Wie Günther Krabbenhöft zum Berliner Kult-Opa wurde | Was für ein Leben - Folge 11

Shownotes

Eine Biografie zwischen Ausgrenzung, Selbstfindung und Berliner Clubkultur Manche Menschen werden erst spät zu dem, was sie eigentlich immer sein wollten. Günther Krabbenhöft ist einer von ihnen. Geboren 1945 in Hildesheim und aufgewachsen in einer ländlichen Gegend bei Hannover, ist seine Kindheit geprägt von Strenge und dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Schon früh gerät er in Konflikt mit sich selbst und seiner Umwelt. Mit 16 Jahren unternimmt er zwei Suizidversuche – und überlebt. Er beginnt, sich ein Leben aufzubauen: wird Koch, heiratet, wird Vater. Doch erst mit 35 findet er den Mut zu seinem Coming-out. Ein Wendepunkt. Berlin wird zu seinem Zufluchtsort. Seit 1968 lebt er in der Stadt – zunächst in Moabit, später in einer Kreuzberger WG. Über Jahrzehnte arbeitet er als Koch, engagiert sich in den 1980er-Jahren in der Sterbebegleitung von AIDS-Kranken und erlebt eine Zeit, die ihn nachhaltig prägt. Erst im höheren Alter wird er zu dem, was viele heute in ihm sehen: eine Ikone. Mit Melone, Weste und unverwechselbarem Stil wird er zum festen Bestandteil der Berliner Clubszene. Er tanzt in Clubs wie Berghain, Sisyphos oder Kater Blau – und zeigt, dass Freiheit keine Frage des Alters ist. In dieser Folge spricht Matti Geyer über das bewegte Leben von Günther Krabbenhöft – und über die Kraft, sich selbst treu zu bleiben. Habt ihr eine Geschichte für uns? Kennt ihr jemanden, der oder die ein außergewöhnliches Leben geführt hat?

Eine Geschichte, die man einfach hören muss? Dann schreibt uns an matti.geyer@fluxfm.de

– vielleicht wird genau daraus eine der nächsten Folgen von "Was für ein Leben".

Zum Host des Podcasts: Matti Geyer arbeitet als Redakteur beim Berliner Radiosender FluxFM. Speziell durch seine Arbeit als Stadtführer von toursofberlin bringt er Expertise in Sachen Historie ins Programm ein.

Transkript anzeigen

00:00:02:

00:00:08: Manche Menschen fallen auf, so wie mein heutiger Interviewgast.

00:00:12: Bei ihm reicht wirklich ein Blick.

00:00:13: Melone Weste super schick angezogen und irgendwo tanzend im Berghain Sisyphos oder Carter Blau Günther Krabenhöft Viele nennen ihn den coolsten Opa Belize.

00:00:25: Aber das ist eigentlich viel zu kurz gegriffen Denn hinter diesem Stil steckt ein Leben dass alles andere als leicht

00:00:31: war

00:00:31: Ein Leben zwischen Ablehnung, Selbstzweifeln und dem langen Weg einfach man selbst zu sein.

00:00:38: Ich bin Matti Geier und ich wollte wissen wie wird man mit über achtzig zur Club-Ikone?

00:00:43: Und vor allem was musste passieren damit jemand diesen Mut überhaupt entwickeln kann?

00:00:56: Wenn ich gesagt habe dass Günter Krabbenhoff zum Interview kommt Wussten viele erst mal nicht, wer das ist.

00:01:00: Aber wenn ich gesagt habe es ist der ältere Herr, der immer so gut gesteilt ist, dann wusste man alle diese Schublade magst du eigentlich gar nicht.

00:01:07: Ich begreife das auch immer nicht nur weil man irgendwie aus der Komfortzone des Massengeschmacks rausgeht oder so.

00:01:14: die Jüngeren denken dann immer oh Gott wo sind er übrig geblieben?

00:01:19: Ja ich weiß es nicht aber Mode interessiert mich nicht oder wer was anzieht.

00:01:23: Weil das hasse ich eigentlich alles, was so eine Veranstaltung ist wo Massen irgendwie so sind ob Kleidung oder Veranstaltungen naja bis auf die Clubs.

