Rebellion, Rausch und Religion: Nina Hagen erzählt | Was für ein Leben - Folge 14
Shownotes
Eine Biografie zwischen Punk, Provokation und spiritueller Suche
Manche Leben sprengen jede Schublade. Das von Nina Hagen gehört dazu. Aufgewachsen in Ostberlin in einer politisch unbequemen Familie, wird sie früh zur Außenseiterin. Staatliche Institutionen setzen ihr Grenzen – doch sie findet ihren eigenen Weg in der Musik. Zunächst wird sie in der DDR bekannt, später im Westen zur Ikone und schließlich international berühmt. Ihr Weg führt sie durch die Punk-Szene Londons, das wilde Westberlin und bis nach Los Angeles. Ein Leben zwischen künstlerischen Höhenflügen und persönlichen Abstürzen, geprägt von Exzessen, radikaler Selbstinszenierung und immer neuen Neuanfängen. Doch Nina Hagen sucht nicht nur die Bühne, sondern auch Sinn. Spirituelle Erfahrungen und die Hinwendung zum Glauben werden zu einem wichtigen Teil ihres Lebens. Im Gespräch mit Matti Geyer erzählt sie offen wie selten von ihrer Kindheit im Prenzlauer Berg, vom Einfluss Wolf Biermanns, von ihrer Ausreise aus der DDR, ihrer Zeit im Punk – und von ihrer Suche nach Gott. In dieser Folge geht es um ein Leben zwischen Rebellion und Reflexion – und um eine Künstlerin, die sich immer wieder neu erfindet.
Habt ihr eine Geschichte für uns? Kennt ihr jemanden, der oder die ein außergewöhnliches Leben geführt hat?
Eine Geschichte, die man einfach hören muss? Dann schreibt uns an matti.geyer@fluxfm.de
– vielleicht wird genau daraus eine der nächsten Folgen von "Was für ein Leben".
Zum Host des Podcasts: Matti Geyer arbeitet als Redakteur beim Berliner Radiosender FluxFM. Speziell durch seine Arbeit als Stadtführer von toursofberlin bringt er Expertise in Sachen Historie ins Programm ein.
Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:08: Willkommen beim Podcast für krasse Lebensgeschichten.
00:00:12: Diesmal spreche ich mit einer absoluten Ikone, einer Frau die wahrscheinlich jeder kennt aber deren Leben so wild widersprüchlich und verrückt ist dass man kaum weiß wo man eigentlich anfangen soll.
00:00:22: Nina Hagen Die Godmother of Punk.
00:00:25: Ich glaube, kaum eine andere Sangerin hat so viel erlebt zwischen Ost und West.
00:00:29: Bühne und Bibel abstürzen und neu anfangen.
00:00:32: Ich war vorab ehrlicherweise ein bisschen nervös.
00:00:35: Nina Hagen kann ja durchaus unberechenbar sein in ihren Interviews aber sie hat sich wirklich extrem viel Zeit genommen.
00:00:41: War super sympathisch selbst reflektierend Und wir konnten echt über anderthalb Stunden miteinander sprechen.
00:00:47: Warum diese Folge trotzdem nicht ganz so lang geworden ist sag ich euch später.
00:00:52: Jetzt geht es erstmal los mit Nina Hage
00:00:56: Und das ist meine Geschichte.
00:00:59: Außergewöhnliche Lebensgeschichten auf Flux-FM!
00:01:03: Dann fangen wir mal ganz vorne an, oder?
00:01:05: Wie du möchtest... Was ist deine Lieblingserinnerung an Deine Kindheit in Prenzlauberg?
00:01:09: Ja, Wir haben erst in der Stargarder Straße gewohnt gegenüber von der Geizimane Kirche die man immer so schön bimmeln hat hören.
00:01:18: Wir gingen jeden Tag spazieren entweder mit Tante Trötchen und einem Kinderwagen oder mit meinem Papi oder mit meiner süßen Mami und da gibt es auch ein wunderschönes schwarz-weiß Foto von mir.
