Bevor es zu spät ist: Ein Gespräch mit meinem Vater | Was für ein Leben - Folge 15
Shownotes
Ein Leben gegen den Strom: Harald Geyer Manche Gespräche sind mehr als Interviews. Dieses ist eines davon. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit seinem eigenen Vater – Harald Geyer. Ein Gespräch unter besonderen Umständen: Harald befindet sich in Palliativpflege. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Das Sprechen fällt ihm bereits schwer. Geboren 1939, wächst er in den letzten Kriegsjahren und der unmittelbaren Nachkriegszeit auf. Früh verliert er seinen Vater. Kurz nach Kriegsende wird die Familie von sowjetischen Soldaten aus ihrem Zuhause vertrieben. Hunger prägt den Alltag – bis eine Beziehung seiner Mutter zu einem sowjetischen Offizier das Überleben sichert. Harald träumt davon, Regisseur zu werden. Doch in der DDR bleibt dieser Weg verschlossen. Er entscheidet sich für ein Lehramtsstudium – ein Kompromiss. Als seine Mutter in den Westen geht, plant er, ihr zu folgen. Doch dann wird die Mauer gebaut. Die Grenze schließt sich, und Mutter und Sohn werden getrennt. In der DDR wird von ihm erwartet, der Partei beizutreten. Harald weigert sich. Eine Entscheidung mit Konsequenzen: Überwachung durch die Stasi, eingeschränkte berufliche Perspektiven. Schließlich gibt er den Lehrerberuf auf. Sein weiterer Weg ist geprägt von Brüchen und Neuanfängen. Er arbeitet in verschiedenen Jobs, fährt illegal Taxi, schlägt sich durch – und bleibt dabei unabhängig. Nach der Wende beginnt ein neues Kapitel: Er unterrichtet vietnamesische Vertragsarbeiter in Deutsch und engagiert sich später in der jüdischen Gemeinde, wo er russischen Einwanderern beim Ankommen hilft. Sprache wird für ihn zum Mittel der Verbindung. Bis ins hohe Alter bleibt er aktiv, kritisch und eigenständig. Erst eine Krebsdiagnose verändert alles. In dieser Folge spricht Matti Geyer mit seinem Vater über ein Leben gegen den Strom – und hält einen Moment fest, der zugleich Abschied und Erinnerung ist.
Habt ihr eine Geschichte für uns? Kennt ihr jemanden, der oder die ein außergewöhnliches Leben geführt hat?
Eine Geschichte, die man einfach hören muss? Dann schreibt uns an matti.geyer@fluxfm.de
– vielleicht wird genau daraus eine der nächsten Folgen von "Was für ein Leben".
Zum Host des Podcasts: Matti Geyer arbeitet als Redakteur beim Berliner Radiosender FluxFM. Speziell durch seine Arbeit als Stadtführer von toursofberlin bringt er Expertise in Sachen Historie ins Programm ein.
Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:06: Hi,
00:00:09: ich bin Matti Geier und diese Folge ist für mich eine ganz besondere.
00:00:14: Hier geht es ja um Menschen, deren Geschichten wir aufbewahren wollen Und diesmal geht's um jemanden dessen Geschichte ich schon mein ganzes Leben lang kenne Denn das ist mein eigener Vater.
00:00:24: Ich wollte ihn schon lange vor's Mikro holen Aber er hat immer gesagt, ich habe doch nichts zu erzählen Er will das überhaupt hören Was aber einfach nicht stimmt.
00:00:31: Seine Geschichten liefen bei uns zu Hause seit Jahren am Küchentisch, bei Familienfeiern immer wieder und ich weiß einfach da steckt so viel drin.
00:00:40: Dann kam vor kurzem die Diagnose Krebs.
00:00:43: heute ist er siebenundachtzig Jahre alt in Palliativpflege Und plötzlich war klar wenn nicht jetzt dann nie.
00:00:50: ein paar Wochen nach dem Gespräch wurde das sprechen schon zu anstrengend für ihn.
