Kuba, DDR, Berlin: Wie Teresa Casanueva Teil der East Side Gallery wurde | Was für ein Leben - Folge 12

Shownotes

Eine Biografie zwischen Revolution, Kunst und überwundenen Grenzen Manche Lebenswege verlaufen zwischen Welten – politisch, geografisch und künstlerisch. Der von Teresa Casanueva ist ein solcher.

1963 in Kuba geboren, wächst sie in einem kommunistischen System auf, das ihr Denken und ihre Perspektiven früh prägt. In den 1980er-Jahren führt sie ihr Weg in die DDR, wo sie Kunst studiert – eine Zeit, die ihren Blick auf Gesellschaft und künstlerischen Ausdruck nachhaltig verändert. Dann kommt der Umbruch. Mit dem Fall der Berliner Mauer eröffnet sich ein neuer Raum – auch für ihre Kunst. Teresa Casanueva wird Teil eines einzigartigen Projekts: der East Side Gallery. Dort entsteht eines der bekanntesten Werke auf dem längsten erhaltenen Stück der Berliner Mauer. Ihr Wandbild kommt ohne Titel aus. Es zeigt parallele Linien, die sich verzweigen wie Äste – ein Motiv, das für sie das Überwinden von Grenzen symbolisiert: zwischen Ländern, Zeiten und Lebensrealitäten. Heute gehen jedes Jahr Millionen Menschen daran vorbei.

In dieser Folge spricht Matti Geyer mit Teresa Casanueva über ihre Kindheit in Kuba, ihr Studium in der DDR und ihren Weg als Künstlerin in Berlin – und darüber, welche Rolle Kunst in einer sich ständig verändernden Welt spielen kann.

Habt ihr eine Geschichte für uns? Kennt ihr jemanden, der oder die ein außergewöhnliches Leben geführt hat?

Eine Geschichte, die man einfach hören muss? Dann schreibt uns an matti.geyer@fluxfm.de

– vielleicht wird genau daraus eine der nächsten Folgen von "Was für ein Leben".

Zum Host des Podcasts: Matti Geyer arbeitet als Redakteur beim Berliner Radiosender FluxFM. Speziell durch seine Arbeit als Stadtführer von toursofberlin bringt er Expertise in Sachen Historie ins Programm ein.

Transkript anzeigen

00:00:02:

00:00:08: Manche Lebenswege verlaufen nicht einfach von A nach B. Sie verlauchen zwischen Systemen, zwischen Ideologien und manchmal zwischen ganzen Welten.

00:00:17: Teresa Casanova ist so ein Mensch.

00:00:20: Geboren in Kuba, aufgewachsen im Sozialismus kommt sie in den Achzigern in die DDR um Kunst zu studieren mitten in einem Land, das kurz davor steht sich komplett zu verändern.

00:00:32: Und dann passiert Geschichte.

00:00:34: Nauer Feld und Theresa wird Teil eines Projekts, dass heute Millionen kennen – die Eastside Gallery!

00:00:40: Die Berliner Mauer, die zur Leinwand wurde... ...und sie malt mit.

00:00:45: Hi ich bin Matigueier und hab' mit ihr über all das gesprochen.

00:00:57: Du bist von Kuba in die DDR gezogen.

00:01:01: Erzähl uns erst mal von deinem Leben in Kuba?

00:01:03: Ja, so diese Zeit hatte ich ein ganz normales Leben.

00:01:09: Ich war in einer Kunstschule.

00:01:11: In Kuba war es ein System, wo man zusammen mit der normale Schule Kunst machen konnte.

00:01:18: Es war keine Hochschule, aber auf dem Niveau Abitur.

00:01:23: Nur parallel mit Kunst.

00:01:25: Es war Länder, aber auch alle anderen sozialistischen Länder hatten ja kulturelle Austausch.

00:01:33: Und in diesem Rahmen habe ich einen Studienplatz im Halle bekommen und so kam ich dann hierher.

00:01:42: Ach, stehe!

00:01:43: Welche Erinnerungen hast du an das kommunistische Kuh?