00:01:32: Im Hintergrund sieht man Menschen mit amputierten Gliedmaßen, man sieht das ist kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bin ja noch zehn Jahre nach Kriegsende auf die Welt gekommen aber da gab's natürlich viele Menschen mit amputiertem Gliedmasen.
00:01:49: Das zieht sich meine ganze Kindheit durch.
00:01:52: Die gab's überall.
00:01:54: Ich wollte sowieso fragen, dein Vater war ja im Widerstand gegen die Nazis und saß sogar am Gefängnis.
00:01:58: Hat er dir davon erzählt?
00:02:00: Ja klar natürlich!
00:02:02: Ich war auch in meiner Kindheit mit meinem Vater zusammen Hand-in-Hand begleitet von einem Kamerateam der DDR Nachrichtensendung Blickpunkt von der aktuellen Kamera.
00:02:12: in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen wo mein Großvater Hermann Hagen ums Leben gekommen ist Habe ich sogar ins Gästebuch geschrieben, da war ich schon ein Schulkind.
00:02:26: Uns regnen gekommen, weil er jüdisch war?
00:02:29: Genau!
00:02:30: Weil mein Großvater in Jude war.
00:02:33: Und du wolltest dann Schauspielerin werden und das wurde erst mal ohne Bücher... Eigentlich
00:02:39: wollte ich das nicht.
00:02:40: Ich wollte es eigentlich nicht.
00:02:41: Ja, ich bin beim Vorsprechen gewesen als Schauspielschule aber nur deswegen, weil man musste in der DDR einen Beruf haben Und eigentlich wollte ich es immer schon Sängerin werden.
00:02:53: Ich war auch als Amateur schon Sängerin bei meiner ersten Rockband, die nannten sich Iggy Cognito, bei denen bin ich im Alter von sechzehn Jahren gecastet worden aber auch durch meine Freundinnen den Profisängerinnen Angelika Mann, auch als die Lütte bekannt und Uschi Brüning die mich in den Reinhard Lakomikur geholt haben, obwohl ich noch erst sechszehn Jahre alt war.
00:03:21: Also ich war schon bevor ich auf meiner Profi-Berufs-Sängerschule zentrales Studio für Unterhalte ist und zwar war ich schon als Amateursängerin in verschiedenen Profi Konstellationen unterwegs.
00:03:35: aber die Prüfung da an der Schauspielschule habe ich nur gemacht weil Meine Mutter das von mir erwartet hatte.
00:03:42: Ich hatte keinen Bock auf den Schauspielberuf, obwohl ich vorher mit einem Alter von fünfzehn Jahre schon mit ihr zusammen auf der Theaterbühne stand und im Theaterkoa mitsingen durfte die auch der Ballett mit tanzen durfte.
00:03:59: Und zwar in einem Musical-Krankkang...
00:04:01: Da warst du also eigentlich ganz happy, dass das mit der Schauspielerei nichts geworden ist.
00:04:05: dann?
00:04:05: Ja genau und bei der Schauspielschule bin ich ja durchgefallen!
00:04:09: Und eigentlich sagt man so schlecht kann er nicht gewesen sein.
00:04:13: Also die Stasi wollte das nicht.
00:04:16: Da gab es eine Anordnung aber bei der Sängerschule konnten sich die Stasis nicht durchsetzen weil ich hatte unglaublich viele Fürsprecher.
00:04:26: Aber so mit der Stasi, wann war das so bewusst damals?
00:04:30: So dass deine Familie also vor allem noch der Freund an deiner Mutter politisch unerwünscht war.
00:04:35: oder Wann wohnst
00:04:36: du selber?
00:04:36: Da war ich ungefähr
00:04:36: elf Jahre alt.
00:04:37: Also zehn Jahre alt wo der Wolf Biermann mit meiner Mutter zusammen kam und zwei Jahre später dann war ich Ungefähr zwölf Jahre alt Wo ich dann in meiner Klasse mit irgendwelchen Sprüchen aufgefallen bin.
00:04:51: Und dann hat die Schulleitung ein Dekret rausgebracht unter dem Motto, die Schüler in meiner Klasse durften nicht mehr mit mir sprechen oder nicht mehr befreundet sein.