00:00:55: also wir waren wirklich gerade noch rechtzeitig.
00:00:58: Mein Vater heißt Harald Geier, ist Jahrgang neununddreißig.
00:01:02: Er hat seinen eigenen Vater im Krieg verloren und ist in einer Nachkriegswelt aufgewachsen geprägt von Mangel-, Umbrüchen- und Entscheidungen.
00:01:10: Er wollte eigentlich Regisseur werden oder aber Lehrer, wollte ihn investen und blieb doch im Osten hängen, wurde beobachtet ausgebremst und hat sich trotzdem nie verbogen.
00:01:21: Und der Grund warum mein Vater ein älterer Jahrgang ist ist, dass er der Lehrer meiner Mutter war.
00:01:27: Er war ein sehr junger Lehrer.
00:01:29: Sie war am Ende der Gymnasialzeit und sie sind ein Leben lang bis heute zusammengeblieben mit zwei Kindern mich und meine Schwester.
00:01:35: also es hat alles gepasst.
00:01:37: aber über die Geschichte wie er mit meiner Mutter zusammen kam wollte dann doch nicht ins Mikro sprechen.
00:01:41: man kann sich ja vorstellen wie kontrovers das damals gewesen ist.
00:01:44: aber ich wollte an dieser Stelle einmal nur erwähnen falls man sich im Gespräch wundert Ja, das hier ist also kein normales Interview.
00:01:51: Das ist ein Gespräch zwischen Vater und Sohn wirklich auf dem Wohnzimmer-Sofa relativ spontan aufgenommen weil ich immer nicht wusste will er heute reden oder nicht reden Und an diesem Tag hat es geslappt!
00:02:10: Ich dachte du könntest zuerst mal erzählen was deine ersten Erinnerungen sind an dein Papa und an deine Eltern?
00:02:17: Oh ja, das kann ich machen dass er kurz vor Weihnachten mal gekommen ist, da hat er eine Eisenbahn kauft gehabt und zwar im Nebenraum immer wenn ich rein wollte.
00:02:29: Nein noch nicht!
00:02:30: Dann hab' ich gerufen böse Papa.
00:02:31: aber weil ich das hier ruf mich hatte ihn ja doch ganz toll lieb war.
00:02:34: Er
00:02:34: meinte du warst klein?
00:02:35: Dann kam er wütend rein, dann weiß ich gar nicht ob er mir ein paar auf den Poe gegeben hat.
00:02:39: Jedenfalls hat mich das getroffen.
00:02:42: Hat er dir was vom Krieg erzählt oder wusstest du auch etwas der macht?
00:02:47: Kann mich nicht erinnern.
00:02:48: Meine Mutter hat mich nicht erzählt.
00:02:50: Er kam mir kurz mal an den Urlaub, in der Küche war dann so ein komischer Boden, wir leuchten dann, kam er mit seinen Stiefeln da rein und dann hat er mitten in die Küche immer links, rechts um... Und meine Mutter ist nur objubelaufen, er macht ganze die Lune oder was da unten ist kaputt!
00:03:07: Und ich habe mich gefreut.
00:03:09: Kannst du dich daran erinnern wie du dann erfahren hast dass er gefallen war?
00:03:12: Oder nicht?
00:03:13: Da hat sich jemand den Brief bekommen, da ist er dann glaube ich unmachtgefallen.
00:03:19: Als dann die Rote Armea kam, von denen kämpfen hast du aber als Kind gar nichts mitbekommen in Finsterwalde?
00:03:26: In Finster Walde haben sie nicht gekämpft.
00:03:29: Da wurden wir alle aus den verschiedenen Blöcken auf zwei letzten Blöcke zusammengefährigt und unsere Wohnung wurde dann Küche für die Ausrechteroffiziere.
00:03:39: Dann hieß es fünf Minuten raus und waren dann in fünf Minuten heraus aus der Wohnung und da sind dann sofort der Kosten rein die Toiletten fußierten und trotzdem hamste.
00:03:50: Die haben sie nicht benutzt, weil sie ... Und dann sind Sie immer in euren Keller.