00:01:45: Ich meine, ich hatte deine Eltern Probleme oder ging es euch relativ gut?

00:01:50: Ja, also muss man sich vorstellen.

00:01:53: In der Sechsiger vielleicht ganz bewusst ... Sieb-Sieberjahre und Anfang der Aksiga habe ich Kuba bewusster schon als erwachsene Person erlebt.

00:02:02: Und das war natürlich ein kommunistisches Land mit allem was dazugehört.

00:02:07: Nur die Zeit generell in der Welt war anders.

00:02:11: Also die Mittel, die man heute hat Internet oder so.

00:02:14: Und von daher war vielleicht diesen Prozess zu erkennen Von Dingen, die meiner Meinung nach nicht stimmen und nicht gut sind war natürlich schwieriger das mitzubekommen.

00:02:25: Ich hatte ja schon Sachen mitbekommen, die ich seltsam fand oder nicht gut aber ich war noch nicht so weit in der Zeit zu erkennen dass es ein Problem im System ist.

00:02:36: Ich dachte das in einzelnen Menschen die irgendwie ihre Arbeit nicht richtig machen.

00:02:42: Zum Beispiel, wenn Teile der Familie das Land zu verlassen hat.

00:02:45: Das Land zu verlassen überwiegend in die USA ist ein Prozess, die seit ... ... da existiert immer.

00:02:52: Jetzt massiver, aber es hat immer existiert und da hatte ich auch Familienmitglieder, Tante Kosseings und so, die in den USA gegangen sind und viele anderen auch.

00:03:04: Und es war verboten Verbindung zu haben.

00:03:06: also wir haben von einander jahrelang überhaupt nicht gewusst.

00:03:12: Das ist natürlich ein typische Merkmal, so ein System und das man auch natürlich das Land auf keinen Fall verlassen darf also nicht reißen verboten sozusagen ist möglich.

00:03:25: ich war in dieser Kunstschule zum Beispiel und ich kann mich erinnern wenn ein Student oder Studentin das Land verlassen wollte und man hat es gewusst.

00:03:36: Dann haben die von der Leitung der Schule irgendwelche Veranstaltungen dagegen, aggressiven, wo die Leute beschimpft wurden mündlich sehr aggressiv und generell im Land zum Beispiel in der Nachbarschaft initiiert von der Regierung.

00:03:53: das ist immer initiiert vom offiziellen Zeitpunkt von der Regierung von der Partei.

00:03:57: kommunistische Partei ist richtig so klar.

00:03:59: Da wurden die Leute nicht nur beschimpft, sondern auch vielleicht mit Eier geworfen.

00:04:04: Und das sind schon Sachen, die braucht man noch nicht so viel Wissen von der Welt um zu erkennen.

00:04:12: Hier stimmt was massiv nicht.

00:04:14: Was haben deine Eltern gemacht?

00:04:16: Meine Eltern waren ganz einfache Menschen.

00:04:18: Mein Vater hat in der Gastronomie gearbeitet Und meine Mutter hat relativ, also ich war noch ein Kind und da hatte sie nicht mehr erarbeitet weil sie sich um meine Oma sich kümmern musste.

00:04:32: Und so das ist meine Herkunft eine ganz einfache Herkünfte.

00:04:36: Ja

00:04:36: und dann bist du nach Halle an der Saale gezogen.

00:04:38: wie alt warst du?

00:04:40: Als ich hier ankam, war ich ein

00:04:42: Zwanzig.

00:04:42: Was war dein erster Eindruck von Halle Andersall und der DDR?

00:04:45: Von der DDR, weil ich in Berlin schöne Fälle gelandete.

00:04:49: Also das erste Mal, dass ich geflogen bin.

00:04:53: Und natürlich komme ich in eine Gegend Europa, die eine ganz andere Geschichte ist – in jeder Hinsicht!

00:04:59: Mein erstes Eindruck war diese Fahrt sofort vom Berlin nach Halle mit dem Zug Und es war August, aber trotzdem war ein sehr grauen Tag.

00:05:12: Und wenn ich so gefahren bin und habe durch den Fenster geguckt, schien mir alles farblos, also wie ... Ich bin im Film Schwarz-Weiß.