00:05:07: Und da war dann ein Sprechverbot mit
00:05:10: mir.".
00:05:12: So als zippenhaftmäßig so.
00:05:15: Krass!
00:05:15: Weil Wolf Biermann mit meiner Mutter zusammen war, aber auch weil ich damals dann schon anfing irgendwelche provokanten Sachen mal rauszuhauen
00:05:23: oder... Was war das für das Provokanteste was du rausgehauen hast?
00:05:26: Das weiß ich nicht mehr.
00:05:28: Okay und dann die erste Platte.
00:05:30: wie stehst du es zu deinem blümten Lied heute?
00:05:33: und was war deine Reaktion als Angela Merkel?
00:05:35: Du hast den Farbfilm vergessen zum Abschied sich gewünscht hat.
00:05:38: Zum Zöpfenstreich sag's doch.
00:05:40: Ja
00:05:40: Also nach Beendigung von meiner Berufs-Sänger Entertainment Schule, die sich Zentrales Studio für Unterhaltungskunst genannt hat.
00:05:50: Da habe ich ein Jahr lang Bühnenmusik gelernt mit mehreren Gesangslehrerinnen.
00:05:57: Ballettunterricht, Choreografie was man auf der Bühne so anstellen kann, Interpretationsunterricht Schauspielunterricht sogar Aber auf Maxismus-Leninismus, es gab's ja in jeder Fakultäter.
00:06:12: Whatever!
00:06:13: Bei der Abschlussprüfung nach einem Jahr saß plötzlich der Bandleader von der Rockformation Automobil im Publikum, der suchte nämlich für seine Rockband eine neue Sängerin und hat mich auserkoren.
00:06:29: und dann wurde ich die Sänglerin dieser wunderbaren Rock... Band Automobil in Leipzig und der hatte schon fünf Songs für mich geschrieben.
00:06:39: Und der Textdichter, der DDR, Kurt Dämler hat dann in Gesprächen mit mir herausgefunden, wo für mich mich interessiere was mehr im Leben schon so passiert ist.
00:06:51: Wir haben uns angefreundet und ganz viel drüber gequatscht und so sind diese fünf Songs entstanden meine ersten fünf Songs, die ich mit Automobil aufgenommen habe.
00:07:00: Und da war unter anderem auch der Farbfiften dabei.
00:07:04: Außerdem gab es noch andere tolle Songs.
00:07:07: Unter anderem was denn über Sexualität vor der Ehe?
00:07:11: Ein Song über Sexualitet vor der Ehel und ein Song über eine Reise in die Natur.
00:07:19: Komm, komm!
00:07:20: Also rockige, jazige Songs, richtig Pop-Songs – das Eine tolle Zeit.
00:07:27: Ich habe dann immer meine Hypiklamotten angehabt, ich hatte damals Platonstiefel an, die habe ich mir aus dem Westen besorgt, weil ich war auch im Kesselbundes mit dabei und der Anderem auch mit Bonnie M., mit denen ich mich ganz lieb angefreundet habe.
00:07:42: Da hat man die eine oder andere auch mal ein paar Wunschstiefelchen oder sowas
00:07:47: mitgebracht.".
00:07:49: Und wie war das denn als du das beim Zapfenstreich gehört hast?
00:07:52: Ja, erst konnte ich es gar nicht glauben.
00:07:53: Ich dachte das war Fake News!
00:07:56: Weil ich hatte doch mal die Angela Merkel getroffen in einer Fernsehtalkshow...
00:08:00: In der Talkshow ja ausgesehen?
00:08:01: Äh, ja, Talk im Turm war das glaube ich.
00:08:04: Wo es um die Sucht nach Opiaten ging und Angela Merkel war damals glaube ich Gesundheits- und Familienministerin oder sowas.
00:08:12: auf jeden Fall saß sie immer sehr unbeeindruckt dort so als ob sie das alles überhaupt nicht beeindruckt.
00:08:20: Aber so siehst du doch einfach nur aus oder?
00:08:22: Nein,
00:08:23: wir wollen ja nicht übertreiben.