00:03:53: Also da muss ich es ja unheimlich gestunken haben will.
00:03:55: Aber das sag' ich dir!
00:03:56: Uns haben wir gleich bei uns rausgejagt wie die Frauen, ne?
00:03:59: Und haben's dann sauber
00:03:59: gemacht?!
00:04:00: Und habens aber gemacht... wenn ich dran denke wird mir jetzt noch schlecht.
00:04:04: Und dann gab's doch immer noch eine Anekdote wo du erzählt hast dass deinem Mutter irgendwann auf so ein Laster gezogen wurde.
00:04:11: An unserer Kreuzung war ein Lebensmittelgeschäft Und dann sind die Russen einmal freifahren, ein Laster.
00:04:17: Alle, die da waren, rauf auf den Laster und meine Mutter rumkackiert.
00:04:21: Ich hab hier ein Kind, ich war dabei und dann klappe zu.
00:04:24: Dann haben sie uns auf dem Bahnhof gefahren und da stand ein ell langer Zug.
00:04:28: Und der ganze Zug war voller Kleidung.
00:04:31: Die Frauen mussten die Säuber in die Züge.
00:04:34: Ich war mir selbst überlassen worden.
00:04:37: Bin auch immer in Strömath auf diesem Bahnhof.
00:04:40: Wann gab's denn überhaupt hier eine Schule?
00:04:42: Ob das im Oktober war ... Ich weiß nur, dass die Mütter im Kreis um den Direktor rumstanden.
00:04:48: Aber die Mötter weinten alle!
00:04:49: Die weint denn?
00:04:50: Weil...
00:04:51: Ja weil das alles so ohne irgendwas was ich feier war, was ich hier essen trinken.
00:04:56: Wir standen einfach um dem Direktor herum und eine Rede halten und dann waren wir Schüler.
00:05:01: Und das war ja da noch die Zeit wo man eigentlich immer nur gehungert hat.
00:05:04: Die
00:05:04: schreckliche Zeit war das ja.
00:05:05: In der Schule gab's manchmal Essen.
00:05:08: Dann hieß es, morgen bringen jeder einen Töpfchen mit, morgen gibt´s Milch finde ich bis heute noch gut, dass sie das organisiert haben.
00:05:15: Hat natürlich keinen Töpfchen vergessen und dann kriegte jeder in der Schöpkelle Milch da rein.
00:05:20: Und das war manchmal das einzige Frühstück.
00:05:23: Ich glaube unsere Mutter hat dann auch manchmal mit gewissen Männern großartig schlaffizieren.
00:05:28: Sie hatte dann einen Job im Officierskassidur anbekommen.
00:05:33: Und dadurch hatten wir eine Zeit lang immer schönes Essen und die hat immer das vertrocknet oder was auf dem Tisch war und nicht aufgeessen wurde.
00:05:41: Hat sie das zu sagen?
00:05:42: Ich war natürlich alles ein bisschen hart, aber das ist ja egal.
00:05:46: Und dann seid ihr irgendwann umgezogen an die Ostsee oder?
00:05:49: Dann hatte ich einen russischen Offizier kennengelernt.
00:05:51: Das muss ein sehr hoher Hanke gewesen sein weil der in einer riesen großen Villa alleine wohnte und mit dem ist er dann auch nach Rostock.
00:06:01: da musste ich eine erste Klasse gewesen sein.
00:06:04: Die waren schon viel weiter als.
00:06:05: du weißt nicht immer die Geschichte?
00:06:06: Ja, haben wir Wettrechte immer gemacht wo er dann aufstehen mussten, Bankrei gegen Bankrei.
00:06:12: Der weß doch sowieso nicht, sagte mein Nachbar und der Lehrer hat getroffen, da vielleicht weiß auch heute gerade mal was.
00:06:18: Hat mich euer Lehrer euch mal nach Dresden mitgenommen?
00:06:20: Wo ist noch alles kaputt gemacht?
00:06:22: Ja!