00:05:21: Erst recht, wenn ich in Halle angekommen bin, meinte das Abfall, dass die Gebäude verfarlen

00:05:28: usw.,

00:05:29: da war ich auch gewohnt?

00:05:31: Aber trotzdem kannte ich von meiner Heimatstadt, dass die Häuser mehr oder weniger Farbe haben.

00:05:39: Also hatten gestrichen waren und in Halle war alles grau.

00:05:44: Beton!

00:05:46: Nichts gestrichene keine Farbe.

00:05:48: also so das erste Eindruck ziemlich trist.

00:05:52: Hast du gedacht oh Gott was habe ich gemacht?

00:05:55: Nicht so ganz aber mal abwarten.

00:05:57: natürlich hab ich mich nicht so einsam gefühlt weil waren schon andere da aus meinem Land.

00:06:04: Und wir haben ja zusammen gewohnt in so einem Studentenheim, der eigentlich für diese Verhältnisse war gut und dann ... Ja, war ich gut aufgehoben für die ersten Eindrücken und die ersten Tage.

00:06:15: Und an der Burg habe ich sehr schöne Erinnerungen.

00:06:18: An was?

00:06:19: An der Burg hab ich Steinburg studiert.

00:06:22: Das war ein bisschen wie eine Mikrowelt innerhalb dieser Welt draußen.

00:06:28: Und ich war sehr fixiert in diesem Studentenleben, dass sich von der Welt draußen natürlich was mitbekommen.

00:06:35: Aber wenig!

00:06:35: Also ich war nur so mit den Kommilitonen und diesen Club der Hochschule und so...

00:06:41: Und wo kam die Leute her?

00:06:42: Waren das vor allem aus der DDR oder wann?

00:06:44: Also

00:06:44: die anderen, die ich jetzt nennen waren von Kuba also auch Design vor allen Dingen studiert haben Und die anderen waren Deutsche oder auch sozialistische Länder, also Vietnam zum Beispiel, Ungarn, Bulgarien.

00:07:02: Wie war das für dich als Künstlerin dann in der DDR?

00:07:05: Konntest du dich dann frei empfalten wie du wolltest?

00:07:07: Ich geb Studien schon!

00:07:08: Also ich habe ja nichts gemerkt.

00:07:10: was hast du betrifft?

00:07:11: und natürlich die ersten Jahre vor allen Dingen das sind so Grundlagestudium von daher ist es politische Konfrontation oder so nicht da.

00:07:21: Ich fand das überraschend, aber angenehm.

00:07:24: schön, fand ich das, dass die ... Wenn Sie vergleichen haben wie weit wir als Bevölkerung in Kuba kritisch also mit einer gewissen Offenheit kritis gegenüber dem System waren, waren zumindest in meinen Kommilitonen viel weiter in der DDR.

00:07:41: Kritisch?

00:07:42: Kritisch!

00:07:44: Und bis zum einen wissenden Punkt im Vergleich was ich kannte Viel offener.

00:07:50: Das fand ich schon sehr mutig, taunlich aber auch sehr interessant natürlich.

00:07:54: Jetzt sind wir eine fünfund achtzig sechsten achzig vielleicht auch.

00:07:57: ne das war so der wechsel zu Gorbatschau.

00:07:59: Vielleicht haben die leute sich dann auch mehr getraut.

00:08:01: Ja vielleicht im vergleich mit früheren jahre hatte ich ja natürlich nicht Aber vielleicht hat es ja eine rolle gespielt.

00:08:07: spannend Wie fandest du dir ddr im vergleicht zu kuba?

00:08:10: Ja sicherlich am anfang ein bisschen meine familie vermisst und so.

00:08:17: Aber ich hab kein Heimweh, wie vielleicht andere sich das so vorstellen.

00:08:21: D.h.,

00:08:22: nicht dass ich mich vermisse oder natürlich würde ich generalmäßig dahin fliegen was ich nicht tue aber nicht diese Heimwee was mich irgendwie hindern zu denken und ganz normal zu leben.