00:01:34: da sind dann auch viele Leute und dass kann ich denn noch ganz gut ab dann in der Samasse allen zu tauchen sich diesem btn zu geben?

00:01:44: ja Ich

00:01:45: spreche mir auch gleich drüber.

00:01:46: Ich würde ganz vorne anfangen, erstmal!

00:01:48: Du bist auf dem Land groß geworden, und du hast kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aufgewachsen.

00:01:53: Inwiefern hat das noch deine Familie?

00:01:55: Deine Eltern geprägt?

00:01:57: Naja, weil wenn ich heute zurückschaue... Weil verstehen tut man ja, dass Leben eh immer rückwirkend ist.

00:02:06: Man lebt vorwärts.

00:02:07: aber das war so irgendwie.

00:02:09: die Leute waren, damit beschäftigt auch meine Eltern sich eine Existenz aufzubauen.

00:02:15: Irgendwie das zu vergessen ich wusste ja als Jugendlicher oder als Kind nicht viel davon.

00:02:21: Ich wusste dass irgendwie ein Krieg war aber das war so ein abstraktes... Das war geprägt die Zeit im Halt von irgendwie sich wieder neu verschaffen und mit einiger Normalität sich so einen Leben aufzubauern.

00:02:38: Du hast mal gesagt, du konntest in den Augen deiner Eltern nicht so viel richtig oder gut genug machen.

00:02:43: Die waren sehr streng.

00:02:44: Wie kam das?

00:02:45: Ja es war geprägt.

00:02:47: Es war sicherlich nicht in allen Familien so aber es war durchaus zu der Zeit ein normales Mittel um Kinder zu erziehen also... Irgendwie war dann schon immer ganz schnell so eine körperliche Zichtstimmung.

00:03:01: Das ist heute kaum vorstellbar, dass auch noch der Lehrer die er mit dem Stock über die Finger für manche mag das zu kriegen und oh Gott aus welchem Jahrhundert kommt er denn?

00:03:13: Und aber ich habe schon damals gemerkt ... irgendwie klein halten sollen, dass mich das disziplinieren soll.

00:03:21: Auch die Eltern haben auch mit Drogen uns erzogen und ich war jedenfalls nicht dieser wilde junge böse Bube der alle herausgefordert hat oder so um dann ja auch alle in Angst und Strecken zu versetzen.

00:03:37: und dann wurde ich beschlagen nein ich fand ich war eigentlich ein Kind was still war und in sich gekehrt.

00:03:45: Und durch diese Erziehungsmethoden habe ich mich noch weiter zurückgezogen, ja.

00:03:49: Also klingt erst mal nicht nach der Finsten.

00:03:52: Aber das Gegenstück war eben und das muss ich sagen dass das klingt vielleicht dann wirklich auch wie furchtbar.

00:03:57: aber Ich habe mir meine eigene Welt geschaffen.

00:04:00: Es war also dann wenn ich meine Sachen erledigt hatte Schule und so war ich frei.

00:04:05: Ich bin dann in die Natur gegangen und habe dort Ja so meine Orte gefunden wo ich so sein konnte, wie ich mich fühlte und das hat mir immer geholfen dass sich in meine eigene Welt eingetaucht bin.

00:04:20: Aber mit sechzehn hast du zweimal versucht dich umzubringen?

00:04:23: Ja

00:04:24: ja es hat mich auch immer begleitet diese Verzweiflung.

00:04:28: Ich wusste sie auch nicht zu benennen.

00:04:31: Ich war nur so angefüllt mit einer Traurigkeit und diesem Gefühl ich gehöre nirgends wohin.

00:04:37: Es ist kein Platz auf dieser Welt.

00:04:39: Und da ich so auf dem Land war, es gab auch keine Menschen um mich herum die mir irgendwie ein Vorbild sein konnten oder denen ich mich anvertrauen konnte zu der Zeit noch nicht und das war schon schwierig.

00:04:52: Ich fühlte mich also wirklich allein.

00:04:55: Ich kannte niemanden der auch nur annähernd in einer ähnlichen Situation war wo man sich hätte als Kind mal oder Jugendlicher austauschen können.

00:05:06: später wurde das dann anders.