00:08:24: Jedenfalls habe ich mich darüber geärgert und dann fing ich an zu lamentieren beziehungsweise meine Stimme wurde lauter und lauter.
00:08:32: es sah so aus als ob sich Sie anschreien aber ich hab eigentlich nur in die Luft geschrien vor der Lautabfrust hab das Mikrofon abgerissen hab gesagt ich gehe jetzt nach Hause zu meinen Kindern Ich habe keine Lust mehr auf diese ganzen...
00:08:47: Aber das scheint sie ja beeindruckt zu haben, zumindest offenbar.
00:08:49: Ja aber ich weiß
00:08:50: auch nicht mal warum man mich damals in diese Toxios geholt hat.
00:08:53: Kroten ne?
00:08:54: Genau und ich weiß also auch nicht wie ich mich gefühlt hab.
00:08:58: Ich dachte ja okay Farbfeln.
00:09:01: vielleicht wollte mir ein Zeichen geben dass meine Aktion damals bei der Toxo doch nicht so schlecht war weil vielleicht hatten Sie mich ja doch gehört wir sind ja einen Jahrgang Angela Merkel Und vielleicht hat sie auf diese Art durch die Blume gesagt, hey wir lassen uns die Daseinspeude nicht rauben.
00:09:21: Mit einundzwanzig bis hier in Westen gegangen?
00:09:23: Nachdem ich aber schon die gesachte DDR durchgetingelt habe!
00:09:30: Ich war oben ins Zühl... Ich war in Balzen, Dresden, Leipzig, Karl-Marxstadt.
00:09:36: Ich war im Erzgebirge und Sächsische Schweiz.
00:09:41: Überall in den kleinsten Dörfchen!
00:09:43: Ich war mit verschiedensten Bands und Formationen auf Tournee.
00:09:48: Und dann haben sie ja dem Biermann rausgeschmissen und wir haben alle versucht das rückgängig zu machen und sind da mit unseren Petitionszetteln rumgelaufen.
00:09:58: aber dann einer nach einem anderen ist umgeknickt und hatte Angst, um sein Leben und seine Karriere.
00:10:04: Da ist dann wieder zurückgetreten von der Unterschrift.
00:10:07: Und ich war damals in Leipzig am Theater und habe gerade für Cabaret geprobt, für eine Theatermusical-Version vom Cabaret, wo ich die Hauptrolle spielen sollte.
00:10:19: Und da ist dann Wolf ausgebürgert worden.
00:10:22: Ich bin dann zurück und hab meinen Ausreiseantrag gestellt weil im Grunde genommen wollte ich ja schon seit Langem... aus der DDR raus.
00:10:31: Und dann ist ja aus Reiseantrag genehmigt worden, verschiedene Freunde auch der Chef vom DDR-Fernsehpunkt Heinz Adamec haben mich noch versucht umzustimmen und der Heinz hat gesagt ich kriege meine eigene TV Show wenn ich da bleibe.
00:10:47: und ich habe gesagt du Heinz!
00:10:49: Ich muss hier raus ich krieg keine Luft mehr ich will die Welt sehen Bands sehen, ich will meine musikalische Richtung finden.
00:11:03: Ich will nach Amerika und ich muss hier
00:11:06: raus.".
00:11:07: Und dann haben meine geliebten Freunde von der Sternkombomaisen mich zum Tränenpalast gebracht.
00:11:12: Die sind aus ihrer sächsischen Eimerheit zu mir nach Österreich gekommen und haben noch eine Nacht in einem Hotel übernachtet um mich am nächsten Morgen meinen Cover geholfen zu schleppen bis zum Tränenballer.
00:11:27: Und dann bin ich da raus und umarmt, aber ich musste da weg!
00:11:33: Und rein in den Zug.
00:11:35: die letzten Staatsbeamten der DDR... Die haben ganz böse angeguckt.
00:11:41: Ich hatte ja keinen Dokument mehr.
00:11:42: Ich habe dieses durchgestrichene Dokument gehabt.
00:11:45: Da haben sie ja gesehen.