00:08:37: Genau, und der Vergleich zwischen DDR und Kuba?

00:08:39: Ja.

00:08:40: Als zwei Länder die eigentlich das selbe System hatten und die natürlich eng zusammengearbeitet haben war die DDR besser organisiert.

00:08:50: Man weiß dass es alles dieses sozialistische Planwirtschaft ... Das war ein Fake!

00:08:56: Und das kann nicht funktionieren wie man gesehen hat.

00:08:59: aber trotzdem den Eindruck die man hatte im Alltag ist das das viel für mich Im Vergleich war viel besser als Kuba.

00:09:07: Also es gab einfach mehr Lebensmittel, mit keinem ... War nicht rationalisiert.

00:09:15: Ich vergleiche jetzt, weil in Kuba alles rationalisiert ist.

00:09:19: Die Verkehrsmittel, die ich kannte innerhalb der Stadt oder wie ich mit dem Zug gefahren bin, funktionierte für meine Verhältnisse gut.

00:09:27: Also war ich nur ansteunend sozusagen.

00:09:30: In Kuba gabs wahrscheinlich mehr Bananen als in der DDR?

00:09:34: Ja, also die wachsen ja dort.

00:09:37: Und obwohl Kuba permanent bis heute und heute ist schon eine Situation der wirklich jenseits von gutem Wörter ist aber trotzdem war immer verbunden mit Mangeln.

00:09:48: Es gibt nicht viel selbst von den Sachen die dort wachsen Aber natürlich gab es Bananen und vor allen Dingen mein Vater hat in einem Haus gelebt wo er seine eigenen Bananen, Bäume hatte und also ich konnte immer bananen essen.

00:10:06: Hattest du je mit fremden Feindlichkeit zu tun?

00:10:08: Vor oder nach der Wende?

00:10:11: Direkt vor der Winde nein.

00:10:15: Aber wie gesagt, ich habe mich sehr in so einem engen Kreis, so eine Blasse bewegt ja.

00:10:21: Nach der Wände habe ich einmal im Halle Eine Situation erlebt, wo doch eine Gruppe von Recheradikalen ... Aber sich war Recheradi Kalinga in voller Montur.

00:10:34: Hoptisch schon!

00:10:36: Denn alle waren runtergekommen und die haben schon zum Beispiel in einem Laden von Bienamessen.

00:10:43: Und da war es schon ... Ich bin ja weg, ich war weg.

00:10:47: Aber das habe ich erlebt.

00:10:49: Und einmal bin ich mit einem Freund durch Halle gelaufen am Abend.

00:10:54: Am Abend war's schon ... Vielleicht war nicht so spät, aber am Abend in so einer Stadt war schon kaum jemand auf die Straße.

00:11:01: Und wir singen einfach nur durch die Strasse gelaufen.

00:11:03: Er ist auch Kubaner und wir haben uns auf Spanisch unterhalten.

00:11:07: Und dann kamen zwei drei Typen also haben ihm geschlagen mich nicht nur bei Schimpf Aber eben haben sie geschlafen.

00:11:14: er kam dann raus mit der blaue Augen.

00:11:16: Ja das war nach der Wende?

00:11:18: Das waren aus der Wendel.

00:11:18: ja

00:11:19: Wie hast du denn die Wände erlebt überhaupt?

00:11:21: Also genau als was passiert ist weil ich war ich in Kuba Urlaub Da durften wir nur alle zwei Jahre nach Hause, und war ich dran.

00:11:31: Nur als ich hier gefahren bin, da waren noch keine Wände.

00:11:35: Das habe ich erfahre in Kuba im Fernseher.

00:11:39: Aber als eine Randnotize ... Also ich hab das durch Zufall mitbekommen im Fernsehen, das wurde nicht so hochgetragen sozusagen weil das war natürlich überhaupt nicht in dem Sinn der Regierung.

00:11:50: Na klar!

00:11:50: Da war eher ein trauriger Angelegenheit für die Regierung.

00:11:54: Und als ich das gehört habe, dachte ich Oh Gott!

00:11:57: Ich komme hier nicht mehr raus.