00:05:07: ja

00:05:09: Wie haben deine Eltern darauf reagiert?

00:05:11: Ja, die wussten immer gar nicht wovon ich redete oder was ich fühlte.

00:05:16: Ich war... Ich passte einfach auch nicht so in die Zeit.

00:05:18: Ich hab ja noch drei Geschwister gehabt und ich war eben halt da der etwas zart beseitete und der etwas in sich gekehrte Und passte wahrscheinlich auch nicht richtig in dieses Bild als Draufgänger in diese Zeit.

00:05:34: Spielt er Sexualität, Homosexualität schon eine Rolle?

00:05:37: Da war das noch nicht.

00:05:38: Nein, da war das irgendwie kein Thema.

00:05:42: Es gab ja auch überhaupt nicht irgendwelche Vorbilder oder so was...

00:05:46: Aber

00:05:48: später war das ja immer so, ich hab auch gedacht wenn man in so einer Umgebung aufwächst wo alles normal ist.

00:05:55: Irgendwie macht man Job nachher und findet nach eine Frau und dann heiratet man und kriegt Familie.

00:06:02: da fragt man ja nicht jedenfalls ich nicht zu dieser Zeit.

00:06:06: irgendwie ist das sein Modell für mich oder habe.

00:06:09: ist meine Sehnsucht irgendwie anders oder wie geht woanders hin.

00:06:13: Wenn ich heute darauf gucke, dann denke ich mir ob mich das eigentlich so stark geprägt hat dass sich irgendwie gar nicht danach gefragt habe oder mir gar nicht vorstellen konnte ob es was anderes gibt.

00:06:25: und deshalb war das immer meine sehnsuch wollte auch Familie haben vielleicht auch daraus aus meiner eigenen Situation in der ich mich befand und wollte das anders machen und wollte glücklich ... nach Leben in Familie oder so.

00:06:39: Und wie hast du es aber dann geschafft, von diesen Gedanken wegzukommen?

00:06:42: Oder haben die dich begleitet?

00:06:43: Das ist ein langer Weg gewesen!

00:06:48: Eigentlich bin ich heute irgendwie in den letzten Jahrzehnt eigentlich da angekommen wo ich sage genau so ist das richtig.

00:06:56: genauso bin ich.

00:06:57: genau da bin ich angekommen und es fühlt sich gut und rund an und ich könnte die Welt umarmen Das Rückblicken zu sehen, was für ein langer Weg das war mit dieser Verzweiflung und mit diesen Scheitern.

00:07:13: Und auch mit dem Erfolgen mich zu trauen ich selber zu sein und mit meinen Gefühlen und mit meinem Gedanken und zu sagen genau dass ist richtig das sind deine Gedanken das gehört zu dir Und dieses Leben ist dein eigenes Leben, was nicht geprägt ist von Erwartungen von anderen.

00:07:32: Von der Familie und von der Umwelt oder von der Gesellschaft.

00:07:36: Wow!

00:07:36: In den letzten zehn Jahren erst?

00:07:38: Na ja wo ich sage jetzt stimmt das.

00:07:41: Wenn man heute durch Berlin läuft wirkt vieles selbstverständlich.

00:07:44: Clubs, queere Sichtbarkeit Pride, aber das war lange natürlich ganz anders.

00:07:50: In Westdeutschland wurden homosexuelle Männer noch bis in die sechziger und siebziger Jahre verfolgt.

00:07:55: Es gab über fünfzigtausend Verurteilungen nach Paragrafhundertfünfundsiebzig Ein Gesetz, dass aus der NS-Zeit übernommen wurde Und noch Jahrzehnte weiter wirkte.

00:08:05: Erst neunzentneunundsechzig wurde Homosexualität überhaupt straffrei Und selbst danach blieb sie stigmatisiert.

00:08:12: In der DDR sah es zwar auf dem Papier früher Liberale aus, Homosexualität wurde schrittweise endkriminalisiert spätestens Ende der Achtziger komplett aber gesellschaftlich akzeptiert war sie auch dort lange nicht.

00:08:24: das bedeutet wer wie Günther Krabbenhöft in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern zu sich selbst stehen wollte brauchte vor allem eins sehr viel Mut.

00:08:33: Du bist dann erstmal Koch geworden.