00:06:23: Und dann standen wir alle auf dem Hügel und haben geguckt ob man irgendwo ein ganzes Gebäude sieht aber alles eintrümmer fällt.
00:06:31: Wann seid ihr denn zurück?
00:06:32: von Rostock nach Finsterwalde?
00:06:34: Nein das kann gar nicht so lange gewesen sein.
00:06:36: Und dann war es auch vorbei mit diesem Offizier wahrscheinlich.
00:06:41: Der ist von dort aus weggezogen, hat dann wohl ein schweres Gemälde genommen
00:06:46: und du hattest ja die Tante in West-Berlin noch?
00:06:50: In Ostberlin eine Grenze zu West Berlin.
00:06:52: Aber es gibt ja eine Geschichte zur Luftbrücke.
00:06:54: Hat die dich doch mitgenommen?
00:06:57: Da warst du neun Jahre alt
00:06:58: Luftbrück.
00:06:59: ich dachte in der Brücke und dann kam er hin und habe hier geguckt woher eine Brücke ist.
00:07:06: Und dann habe ich mir meine Tante gefragt, na das ist die Flugzeuge!
00:07:10: Guck jetzt kommt ein Flugzeug und landet.
00:07:14: Dann laden sie hier was aus damit wir Essen noch so trinken haben oder zu heißen haben.
00:07:19: Siehst du es startet?
00:07:20: Du kommst schon wieder als Nächste.
00:07:22: Kannst du dich eigentlich an den siebzehnten Juli dreiundfünfzig erinnern?
00:07:25: Am Rad am Radioyang und haben geräucht und haben uns gefreut über diesen Aufstand.
00:07:31: Also ich als Kind auch schon Ich war auch über die Russen verarbeitet, als ich mit den Panzern dann eingefahren sind.
00:07:37: Und hatte gedacht, jetzt wird dieses ganze Regime hinweggefegt und kommt ein besseres.
00:07:41: Gab es nicht auch immer, wo du dann immer ganz lange Wege mit dem Fahrrad gefahren bist oder gelaufen bist?
00:07:47: Ein ganzen Tag von Finsterwalde bis nach Berlin oder so sogar?
00:07:51: Ja das war dann erst einmal in der achten Klasse.
00:07:53: Ich hatte große Ferien.
00:07:56: Irgendwas war mir langweilig.
00:07:58: Dann ist mir damit auch um halb drei eingefallen... ...ich könnte nach Berlin fahren!
00:08:03: ohne Licht, ohne was zu essen und zu trinken mitzunehmen.
00:08:07: Ich hatte mir auch gar nicht irgendwie eine Karte vorerst studiert oder so, war dann erst nachts um zwölf.
00:08:11: oder wann war ich da bei meiner Tante?
00:08:13: Und hast du ja nicht beim Studium in Potsdam mit geholfen überhaupt diese Gebäude von der Uni Potsdamm aufzubauen?
00:08:20: Wir haben gelbengeschippt für die Kandidation, für irgendwelche Abwasserrohre oder auf Wasserrohr und sowas alles.
00:08:27: Alles noch im Bau, ja!
00:08:28: Eigentlich wolltest Du ja gar nicht Lehrer werden sondern... Regisseur?
00:08:33: Ich hatte ja erzählt, dass es da so ein Buch gab in DDR nicht.
00:08:36: Wo alle Berufe drin waren und dann stand dann drinnen eine oder zwei Regisseure im Jahr brauchte die DDR.
00:08:43: Da war mir klar, da kommt ganz andere rein als ich.
00:08:46: Warum wolltest du der Regisseurer werden?
00:08:48: Ich fühle mich da so berufen wenn jeder im Fernsehen noch irgendwas spielen sollte oder so, nicht Spielschuss wie den dem mich angestellt haben.
00:08:58: Da ich bei mir dachte, ich könnte das schön dazwischenfunken.
00:09:02: Hast du nicht mal in dem Film mitgespielt?
00:09:04: Ja, Verwirrung der Liebe.