00:11:59: Weil ich war noch nie fertig mit meinen Studienjahren.

00:12:01: Ich war in den vierten Studienjahr also achte Semester, würde man sagen so.

00:12:06: Aber ich konnte herausstaunlicherweise weil die reagieren einfach langsam und man kann manchmal davon profitieren.

00:12:13: Also war ein Glück.

00:12:14: Weil ausnahmensweise bin ich länger geblieben.

00:12:17: Ich hätte das schon längt zurück gewesen aber wegen einer familiären Angelegenheit bin ich nicht länger gebleiben.

00:12:24: Letztendlich konnte ich raus und kam mich zurück.

00:12:26: Aber dann hat sich die grünen Regierungen natürlich gemeldet.

00:12:30: Ja, ein Monat später ... Ich kann mich nicht mehr erinnern, waren vielleicht März, im Jahr oder Jahrhunderten haben sie sich bei uns alle die Studierende und die Parteien gemeldeten.

00:12:45: Und haben gesagt wir müssen zurück weil das Land ist ja kapitalistisch und so.

00:12:51: also diese übliche Argumentation.

00:12:56: Und dann stand ich da, ja, muss sich eine Entscheidung treffen.

00:13:00: Wenn ich nicht zurückfahre war natürlich klar das Konsequenzen hat.

00:13:05: Repressalien, das ist immer so...

00:13:07: Für deine Familie oder?

00:13:08: Für mich für meine Familie und ich bin hier geblieben.

00:13:13: Die haben aber sogar, haben sie sich getroffen mit meiner Familie.

00:13:16: Und haben versucht, dass meine Eltern mich beeinflussen, dass ich zurückfahre.

00:13:22: Auch Freunde haben die ... Versuchst du beinflussen?

00:13:25: Also, die haben mir gesagt okay, du kannst nie wieder nach Koga.

00:13:29: Natürlich ist es nie wieder als subjetiv.

00:13:32: Erst einmal weiß man nicht in der Realität wie lange das ... Ja.

00:13:37: Inwie lang ist sich das übersetzt?

00:13:39: Aber in dem Moment ist es nie wieder ... Kann man schon vermuten, das ist lange Zeit jetzt.

00:13:45: Ich werde meine Familie nicht sehen.

00:13:47: und dachten die auch, wenn ich mir das anders überlege und später doch zurückfliege dann wird mein Studium, auch wenn ich das fertig mache, nicht anerkannt.

00:13:56: natürlich völlig sinnlos weil die haben teilweise diese Studien bezahlt.

00:13:59: ja aber so geht ein System total absurd.

00:14:03: Aber jedenfalls bin ich hier geblieben und habe mein Studiums zu Ende gebracht

00:14:07: Weil du dann hier mehr eine Zukunft für dich gesehen hast als... Ja,

00:14:13: natürlich.

00:14:14: Die Wende war kaum da aber da habe ich schon gespürt.

00:14:18: vielleicht passe ich hier besser rein.

00:14:20: Und deine Eltern?

00:14:21: Was haben die gesagt?

00:14:22: Meine Eltern haben mich unterstützt und der war natürlich schmerzhaft in dieser Situation.

00:14:25: sie wissen nicht wann Sie mich wieder sehen aber trotzdem.

00:14:30: Wie

00:14:30: lange habt ihr euch nicht gesehen?

00:14:32: Dann letztendlich das war... Bin ich doch nach Kua gefahren?

00:14:39: Weil ... Die natürlich, die kassieren die Pässe ist klar.

00:14:43: Ich hatte ja keinen Pass und so.

00:14:44: Das muss man immer in der Botschaft lassen.

00:14:46: Aber dann durch den Mauerfall und also diesen sozialistischen System praktisch verschwunden war ging Kua rapide wirtschaftlich schlechter aber massiv schlechter Und ich denke, das war weniger Überzeugung von dem als die brauchen das Geld von den Leuten im Ausland.

00:15:09: Das ist natürlich ein Phänomen, der in anderen Ländern auch gibt aber in Kuba auch und ich denke sie haben dann gesagt ja du um die Anderen auch.