00:08:35: Aber auch das ist so ein Teil von, was die Eltern bestimmt haben.

00:08:39: Ich hatte die Vorstellung, ich wollte Designer werden, weil wenn ich mich zurückgezogen habe, hab ich Beleuchtungskörper-Lampendesigner.

00:08:46: Da hab ich meinen Eltern gesagt als es hieß, ich war fünfzehn, dann war die Schule vorbei und musste auf dem Land einen Beruf ergreifen.

00:08:56: Es gab keine weiterführenden Schulen oder weiß ich ... Dann waren die Kinder da in unserem kleinen Seelenhof.

00:09:03: Heute ist das ja alles anders, aber zu der Zeit irgendwie was willst du werden?

00:09:07: und dann viel mehr sowas ein.

00:09:09: oder ich wollte mit Kindern arbeiten Kindergarten.

00:09:13: Was ist denn das?

00:09:13: Das machen nur Frauen und das ist überhaupt kein Männerberuf und Designer hat man glaube ich das Wort noch gar nicht gehört oder so.

00:09:20: Und da haben sie gesagt wir haben einen Job für... Und dann muss man davon ausgehen, ich war eben halt kein rebellischer Junge.

00:09:27: Ich habe das dann gemacht letztendlich weil ich auch nicht so diese Kraft hatte irgendwie zu wehren oder irgendwas dagegenzuhalten.

00:09:37: Weil ich war ja so mit mir beschäftigt mich zu finden.

00:09:40: Das hat meine ganze Aufmerksamkeit und Kraft gefunden.

00:09:44: aber irgendwann kam der Tag wo ich mich aufgelennt habe.

00:09:48: Meinem Vater ging über.

00:09:49: Ich werde das nie vergessen hier, wenn ich die Augen zu machen, dann merke ich immer noch wie meine Knie gezittert haben und wie aufgeregt ich war Und ich gesagt habe Das mache ich nicht.

00:10:01: auch Wenn du das sagst oder wenn du mich tot schlägst.

00:10:03: das hab ich gesagt und Dann habe ich festgestellt es ist gar nichts passiert an irgendwie als reaktion Vom vater und dass war auch so ein Schlüsselerlebnis irgendwie mich zu wehren, zu widersprechen.

00:10:20: Ich greife jetzt schon ein bisschen vor.

00:10:21: aber hast du dann deinen Eltern sagen können oder dein Coming Out quasi vor deinen Eltern haben können?

00:10:27: Mein Vater ist vorher gestorben.

00:10:29: ich habe ja dann geheiratet war zehn Jahre verheiratelt drei und und bin mit allen dreißig, wie nicht dann geschieden worden.

00:10:37: Und da lebte mein Vater nicht mehr ... Nein, ich habe der Familie das zu dem Zeitpunkt nicht gesagt.

00:10:44: Aber ich habe nicht heimlich gelebt.

00:10:46: Ich bin später mit meinem Freund zu den Eltern gefahren, wenn wir unterwegs waren.

00:10:50: Hallo?

00:10:51: Dieser Mann war immer da!

00:10:54: Aber keiner hat was gesagt.

00:10:56: Da

00:10:56: war dein Vater noch am Leben?

00:10:57: Nee, nee, der war der Vater nicht.

00:10:59: Der Vater nicht um meine Brüder und Schwester irgendwie.

00:11:02: Also ich hab nichts getan, heimlich habe aber auch nicht darüber gesprochen.

00:11:07: Ich habe also nicht versucht irgendwas fernzuhalten von dem.

00:11:11: Jeder hat das dann gewusst oder so.

00:11:13: Ja, wer nicht gerade ganz aus einem Mustopf kam.

00:11:17: Aber ich hatte auch nicht das Bedürfnis irgendwie zu sagen So und nun wisst ihr weil mein Leben war so.

00:11:23: Jetzt springen wir ein bisschen hin und her.

00:11:25: Ich hab gelesen du wurdest gemobbt in deinem Beruf als Koch da am Anfang.

00:11:30: Ja, ich würde sagen damals, glaube ich, hieß es gehänselt.