00:09:07: Wir mussten allen mal tanzen an die Barzeuge gehen und dann gab es erst Richterchen in die Köhe.
00:09:12: Der war dann bald alle, der am meisten bei einer Baureumelokrat.
00:09:15: Und dann gab's nachher nur noch gefärbtes Wasser oder also eine Limonade.
00:09:20: Wann ist deine Mutter in Westen rüber?
00:09:22: Im Januar einen Sechzig.
00:09:24: Warum hast
00:09:25: Du dann Lehramt studiert?
00:09:26: Ich habe bei mir gedacht, Mensch, Lehre werden gebraucht!
00:09:31: Du verdienst ein gutes Geld.
00:09:33: Und du hast dann Sport und Russisch auflärmt?
00:09:37: Mhm!
00:09:38: Und weil wir Sportlehrer waren, wir hatten dann Lebensmittelkarten von vier Schwerarbeiter.
00:09:44: Butter, Fleisch, Zucker an die drei kann ich mich erinnern.
00:09:49: Dann war der Mauerbau... ...und du wolltest ja eigentlich vorher auch in Westen rüber eigentlich ne?
00:09:55: Eigentlich wollte ich auch rüber.
00:09:57: Ich habe bei mir gedacht, du arbeitest erst mal als Lehrer.
00:10:00: Also viele, die rübergegangen sind mussten dann nachstudieren.
00:10:04: Und wenn ich dann später rüber gehe, brauche ich nicht nachstudien ein Jahr.
00:10:09: Also von den Klassenkameraden, ein Drittelrad drinnen ging drüber.
00:10:14: Kannst du dich daran erinnern erfahren zu haben dass die Grenze dann dicht war?
00:10:18: Die Mauer gebaut wurde?
00:10:19: Ja mein Bruder hatte eine Usche und da sind wir nach Peiz gefahren.
00:10:25: Da wurde die Familie in Peiz fahren wollen auch tanzen Und da habe ich dann auch hier meine erste Frau kennengelernt beim Tanzen.
00:10:34: Ich wollte es irgendwie nach Hause bringen oder so, da irgendwie hat sie mir auf den Kopf gegeben und dann hab' ich da einen Rundfunkempfänger und dann war dann dort auf einmal die Meldung dass die Mäure gebohrt wurde.
00:10:45: Da hast du ja nie überlegt mal zu fliehen in Westen?
00:10:49: Nein, dann nicht mehr.
00:10:51: Hat man ja mitgekriegt wie dicht das Ding gebaut hat.
00:10:54: Ja!
00:10:55: Und dann warst du ja Lehrer beliebt auch ne?
00:10:58: Und dann wurde dir ja gesagt, du könntest auch noch aufsteigen und mehr schaffen wenn du der Partei beitrittst.
00:11:04: Das hatte mir der Chef angeboten.
00:11:05: Du bist morgen den stellvertretenden Direktor.
00:11:08: Musst aber in die Partei eintreten.
00:11:11: Da habe ich gedacht, oh Gott da muss ich auch den Mist erzählen was der Direktor bis jetzt immer so passiert hat.
00:11:17: Heute bei mir gedacht ne, hab's dann abgesagt!
00:11:20: Und wo das dann aber ausspielen wird von der Stasi?
00:11:23: Eigentlich so richtig hat es mich nicht überrascht.
00:11:25: Ja, ich erzähle seine Geschichte bis heute auch auf meinen Stadtführungen durch Berlin.
00:11:30: Dass er eigentlich in den Westen ziehen wollte und dann aber seine Chance verpasst hat dass er getrennt war von seiner Mutter die im Westen war das er von der Stasi bespitzelt wurde zwei Jahre lang Von Lehrerkollegen und einer guten Freundin meiner Mutter Das waren die Spitze, dass er eben dann auch seinen Job als Lehrer verloren hat Und dass wir seine Stasi-Akte zu Hause haben.
00:11:50: also Ich habe sie auch gelesen.
00:11:51: Die ist relativ dick dafür dass er eigentlich nicht so wichtig war im System.