00:11:46: Ich bin ein Ausgewiesener.
00:11:48: Ich hab' die Staatsbürgerschaft nicht mehr.
00:11:52: Dann bin ich rein in den Zug und dann rüber nach Hamburg, wo mich Wolf Biermann und seine süße Mutter Emma Biermann abgeholt haben.
00:12:00: Und dann war ich im Westen und hat mich der Wolf irgendwann mal mitgenommen zu seiner Plattenfirma CBS nach Frankfurt.
00:12:06: Dann habe ich die da alle kennengelernt und dann haben sie mich unter Vertrag genommen und es war so toll weil die haben ja ganz tolle Beziehungen und Verhältnisse, Freundschaftsbeziehung mit mir aufgebaut Und haben mir ganz viel Zeit gegeben und Unterstützung auch finanziell, dass ich mich erst mal umschauen konnte.
00:12:26: Und dann hat meine Freundin Juliana Gregorova die in London Film studiert hat, die ich auch aus der DDR noch kannte eine Bulgarin mich rüber geholt, neunzehnt siebzig nach London, um mir die Hauptrolle in ihrem Filmschulen Abschlussfilm zu geben und habe dort meine allerbeste Verrückteste, großartigste Teenager-Freundin.
00:12:49: Sie war damals erst fünfzehn Jahre alt und ich war schon einundzwanzig beziehungsweise zwanzig.
00:12:54: Die Ariane Forster genannt Ari Up kennengelernt die die Sängerin von der Punkband Beslitz wurde.
00:13:02: Hattest du in der DDR jemals schon irgendwie Kontakt zur Punkkultur?
00:13:07: Nein das kam erst in London.
00:13:09: Ja
00:13:09: ja genau Ja.
00:13:11: Du hast dich ja selbst mal als Hippie bezeichnet?
00:13:13: Genau,
00:13:14: ich bin da übrig geblieben.
00:13:16: Ich war mehr so die Hebi-Frau aber ich mochte genauso auch Glamrock.
00:13:20: David Bowie natürlich, aber Roxy Music und Chris Spadding den Gitaristen der dann später auf meinem ersten Solo Album in New York die Gitarre mitspielt hat.
00:13:31: das war ja neunzehnt achtzig da war ich ja schon in New york und LA unterwegs.
00:13:34: Jo genau!
00:13:36: Aber erstmal geh ich zurück nach West Berlin mit den in der Hagen wendern.
00:13:39: Genau, die CBS hat jetzt gewartet das ich delivere rüber nach Berlin.
00:13:45: Ich hatte da auch Freunde Westberlin und fühlte mich dadurch auch ein bisschen näher an meiner geliebten Ost-Berliner Heimat.
00:13:54: Wie wollte sie sowieso fragen wie du westberlinen gefunden hast wenn man so ne Prenzler Berg Ost berlinen groß geworden ist?
00:13:59: Und dann kommt man so Kreuzberg West Berlin gerade in dieser wilden Zeit.
00:14:03: Hattest du Lieglingsorte?
00:14:05: Ja, ich hatte dort auch Freunde, die dort schon gelebt haben.
00:14:10: Ich war auch bei Romy Haag in ihrem kleinen Mini-Theater.
00:14:14: Die hatte da in der Nähe vom Kuhdamm so eine schöne Tabarettschehromie!
00:14:20: Der knallert die ganzen Drag Queens... My God, war ich inspired!
00:14:27: Ich bin nämlich auch ne Drag Queen auf der Bühne als Teil meiner Bühnenpersönlichkeit.
00:14:32: Ansonsten habe ich ja meine Bühnperson Im Berliner Angsamble, die ganzen Brechtstücke angeschaut in Ostberlin.
00:14:40: Das war ja meine Schule!
00:14:42: Naja und dann habe ich halt gleichgesinnte kennengelernt durch Romy Hark, hab' dann die einstürzenden Neubauern kennengelernen und auch Punk-Bands.
00:14:52: Und hab' aber auch die Jungs von der politischen Rockband Locomotive Kreuzberg kennenglernen.