00:11:34: Man wurde immer gehänselft über sich den lustig wachen und ihn irgendwie nicht ernst zu nehmen Und ihm immer wieder sagen hey kleines Mädchen oder wer bist du?

00:11:46: Also das war schon schwierig und aber das habe Ich auch immer schwer ausgehalten.

00:11:50: heute weiß ich also ich fand mich schwach weil ich mich nicht werden konnte.

00:11:54: Heute weiß ich dass ich trotz da eigentlich starke wissen als ich Trotz dieser Situationen dargeblieben bin In diesem Fall nicht da geblieben, weil während der Arbeit bin ich auch einmal abgehauen.

00:12:04: Weil dieser Druck auf die Arbeit ... Ich bin wirklich während derarbeit abgehaut und irgendwie habe mich wie betäubt auf den Weg gemacht.

00:12:11: Ich bin gelaufen, gelaufen in Hannover bis nach Peine und irgendwann hab' ich da verzweifelt und heulend auf dem Bahnhof in Peine gesessen Und dann hat irgendeine Frau irgendwie sich um mich gekümmert gefragt, was los ist.

00:12:26: Dann wurde die Polizei gerufen und dann wurden meine Eltern benachrichtigt.

00:12:30: Und dann war wieder das, was ich schon kannte.

00:12:35: Keiner hat gefragt irgendwie, was ist mit dir los?

00:12:38: Was ist da passiert?

00:12:40: Sondern irgendwie nur dieser Stummevorwurf.

00:12:44: so du musst uns nur Sorgen machen oder denke ich immer ja heute aber

00:12:51: Ich

00:12:51: habe eigentlich immer mir gewünscht, dass die ja vielleicht sagen was hast du?

00:12:56: oder so.

00:12:56: Aber es war nicht.

00:12:58: Wenn Du sagst zurückblickend schwach?

00:13:00: Vielleicht auch weil Du Dich selber damals noch nicht gefunden hast.

00:13:03: Ja klar.

00:13:04: Das wird viel untereinander verwoben gewesen sein.

00:13:08: Jetzt haben viele durch diese TV-Serie The Bear ich weiß nicht ob Du die geguckt hast.

00:13:13: Nein.

00:13:13: Du hast ja keinen Fernseher.

00:13:15: Da geht's um Köche!

00:13:17: Und wie stressig es ist, in der Küche zu arbeiten.

00:13:19: Aber hallo!

00:13:20: Also das ist nichts für Kurknamen sowieso nicht.

00:13:22: und dass ich's glaub' ich mit Arbeit auf dem Bau zu vergleichen zum Hissen mit dem Ton, der da herrscht oder weiß ich das ja?

00:13:30: Wenn mich heute mich dran erinnere wenn die Kochsendung also natürlich ist das ein kreativer Beruf Ich mach das auch gerne letztendlich Ja auch etwas ist, was auch Menschen zusammenführt und meine Freunde.

00:13:45: Und wie schön dieses Ergebnis ist wenn ich dann Gäste einlade.

00:13:49: Welches Essen bereitest du besonders gerne zu?

00:13:51: Kalbsscheiben also mit dem Knochen.

00:13:54: da wird eine tolle Kremolata dazu gemacht also mit Knoblauch und Petersilie und Zitronen-Zesten aus dem Bukku.

00:14:03: Hast Du in Berliner Restaurants gearbeitet die es noch gibt die man kennt?

00:14:07: Nein.

00:14:07: Nachher, nach der Trennung bin ich nicht mehr so in den Hotels gewesen weil meine Tochter hat bei mir gelebt also sie konnte sich immer bewegen zwischen Mutter und Dings.

00:14:17: aber der Lebensmittelpunkt war dann beim Papa und ich habe mir einen Job gesucht der mir ein bisschen mehr Freiheit gibt wo ich nicht abends oder nachts arbeiten musste.

00:14:27: was war es?

00:14:29: Und das war...nach zum Schluss habe ich gekocht für die Ballettleute und Sänger und Mitarbeiter der Komischen Europa.

00:14:38: Ich frage mich, war dir nicht bewusst dass du auf meiner stehst oder hast das verdrängt?

00:14:43: Ich habe immer auch mal mit meiner Frau gesprochen.

00:14:45: ich sage sag mal irgendwie hast Du irgendwas vermisst?