00:11:55: Aber man wollte eben rausfinden, spricht er auch zu seinen Schülern?
00:11:58: So kritisch was er nie gemacht hat.
00:12:00: Wirklicherweise sonst wäre vielleicht im Gefängnis gelandet.
00:12:02: aber ja es hat ihm die Karriere vermasselt.
00:12:05: trotzdem kann ich durchaus mit Stolz behaupten Er hat sich wirklich nie angepasst Auch nicht unter Druck.
00:12:12: Und dann durftest du einmal in den Westen rüber In den achtziger Jahren.
00:12:16: Ja Die Nachbarn in dem Hochhaus in der Stadion erlernen wir hier wohnt Das muss ein ganz hohes Stasi-Officierwesen sein.
00:12:24: Und die haben dann die Hand für uns ... oder für mich jetzt vorhergelegt, dass ich wieder zurückkomme.
00:12:29: Frau und Kind waren da, bei dem ihr auch zurück war.
00:12:32: Und wie war das denn?
00:12:33: In Westen zu fahren?
00:12:34: Ja meine Mutter wollte euch dann natürlich da bleiben.
00:12:37: Das ist sogar einmal rüber nach Holland!
00:12:39: Na aber war es schwer dann zurückzufahren, oder?
00:12:41: Ja, war nicht einfach, das stimmt schon... Aber dann, wie gesagt, Frau und kind.
00:12:47: Und deine Mutter hat ja immer noch ein bisschen Geld drüber geschickt, oder einen Trabi auch mal gekauft,
00:12:51: oder?!
00:12:51: Ja, voll in meiner Muttern waren zwei Trabis gekriegt, die habe ich dann weiterverkauft.
00:12:57: Und dann hab' ich auch noch ... Zwei Wartburgs hat's ja auch noch spendiert!
00:13:01: Also mein Bruder auch natürlich werden.
00:13:03: Warst du nicht mal als Lehrer irgendwann bei Eltern zu Hause und die haben Fernsehen geguckt und dich komplett ignoriert?
00:13:09: Ich in meiner Anständigkeit über versucht, alle Eltern einmal im Jahr zu besuchen.
00:13:13: Habe ich geklappt?
00:13:15: Keine Antwort.
00:13:16: Dann habe ich die Tür aufgemacht, dann habe ich nur gesehen im Licht des Fernsehers Dass das zwei auf den Sofa saßen, zwei Kinder wohl unter dem Tisch.
00:13:24: Alles zum Fernseher geguckt und ein Baby stand im Kinderbett.
00:13:28: Und nachher haben wir gesagt keine Antwort.
00:13:31: Es ist benahmt?
00:13:33: Keine Antwort!
00:13:34: Und dann habe ich nur fünf Minuten.
00:13:35: oder wie Pizzi guckt... Ich dachte, ihr werdet ja mal tun.
00:13:39: Äh..ich bin der Lehrer.
00:13:41: Keine Reaktion.
00:13:43: Dann habe ich meine Sachen genommen und bin wiedergegangen.
00:13:46: Da hattest du nicht mal einen fasten Unfall mit einem Trabi?
00:13:49: Da, als ich den Trabis gekriegt hab muss ich hier von Berlin abholen.
00:13:53: Und als ich dann Elmos reinfuhr, der Chef da und machte so... Ich dachte, das sei der neue Auto war!
00:14:02: Ja, bis ich dann hörte, wie er dann sagte es raucht.
00:14:07: Da bin ich dann von der Kreisstadt bis dahin mit einem solchen Handbremse gefahren.
00:14:11: Warst du auch irgendwann mal in Moskau oder?
00:14:14: Ja vierteljahr weiter.
00:14:16: Da habe ich furchtbar gefroren.
00:14:17: Ich hatte so eine leichte Jackebluss und in der Universität nun überall, ohne Heizung.
00:14:23: Ich habe was echt als Zusammenfroren ab.
00:14:25: Und am Schwarzen Meer warst du auch irgendwann?
00:14:27: Eine Mutter schickte doch immer die Arbeit in einer Wäscher-Fabrik.