00:15:18: Ich war ja nicht nur alleine ich davon betroffen er darf jetzt aber natürlich der Interesse war die Dollars die man mitnimmt.

00:15:24: Ja

00:15:25: und dann gab es auch keine Probleme dann wieder rauszulegen?

00:15:27: Nein war keine Probleme.

00:15:29: Man ist überwacht Man kann davon ausgehen natürlich.

00:15:34: Aber dann bin ich immer regelmäßig, also wenn ich konnte die jedes Jahr im Monat oder so nach Kohl geflogen.

00:15:41: Und deine Eltern sind jemals hergekommen?

00:15:44: Meine Mutter war mal hier und meine Schwester auch.

00:15:46: Ja okay.

00:15:47: Wie kamst du dazu, die Eastside Gallery mit zu bemalen?

00:15:51: Da war ich im Studium in

00:15:53: Halle noch

00:15:54: Und meine Professorin von meinem Studium hat sie das erfahren und hat uns das weitergegeben, die Studierende.

00:16:03: Und dann habe ich gedacht, ja, das mache ich schön!

00:16:06: Und da habe ich Herrn Schkitze geschickt und die Kriterien waren ganz locker.

00:16:11: Da waren keine Hochtragen der künstliche Kriterie oder so.

00:16:14: Das war nur einfach dieses Stück Mauer in Form vom Feiern wegen... Die Mauer ist weg usw.

00:16:24: Und dann haben die Leute das organisiert, haben ja gesagt.

00:16:28: Dann habe ich gemalt.

00:16:29: Also du hast deine Skizze und

00:16:31: die Idee geschickt?

00:16:33: Nein, ich schickte sie schon im Maßstab.

00:16:34: Ich fuß sie ja so in Segment von der Mauer wie hoch, wie breit und so... ...und dann hab' ich so ein Maßstap geschickt.. ..und dann konnten die ganz genau wissen, ah gut!

00:16:43: Dann kriegst du fünf Segment oder sechs.

00:16:45: Deswegen sind die Bilder auch unterschiedlich groß weil jeder hat anders klar.

00:16:51: Nach dem Mauerfall, passierte in Berlin etwas Einmaliges.

00:16:55: Nur wenige Monate später verwandeln Künstler aus aller Welt ein Stück der ehemaligen Grenze in die längste Open-Air-Galerie der Welt.

00:17:02: – Die Idee?

00:17:03: Die Mauer nicht einfach abreißen sondern sie erzählen lassen!

00:17:07: Ab Frühjahr, da entstehen über hundert Gemälde entlang der Mühlenstraße Bilder über Freiheit, Hoffnung, Angst und Unsicherheit einer neuen Zeit.

00:17:17: Am XXIII.

00:17:18: September, die Eastside Gallery wird offiziell eröffnet.

00:17:23: Diese Kunst bewahrt die Mauer, die auch hier eigentlich abgerissen werden sollte.

00:17:27: Rausgerechnet das Symbol der Teilung wird zum Ort der Erinnerung.

00:17:32: Beschreib mal Dein Bild an der Eastside gallery!

00:17:34: Es ist in der Art wie ich natürlich so diese Zeit gearbeitet habe.

00:17:37: Meine Arbeit hat sich sehr verändert.

00:17:40: Das sind organische Formen.

00:17:42: Ich habe sehr abstrak gearbeitet heute noch, aber damals war es noch deutlicher angelehnt an die Organik der Welt, die lang im unseren Körper findet oder in der Pflanzenwelt und das werden sie so wie Gelenke natürlich in dem Fall ist ja so eine grünliche Farbigkeit, der sehr in Richtung Natur deutet.

00:18:07: Also gibt Elemente, die da schon den Hinweis geben an Richtung Natur und es ist wie so ein Ausschnitt von Sachen, die wachsen können und dann über die realen Grenze, die diese Mauer hat, wegstehen.

00:18:22: Kannst du noch mehr Künstler erinnern?

00:18:24: Auch vielleicht Freunde von dir, die auch an der Issa Gallery waren

00:18:27: durch ... Eine Studiankollegin hatte auch einen Filter.