00:14:49: hast Du irgendetwas an mir festgestellt?

00:14:51: wie war unser Sexleben und so?

00:14:54: und ich weiß nur dass wir das schon heiß getrieben haben und deshalb war.

00:14:59: Ich weiß, es gibt viele Varianten.

00:15:01: Es gibt Leute die das von Anfang an wissen und irgendwie dann trotzdem heiraten und da unglücklich sind oder so kann ich nicht sagen.

00:15:09: Ich habe danach auch noch lange mich dagegen gewährt in der Feststellung dass sich darum gemacht habe, dass ich irgendwie sage hey das funktioniert, also ich hab ein paar lockere Beziehungen gehabt bis ich mir das irgendwann doch eingestehen musste, dass es so ist wie's ist.

00:15:28: Und wie war dann der Prozess dahin und in dieser Ehe?

00:15:33: Ja, das war wirklich wenn ich darüber spreche.

00:15:36: Das hat uns natürlich allen dem Boden unter den Füßen weggehauen weil das war irgendwie auch für mich eine Katastrophe und für die Familie meine Frau sowieso und Ich kann immer nur dem Herrgott danken oder dem Himmel danken Oder wem auch immer irgendwie.

00:15:55: oder nein Es ist Quatsch meiner Frau, dass sie das wirklich ... Dass sie mich eher noch unterstützt hat und mich auch getragen hat in dieser Verzweiflung.

00:16:06: Ihr seid

00:16:06: im Kontakt geblieben?

00:16:07: Ja!

00:16:09: Wir haben ja dann auch Enkelkinder mit denen verreist.

00:16:12: Und meine Ex-Frau wird nachher mit, ist auch in unserer Ohn-WG mit.

00:16:20: Also wir sind immer verbunden.

00:16:23: Aber deine Tochter, wie hat die denn damals reagiert?

00:16:25: Weißt du es noch?

00:16:25: Ja doch!

00:16:26: Das ist ja das tolle dass die Kinder, die so dann betroffen sind, die war wirklich die dolste irgendwie Befürworterin und Kämpferin gegen Schwulenmobbing oder weiß ich was... Die Jungs, die Probleme mit hatten, die flogen aus ihrem Freundeskreis raus oder die hat sie zur Brust genommen und das war für sie so normal.

00:16:48: Und als ich glaube ich das erste mal meinen Freund mit nach Hause gebracht hat und er da übernachtet hat, dann stand sie da morgens vor vom Schlafzimmer in der Schlafzehmertür und sagte hey das ist mein Vater ja letztendlich.

00:17:02: Und du musst mich fragen ob ihr da liegen darf so.

00:17:05: Das fand ich schon wunderbar dass meine Familie so reagiert hat.

00:17:13: Wann bist Du nach Berlin gekommen?

00:17:18: Naja, diese Möglichkeiten.

00:17:20: Du musst bedenken.

00:17:21: also ich komme vom lande.

00:17:23: Ich hatte mich beworben auf der hamburg amerika linie.

00:17:26: ich wollte irgendwie schippern als schiffskoch von hamburg nach new york und die besetzung der stellen war aber schon geschehen Und die haben meine bewerbung dabei halt nicht hatte noch ein halbes jahr zeit um musste die überbrücken und dann bin ich nach berlin gegangen.

00:17:42: und ja da bin ich dann Abgetaucht in dieses Leben, Berlin.

00:17:49: Man hat auch da vom Land ab und zu mal was gehört weil ich hatte eine Tante die aus Berlin uns ab und zu besucht hat auf dem Dorf.

00:17:57: Und das fand ich schon immer toll, habe ich da gesessen wenn die kamen, die hatte rot lagierte Fingernägel, Lippenstift was sich so aus vom Lande von den Frauen gar nicht kannte und so.

00:18:07: Ich hab die immer irgendwie angestarrt wie eine Person von einem anderen Stern weil sie war so elegant und rauchte und all das was man eigentlich so zur Zeit nicht gemacht hat.

00:18:19: um bei der Tante Röschen.

00:18:21: Da durfte ich dann die erste Zeit unterkommen.

00:18:25: Wo war das in Berlin?