00:15:01: Hat wieder die Wellenlänge gestimmt haben uns zusammengefunden und angefangen Musik zu machen.
00:15:08: Aber sie sind auch sehr schnell an unsere Grenzen gestoßen, weil beide Band-Lieder Potsch und Mane der hat ja dann so viel gekifft ... Der hat ja ständig sich eine Pfeife mit Haschisch gestopft!
00:15:21: Und ich habe dann immer mit dran gezogen und das wurde so zu einer Gewohnheit und dass hat die Band auch zerstört.
00:15:29: Muss ich schon sagen, das haben die nie thematisiert.
00:15:32: Der Bernhard Pocker spricht heute noch schlecht über mich weil der behauptet, ich bin eine Diva.
00:15:38: Das bin ich nicht!
00:15:39: Ich bin hart arbeitender Mensch wie viele andere Menschen auch und ich musste da weg.
00:15:44: Es war einfach... Ich war diejenige, die den Plattenvertrag in die Waagschale geworfen hat.
00:15:50: Ich hatte dem Platten Vertrag als Solo-Sängerin Aber dann wollten die mit mir teilen, also wie im Kommunismus alles gleich schalten.
00:16:00: Und ich bin ja gerade weg aus dem kommunistischen Testgebiet und ich wurde aber nicht respektiert als Sängerin.
00:16:08: Als Sänglerin hat man nämlich mehr Gewicht auf den Stimmbändern, auf den körperlichen Einsatz als ein Musiker der nur mit seinen Händen arbeiten muss Und der
00:16:22: war im Rampenlist stehen, ne?
00:16:24: Ja das auch.
00:16:26: Aber die Arbeit selbst ist so hart.
00:16:29: ich war ständig heißer meine Stimmwände waren ständig überstrapaziert.
00:16:35: gebt mir doch wenigstens ein bisschen mehr als jeder andere wollten sie nicht.
00:16:39: die waren auch noch geizig.
00:16:42: also es war wirklich schlimm.
00:16:43: deswegen hat das nicht lange gedauert mit uns.
00:16:47: dann kam das schreckliche Kokain ins Spiel anstrengend, aufregend und gefährlich ohne Ende.
00:16:55: Durch dieses Kokain bin ich abgemagert.
00:16:58: Ich habe das auf forty-fünf Kilogramm mentale Probleme gehabt, hab in meinem Kopf plötzlich Stimmen gehört.
00:17:05: Hab mich mit einer Bibel hingelegt die ganze Nacht und durchgebetet.
00:17:10: Und am nächsten Morgen waren alle bösen Stimmen weg und sind nie wieder gekommen!
00:17:15: Das wollte ich dir so fragen.
00:17:16: Wann hast du zur Religion gefunden?
00:17:18: Nein,
00:17:18: nein, nein!
00:17:19: Ich habe zu keiner Religion gefunden.
00:17:21: Ich hab Jesus gefunden auf meinem ersten LSD-Trip.
00:17:25: Ich bin im Alter von siebzehn Jahren aus Polen zurückgekommen weil ich wollte in Westen abhauen und musste wieder zurück aus Poln wo dann Wolf Biermann mir gesagt hat Mensch Ninjin ich muss dich zur Stasi bringen zum Verhöhrweiber.
00:17:38: die haben ja gesagt wenn du dich meldest soll es dich dort hinbringen.
00:17:42: Und dann bin ich da hin und habe, bin verhört worden.
00:17:46: Kam aber unter die kleinen kriminellen Amner Stief von Erich Onikert weil ich war ja eigentlich nur Nebbi.
00:17:52: Dann kam meine Freundin aus Warschau bei mir an, weil nachdem ich von der Stasi zurückkam... ...und dann war ich in Ostberlin und meine Mama.
00:18:03: mit ihrer Erlaubnis durfte ich meine erste eigene Wohnung haben zu Mitsechzehn.
00:18:10: Da hab' ich eine Ladenwohnung Und der einzige Eingang war von der Straße.
00:18:17: Heute ist das ein Plattenladen, das war der Knaller und da kam dann Marek und Camille und haben diesen LSD-Trip und den habe ich geschluckt.