00:18:31: Ansonsten die anderen habe ich in den Zusammenhang kennengelernt.

00:18:35: Dass dieses Kennenlernen war auch schwierig, weil wir haben nie zusammengemalt.

00:18:39: Das war immer ein Etabem, da hab' ich vielleicht koinzisiert mit drei oder vier anderen und das strecke ich ja über einen Kilometer und wenn der nicht gerade dann was nie so war, daneben gemalt haben, hat man sich so ein bisschen gesehen.

00:18:56: Ja!

00:18:56: Das war eher bei der Sanierung?

00:19:01: Das war eher, wo man sich mehr kennengelernt hat.

00:19:04: Er war auch vor Gestapfel.

00:19:06: Wir haben so in Etappen gemalt.

00:19:09: also ich war dran eine bestimmte Zeit aber da gab es eine große große Party am Ende und da hat man sich später also kennen gelernt.

00:19:18: Hast

00:19:18: du auch den Künstler kennengelernet mit dem berühmten Bild?

00:19:20: Mit dem Kuss?

00:19:22: Nein, nein habe ich nicht.

00:19:24: Wie lange hast du an deinem Bild gemalt?

00:19:26: Also eine Woche.

00:19:27: Und wie findest du den Status der Issa Gallery heute?

00:19:30: Ich finde es gut, dass das so als Denkmal sozusagen der andere Art behandeln wird.

00:19:37: Ich weiß gibt verschiedene Meinungen weil das ist immerhin Malerei in der Stadt draußen und wird so betrachtet wie Graffiti oder anderen Künstler die sehr individuell arbeiten natürlich.

00:19:51: aber ich denke das ist schon eine ganz andere Sache nicht nur was organisiert war sondern auch diese Geschlossenheit also dass alle, also diese Repräsentation sage ich mal so der sehr international auch ist.

00:20:04: Ja.

00:20:05: Schon einen guten Sing hat ja.

00:20:08: Hättest du damals überhaupt gedacht?

00:20:10: Dass das so lange bleibt und mal so eine riesen Touristenattraktion wird und Denkmalschutz und Graffiti-Schutz...

00:20:16: Also damals habe ich überhaupt nicht daran gedacht, dass das so lang.

00:20:19: wie lange überhaupt gedanken?

00:20:21: wie lange für wie lange geht das hier oder bleibt es hier oder überhaupt?

00:20:26: Es ist kurios, weil jedes Mal wenn ich diese Frage bekomme, merke ich, dass ich überhaupt null daran gedacht habe.

00:20:33: Also schon gar nicht das das Unterdenkmalschutz und das renoviert oder saniert wird also

00:20:39: sozusagen

00:20:40: eine Mauer die die Menschen gefangen gehalten haben um an einem Ort wo auch Leute gestorben sind die natürlich sonst der Rest sofort abgerissen wurde, weil das war ... was die Leute wollten.

00:20:58: Dass dann auch noch gepflegt wird.

00:21:00: Also sozusagen renoviert wird damit die Wilder natürlich besser halten.

00:21:05: Das ist der Grund.

00:21:06: Aber trotzdem sind so diese Dinge, die dann später passieren, die kein Mensch sich vorstellen kann vorher.

00:21:14: Diese Strecke, da ist seit Galerie existiert?

00:21:18: Weil diese Bilder sind.

00:21:19: Ansonsten werden

00:21:19: sie ja auch weg.

00:21:21: Längst erhalten wir auch ein

00:21:22: Stück.

00:21:22: Krass.

00:21:23: Und dann, wie ging es weiter bei dir?

00:21:25: Du bist nach Berlin gezogen irgendwann oder?

00:21:26: Ja

00:21:27: später für später ich glaube im Jahr zwei Tausendzehn.

00:21:29: Ja

00:21:30: und was für Kunst machst du?

00:21:32: Das ist immer schwer zu beschreiben.

00:21:35: Ich sage immer guck mal meine Webseite an.

00:21:39: Aber ich sage mal die Mittel, die ich benutze.