00:14:31: Und ich kriegte aber so eine weiße Neilonghemm, die bei uns achtzehn Mal gekostet haben.
00:14:37: Ich kriegten sie für einen Westpark immer.
00:14:40: Da waren die Russen, also die Jugendlichen, erpicht von uns Kleidung zu bekommen.
00:14:45: Da hab' ich den noch erzählt!
00:14:46: Wie bin ich das
00:14:47: dann?!
00:14:48: Meine Mutter im Betrieb kriegt.
00:14:50: Da wollte der mir doch verkloppen, weil das nicht sein kann, ja?
00:14:53: Wir haben ihn hier an den Sog geraten!
00:14:56: Weil ich so eine Lüge in die Welt setze...
00:14:58: Dann war es ja mit der Stasi dass du bespitzt wurdest was du ja nicht wusstest.
00:15:01: aber dann hast du ja irgendwann durftest du ja nie mehr als leere Arbeit oder du dürftest nur noch in einem bestimmten Kaffer arbeiten.
00:15:08: wie war das?
00:15:09: Weil ich darauf bestand ich will aufhören aus Leerer.
00:15:12: Warum?
00:15:12: Weil sich das ganze politisch schon so satt hatte und weil ich da nicht docker erlassen hab.
00:15:16: und immer wieder haben sie dann doch die Zusage, aber vorher wusste ich so Strafe.
00:15:21: Die Hälfte meines Unterrichts in Nachbardorf und die andere Hälften als Klassenleitern weitermachen.
00:15:27: Also muss ich dann jeden Tag ins Nachbardorff.
00:15:31: Mal bin ich getrennt, mal bin ich mit einem Fahrrad, mal bei dem Auto... Und irgendwie wollte jemand eine Wohnung tauschen und dadurch konnte wir nach Berlin ziehen!
00:15:40: Da bin ich immer schon wenn abends nicht im Fernsehen war.
00:15:44: um viertelnein, bin ich dann in meinen Wartburg gestiegen und bin nach Berlin gefahren um Spaßtraxie zu fahren.
00:15:50: Um mich vorzubereiten, wenn ich nach Berlin gehe habe ich mein Geld verdiene.
00:15:54: aber das war nicht so einfach mit dem Spaßtraxy fahren.
00:15:58: Du hast ja immer darauf angewiesen was ich dir gegeben habe.
00:16:00: Du durftest ja kein Preis nennen, ja?
00:16:02: Aber die Bullseye hat einen gewähren lassen!
00:16:05: Und wann hast du aufgehört?
00:16:07: komplett mit dem Lehrer sein?
00:16:08: Dann hab' ich ja noch in Berlin Kubaner, Polen, Russen unterrichtet Deutsch.
00:16:15: Da waren riesige Bekleidungswerke für die Vietnamesen und die sollten in kurzer Zeit Deutsch lernen.
00:16:21: Ich hieß aber, in fünf Jahren müssen sie nach Vietnam zurück.
00:16:25: Hatten also keinen Lust zum Deutsch lernen?
00:16:27: Die meiste Zeit haben wir vorher wieder ein Klassen gesessen oder ganz leeren Klassen.
00:16:33: Und da habe ich gedacht, dass ich da auch durch Taxi zwar eine Geld verdienen kann, hab' aber an der Post angefangen.
00:16:39: Dummerweise kurz vor Weihnachten, wo sie alles noch mit Hand sortiert haben – die Pakete Briefe, früh um vier muss ich aufstehen.
00:16:47: War
00:16:47: es nicht so dass man in der DDR wenn man einmal Lehrer war eigentlich immer Lehrer sein musste und gar nichts anderes machen durfte?
00:16:53: Richtig sowas!
00:16:54: Und wie kamst du dann zur Post?
00:16:55: Das waren die Einzigen die mich genommen haben.
00:16:57: Ich habe mich uns hier in den Stellen beworben.
00:17:00: Die haben alle gesagt Es ist richtiges Verbot für uns.