00:18:29: und dann ist mir das großartigste Erlebnis, nämlich eine Taufe im Feuer mit dem Heiligen Geist Passiert.
00:18:39: Wer sich dafür interessiert, sollte da wirklich mal nachlesen, wo mir Jesus begegnet ist auf meinem LSD-Trip.
00:18:46: Obwohl ich eine Nahtoderfahrung hatte ... Weil zu dieser Zeit war ich mehrfach herzgebrochener Teenager.
00:18:54: Ich hatte seit dem vierzehnten Lebensjahr bereits mehrere Abtreibungen hinter mir.
00:18:59: Ich hatte schon eine Fehlgeburt außerdem hinter mir.
00:19:03: Ich hatte mehrfach gebrochenes Herz und war eigentlich ein Selbstmordgefährdeter Teenager.
00:19:11: Und durch diesen LSD-Trip, das eingreifen Gottes während dieser Nacht, während der Trip angedauert hat wie ich von Gott gerettet worden, durch dieses Erlebnis ist mir ganz klar unbewusst.
00:19:25: Ich glaube nicht nur daran, ich weiß es einfach!
00:19:28: Ja, ich hatte es anfangs schon erwähnt.
00:19:29: Wir haben eigentlich ziemlich genau anderthalb Stunden miteinander gesprochen und ich hatte noch so viel mehr Fragen auf meinem Zettel.
00:19:36: aber normalerweise treffe ich meine Gäste persönlich.
00:19:39: diesmal lief das alles übers Telefon Und mitten im Gespräch kam dann eine Essenslieferung bei Nina Hagen an.
00:19:45: Aber sie meinte noch ja wir können auch weiter quatschen.
00:19:47: danach Ich habe den ganzen Tag Zeit hatte sie auch nur hat sie dann irgendwann nebenbei angefangen zu essen Wobei ich mir gedacht hab wenn Nina Haken essen will dann soll sie essen.
00:19:57: Die dolzen Schmatzer habe ich rausgeschnitten.
00:19:59: Was allerdings auch noch passiert ist, dass das Gespräch sich immer wieder in die gleiche Richtung bewegt hat.
00:20:05: Gott, Glaube, Jesus... Also egal welche Frage ich gestellt habe am Ende gab es irgendwann fast immer die gleichen Antworten und dadurch konnten wir irgendwann nicht mehr tiefer an ihre Vergangenheit eintauchen.
00:20:16: und so ist das Gesprächt dann doch kürzer ausgefallen als erhofft und ich konnte nicht alle meine Fragen stellen.
00:20:22: trotzdem muss ich sagen war es eine absolute Ehre, mit so einer Ausnahmekünstlerin zu quatschen.
00:20:28: Wurdest du aus deiner Pippi-Aus-der-Pank-Szene kritisiert?
00:20:32: jemals dafür?
00:20:33: Dass du zu Jesus da gefunden hast... Nee!
00:20:36: ...gabst dann Leute die gesagt haben, ah, quatscht Nina auf.
00:20:38: Aber
00:20:38: im Gegenteil, Jesus ist doch selber ein Punk.
00:20:41: Also Christus is ja nicht für irgendwelche merkwürdigen Patriarchen, sondern Christus ist für alle gekommen, die hier unten unterdrückt werden und misshandelt Verraten, verkauft und verraten.
00:20:56: Und dann gibt es ja auch einige Institutionen Kirche die sich den Namen von Jesus nur auf die Pfaden geschrieben haben.
00:21:03: Dies ist ein Hip-Gespruch so oder wenn ich sagen John Linden denke Imagine a Religion das kannst du trotzdem unterschreiben weil du das trennst.
00:21:09: Gibt
00:21:09: auch einige Interviews wo John drüber spricht und er hat nichts gegen Jesus entgegenteil.
00:21:15: Er hat nur was gegen die Kriminellen die sie in dieser Religion da gekidnappt haben
00:21:22: Erstehen.
00:21:23: Du hast zum Mauerfall hast du eine besonders schöne Erinnerung, oder?