00:21:42: vielleicht.

00:21:43: also ich male, ich zeichne, ich mache auch Objekte in drei Dimensionen.

00:21:49: Schon in diese Richtung, also dreidimensionale Objekte mache ich Grafik, Druckgrafik und auch Animation ein bisschen.

00:21:57: Ja!

00:21:58: Und was?

00:21:59: Da muss man eigentlich besser gucken.

00:22:01: Okay, wo kann man sich das angucken?

00:22:03: Nein meine Webseite oder Instagram und meine Web-Seite ist mein Name und Instagram auch.

00:22:08: Teresa ohne H Dasa Nueva

00:22:12: Kann man es auch wirklich physisch irgendwo sehen in Berlin

00:22:15: Ab und zu mal schon, oder?

00:22:18: Man besucht mich im Atelier natürlich.

00:22:19: Der Atelier in

00:22:21: Hohenschonhausen

00:22:22: habe ich gehört, da ist ein Kunsthaus.

00:22:26: Das war damals so ein Haus wo die Stadtsicherheit drin war.

00:22:30: Und gleich gegenüber ist diese Gedenkstätte, die heute ein Museum ist.

00:22:36: Da sie gefängnis.

00:22:39: Genau, genau gegenüber!

00:22:40: Da sind heute die Künstler erinnern.

00:22:41: Das sind ganz andere Themen, das ist so wunderbar.

00:22:45: Es ist lustig dass dein künstlerisches Leben so verzahnt mit der DDR.

00:22:50: Immer wieder ohne dass ich es suche natürlich!

00:22:55: Was wünschst du dir für Berlin?

00:22:57: Für die Zukunft?

00:23:00: Natürlich bin ich Künstlerin und im Bereich der Kultur Und unabhängig von meinen persönlichen Interessen, wenn gerade immer weniger Mitteln wie noch nie so wenig für Kultur und Kunst gibt.

00:23:15: Unabhängige von meinem persönlichen interesse ich finde das für eine Gesellschaft einfach falsch.

00:23:21: Das ist absolut der falsche Weg!

00:23:23: Und das ist schade weil gerade Berlin lebt von dieser Stimmung und diesen Geist und diese kreativen Geist die Berlin hat durch die verschiedene, also nicht nur willende Kunst auch Musik, Theater alles.

00:23:41: Man merkt das schon glaube ich, dass es irgendwie weniger wird.

00:23:46: Es ist, ob die Stadt verschwindet nach und nach Und das ist sehr tragisch.

00:23:51: Und zumal zur Zeit wo die Welt ziemlich komplex ist und nicht mehr so einfach zu erfassen und so viel radikalen Gedanken gibt im Kunst, Kultur und Soziales zu weniger Mitteln zur Verfügung zu stellen.

00:24:11: Genau der falsche Weg ist nicht so klug.

00:24:13: Dann hoffen wir da sich das ändert?

00:24:15: Ich hoffe sehr!

00:24:16: Vielen Dank für den Einblick, für deinen Ausblick und vor allem für die Erinnerungen auch an dein Leben.

00:24:23: Ich danke dir ja für deine Einladung.

00:24:26: Ja wenn ihr das nächste Mal an der Issa Gallery seid schaut ungefähr in die Mitte.

00:24:30: Da seht ihr das Bild von Teresa Casanova, parallele Linien die sich verzweigen wie Äste ein leises fast poetisches Motiv über das Überwinden von Grenzen.

00:24:41: Und in der nächsten Folge geht's weiter zurück in die Geschichte – In Die Dunkelsten Tage des Zweiten Weltkriegs zur sogenannten Kesselschlacht von Halbe.

00:24:49: Arnold Mosshammer war damals zwölf Jahre alt und hat eines der größten Gemetzel der letzten Kriegswochen überlebt.

00:24:57: Heute kämpft er genau dort gegen Neonazi auf Merche!

00:25:00: Eine Geschichte über Kriegerinnerung und warum wegschauen keine Option ist.

00:25:05: Ich bin Matti Geier, und wir hören uns beim nächsten

00:25:15: Mal!

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