißig Jahre gemacht.
00:24:09: Also jetzt mache ich eigentlich nichts mehr, aber ich hab mich sehr auf... also aus dem Buch und derartige Sachen... Ich hab' mich sehr oft Kräuter konzentriert.
00:24:19: Das ist so meine Liebe.
00:24:21: Und hab' Tinkturen gemacht von über hundert Chinesischen Kräutern und hab' Trezepturen gemacht und alles.
00:24:29: Das kam mir sehr
00:24:33: easy.
00:24:34: Ja, wir finden das toll hier.
00:24:36: Also ... Wir haben mal zwölf, dreizehn Jahre in Thailand gewohnt davor und es wurde zu heiß und zu voll und so dies und jenes und ... Ich weiß gar nicht wie wir auf Portugal kamen weil wir waren beide noch nie hier.
00:24:52: und dann haben wir gesagt okay, dass werden wir jetzt auschecken und da haben wir letztes Jahr an der Reise gemacht und haben diese ganzen Orte abgefahren ein paar Tage hier und ein paar Tag da in Airbnb's geworden haben gesagt, okay das machen wir.
00:25:06: Also es haben wir auch noch nie gemacht irgendwo hinzuziehen wo wenn niemanden kennen.
00:25:10: also es ist sehr abenteuerlich aber so farcigut!
00:25:17: Wir mögen die Leute und wir mögen sie sind unheimlich freundlich.
00:25:22: Warst du mal in Portugal?
00:25:23: Ja ja, war ich.
00:25:25: Wir sind da näher vom Porto, unsere Lieblingsstadt.
00:25:29: Ja lustig dass Sie das komplette... Konträrer sein zu dem, was Ihre Vorfahren oder ja vor allem der eine Vorfahr war.
00:25:38: Kommunistisch
00:25:39: irgendwie... Genau!
00:25:41: Ja es war bestimmt.
00:25:42: auch ist ja wir alle.
00:25:44: die ganzen Jugendbewegungen waren höchst dagegen.
00:25:46: Ist da klar?
00:25:48: Und wenn Sie heute auf die Welt schauen und Nachrichten lesen haben sie irgendwas was Sie sich wünschen oder noch loswerden wollen mit Ihrer Familiengeschichte noch mit diesem Hintergrund auch
00:25:58: Ich wünsche dass das Trump finde ich sehr.
00:26:03: Die Trump Administration in Amerika finde ich sehr, sehr schlimm und sehr besorgniserregend.
00:26:11: Und die Parallelen könnten gar nicht mehr sein.
00:26:15: Der ist ja auch ein Raffer.
00:26:18: wie es nur geht alles muss Gold sein und so viel wie's nur geht.
00:26:22: also das macht mir Angst.
00:26:24: Das macht der ganzen Weltangst und die sich alle unterordnen.
00:26:29: und es ist verständlich.
00:26:33: Und von daher wünsche ich mir, dass was wir gelernt haben.
00:26:38: Von den Nazis.
00:26:41: Dass wird das als Lessen nehmen und nicht wieder dieselben Kram machen wie AfD in Deutschland oder es wird ja auch immer mehr.
00:26:50: Es ist erschreckend!
00:26:52: Dann danke ich erst mal für das Gespräch.
00:26:54: Das spannende Gespräch
00:26:56: war nett dich kennenzulernen.
00:26:58: ebenso Ja, über diesem ganzen Gespräch schwebt halt immer wieder die Frage was kann ein Mensch dafür in welche Familie er hineingeboren wird.
00:27:06: Und gleichzeitig zeigt diese Geschichte auch es ist möglich unrecht zu erkennen selbst dann wenn es aus der eigenen Familie kommt und sich davon abzugrenzen!
00:27:15: Wenn euch dieses Thema interessiert, die BBC-Doku Hitlers Children begleitet weitere Nachkommen führender Nationalsozialisten und zeigt wie sie mit dieser Vergangenheit umgehen kann ich sehr empfehlen.
00:27:26: Und in der nächsten Folge spreche ich mit einem Mann, der zu den sogenannten DDR-Kindern von Namibia gehört.
00:27:31: In einer Gruppe von rund vierhundert Kindern die während des Unabhängigkeitskampfes aus Namibias in die DDR gebracht wurden und dort aufgewachsen sind.
00:27:42: Ich bin Marti Geier bis
00:27:51: dann!
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