00:21:26: Na
00:21:26: ja da
00:21:27: war ich auf Tournee... Da war ich ne junge Mutter bei meinem zweiten Kind, mein Sohn Otis und wir waren gerade auf Tourney Und ich war in Frankfurt und die Show war zu Ende und wir gingen wieder in unseren Tourbus.
00:21:42: und er sagt das Julien unsere Freundin Hast du schon gehört?
00:21:48: Die Mauer ist crumbling down Und wir so, nee das glaube ich nicht.
00:21:53: Weil wir haben ja jahrelang davon geträumt alle gemeinsam.
00:21:57: es war ja ein Gemeinschaftstraum und dann haben auch die Tournee gleich umgestellt und sind da wohin gefahren wo's so einen Celebrierungskonzert gab mit lauter internationalen und nationalen Künstlern.
00:22:11: Ich glaub da hab' ich sogar das Ave Maria getrellert!
00:22:16: Und viele kennen dich für das Unionlied.
00:22:19: Bist du selber Unionfan?
00:22:20: Ja, natürlich!
00:22:21: Weil mein Vater, mein geliebter Ansagen... Die haben mich gefragt ob ich die Stadium-Hömende im Studio einsinge und da habe ich nicht lange nachgedacht und sofort gesagt aber hallo natürlich keine Frage.
00:22:38: Mein Papa war der größte Eisernunion Fan den es gab, den ich kannte.
00:22:43: Gibt es irgendwas was Du bereust in deinem Leben?
00:22:46: Naja, das ist zwischen mir und meinem Schöpfer.
00:22:49: Das habe ich ihm alles schon gesagt!
00:22:52: Und mich dafür entschuldigt... Ich bin im Reinen mit Gott.
00:22:56: Wie ist
00:22:56: das wenn du nimmst dir Kritik oft zu Herzen?
00:22:58: So gerade im heutigen Internet-Zeitalter?
00:23:00: also weil wenn man...
00:23:02: Nein tu' ich nicht.
00:23:03: Das is ne Krankheit, wenn Menschen hassen.
00:23:06: Und die kann man nur durch Liebe heilen.
00:23:09: Liebe, liebe, liebe.
00:23:11: Mit Gott über Gott, mit den Engeln, über die Engel.
00:23:14: Ever a man, halleluja!
00:23:19: Also es gibt ja deine neue Single.
00:23:21: Everybody wanna go to heaven.
00:23:22: Ich möchte in den Himmel.
00:23:23: Bloß hab kein Bock auf ein Tod.
00:23:25: Du hast vorhin schon angedeutet Eigentlich kannst du's kaum abwarten.
00:23:30: Eigentlich freu ich mich schon richtig riesig Auf die ewige Heimat.
00:23:34: Ich habe noch eine Frage.
00:23:36: Letzte Frage Was willst du noch erreichen?
00:23:38: Du...ich will gar nicht.
00:23:40: Ich will einfach nur versuchen Mein Bestes mit meiner Arbeit, um meine Musik und den Filmen an dem wir jetzt noch arbeiten.
00:23:49: Die Menschen dazu zu inspirieren sich von nix und niemanden ihre Daseinsfreude klauen zu lassen.
00:23:55: Vielen vielen vielen Dank!
00:23:56: Okay
00:23:56: gerne!
00:23:57: Was für ein Rett?
00:23:59: Und ja vielleicht haben wir nicht jede Station ihres Lebens komplett durchdrungen aber genau das passt ja auch irgendwie zu Nina Hagen.
00:24:06: nie ganz greifbar, nie ganz fertig erzählt und trotzdem super spannend.
00:24:11: Ja und in der nächsten Folge wird's sehr persönlich.
00:24:14: Ich habe mit meinem eigenen Papa gesprochen kurz bevor es tatsächlich zu spät ist, denn er ist in Paliativpflege und hat wirklich kaum noch Zeit sein durchaus bewegtes Leben festzuhalten.
00:24:26: Wir hören uns beim nächsten Mal wieder.
00:24:27: ich bin Matti Geier.
00:24:28: vielen Dank fürs
00:24:36: Zuhören!
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