00:17:03: siehst zu dem
00:17:04: Komisch das da nicht die Post da genommen hat.
00:17:07: Ja vielleicht mittel mit mir ich weiß auch nicht.
00:17:10: Dann in der Zeit hast Du schon Mama geheiratet.
00:17:12: ja
00:17:13: Und dann der Mauerfall.
00:17:14: Wie hast du den Mauerfallen miterlebt?
00:17:16: Da war ich ja jetzt schon ein Jahr alt.
00:17:18: Nein, da haben wir das nicht mitgekriegt, dass diese eine Aussage dazu führen sollte.
00:17:24: Ich habe mich aus dem Gedanken gekommen... ...dass diese Aussage dafür führen könnte, dass alles zu geöffnet wird.
00:17:30: Wir haben das nur früh.
00:17:31: Am zehnten November dann.
00:17:32: Aus irgendeinem Grundtag im Fernsehen angemacht und da hat man dann gesehen wie die Massen alle auf einer Hundertbrücke gestreben.
00:17:40: Dann habe ich sie gesagt.
00:17:41: Also raus aus den Fällen!
00:17:43: Du fährst ja im Kinderwagen auch noch.
00:17:45: Und da gibts dir das Foto, wo du da im Kinderwahn bist ne?
00:17:48: Nein in diesem Kinderauto im KDW.
00:17:50: Mhm.
00:17:51: War es schwer einen neuen Job zu finden.
00:17:53: dann.
00:17:54: oder wie kamst du dann zum neuen Job?
00:17:56: dass du den Russen Deutsch beigebracht hast von der jüdischen Gemeinde?
00:17:59: Weil Mama dann ein Job bekriegt hat von ihre Freundin und Mama hat wieder gesehen, dass ich da anfangen kann.
00:18:05: als Deutschlehrer.
00:18:06: Hast du denn weiter Deutsch unterrichtet und bis jetzt kurz vor der Blöden Krebsdiagnose, immer fit und sportlich unterwegs gewesen.
00:18:14: Ja.
00:18:14: Immer Tischtennis gespielt und gejoggt.
00:18:16: Gibt es was worauf du besonders stolz bist wenn du zurück guckst?
00:18:20: Ich
00:18:20: habe mich gefreut als ich da war.
00:18:21: Das war eine ganz große Freude mit dir spazieren zu gehen.
00:18:25: Und später, wenn wir dann Urlaub zusammen waren hast du dich so sehr um die Anne gekümmert für sie gemalt und gezeichnet.
00:18:33: Da war ich mal stolz auf euch beide!
00:18:36: Und man kann doch sagen, dass du immer das gemacht hast was du für richtig gehalten hast und dich nicht irgendwie hast beeinflussen lassen.
00:18:43: Ja vor allem politisch und so.
00:18:46: Gibt's irgendwas was du bereust?
00:18:48: Ich geh jetzt zur Frage, was ich gehört hab.
00:18:52: Bis in zwei Alter war mein Papa übrigens unglaublich fit als ehemaliger Sportlehrer.
00:18:57: War er mit der Achtzig noch joggen fast jeden Tag, hat Tischtennis gespielt, war immer in Bewegung.
00:19:02: Man hat ihm das Alter absolut nicht angesehen.
00:19:05: Und dann kam eben diese Krebsdiagnose.
00:19:08: und was bleibt sind die Erinnerungen, wie in jeder Familie.
00:19:11: Deshalb wirklich auch ein Appell an alle, die hier zu hören, nehmt eure Liebsten auf, frag Nachhört zu bevor es zu spät ist.
00:19:18: Danke Papa!
00:19:19: Auf jeden Fall für alles.
00:19:22: In der nächsten Folge geht's wieder um eine dieser Geschichten, die wir oft übersehen – Eine Frau aus der Pflege Ein Beruf den wir alle kennen aber viel zu selten wirklich hören.
00:19:34: Ich bin Matti Geier, vielen Dank fürs Zuhören und wir hören uns in der nächsten Folge
00:19:45: wieder.
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