00:18:26: In Berlin im Wedding, in der Toffstraße?

00:18:30: Und bist du damals schon öfter in Clubs gegangen?

00:18:32: Nein da war noch ein ganz anderes Leben.

00:18:35: ja Als ich meine Frau da kennengelernt habe, wir waren so beide wie Rettungsringe füreinander.

00:18:44: Wir haben uns getroffen und das hat so gefunkt.

00:18:47: Und wir kamen beide aus schwierigen Verhältnissen und haben unser Leben.

00:18:53: Meine Frau war auch längere Zeit im Heim gewesen.

00:18:57: Und dann haben wir uns gegenseitig unterstützt.

00:19:01: Hauptschule nachgemacht, hat die mittlere Reife nach gemacht und hat dann an zu studieren gefangen.

00:19:06: Wir haben also gemerkt welche Potenziale eigentlich wir hatten, die irgendwie nie so zum Tragen kamen oder die, die wir gar nicht wussten.

00:19:16: dass wir das alles in uns haben und wir haben ja uns auch mit Kleidung ausgeduckt war eine wilde Zeit.

00:19:25: Gott sei Dank gab es noch nicht das Smartphone wo man von jedem und allem ein Foto gemacht hat.

00:19:31: Also ich habe sicherlich manchmal auch daneben gelegen, aber ich fand das toll zu experimentieren.

00:19:38: Aber heute weiß ich dass das alles auf der Suche war nach so einer Stimmigkeit zu meiner Person.

00:19:45: irgendwie gehörte die Kleidung dazu und ich sage heute auch immer noch Kleidungen ist für mich der Rahmen einer Persönlichkeit.

00:19:54: Und wenn einer sagt, es geht mir so am Hintern vorbei.

00:20:00: Aber ob er's will oder nicht, schickt ja eine Botschaft nach draußen wie auch immer die aussieht.

00:20:06: aber ne Botschaft ist immer!

00:20:08: Wie muss man sich dich vorstellen in den Siebzigern oder Ende der Sechziger in Berlin?

00:20:12: Elegant oder eher?

00:20:13: Nein, da war ich anders.

00:20:14: Ich hab experimentiert.

00:20:15: Ich habe alte Ovarals an Zogen.

00:20:18: Ich weiß noch, ich hatte so einen von der Lufthansa irgendwie so weiten ... Oder aus Fallschirmseide diese Monteuranzüge.

00:20:26: Also immer mein eigenes Ding gemacht und es gab am HLM See den ersten FKK-Strand.

00:20:33: Da sind manchmal, glaube ich, Touristenbrüsse auch dran vorbeigefahren um diese Nacken anzugucken.

00:20:38: Und dort das fand ich auch toll.

00:20:41: gesessen und wenn man mal ein Babysitter hatte oder ich war alleine mit anderen Freunden da und haben da FKK gemacht, so mitten in der Stadt.

00:20:50: Aber ich saß dann immer da und habe also nicht immer.

00:20:53: aber ich hab oft gesessen weil ich meine Kleidung... so neu gestaltet habe.

00:20:59: Ich hatte denn so alte Herrenwesten von alten Anzügen, da hab ich dann mit dem Stickraben hinten Flamingos oder weiß ich was draufgestickt um sie dann zu tragen oder hatte so eine alte Weste aus der Pusta irgendwie aufgegabelt und habe wirklich also das wäre Passende Job gewesen, Stylist glaube ich.

00:21:20: Es hat mir so Spaß gemacht wie man mit Kleidung irgendwie sich verändern kann.

00:21:26: Man bekommt manchmal eine andere Haltung und so.

00:21:29: aber Ich fand das schon immer gut.

00:21:30: Aber ich wollte nie in der Masse mitschwimmen.

00:21:32: Ich habe immer mein eigenes Ding gemacht

00:21:35: hätte.

00:21:36: Aber ich beschäftige mich schon immer manchmal mit diesem Gedanken, was wäre wenn ... Wenn man plötzlich irgendwie einmal im Leben eine Möglichkeit hat, im Traum Räume zu begehen und Sachen zu machen die du nicht getan hast.

00:21:49: Ein verpasster Anruf, eine verpasste Verbindung wie wär dein Leben in welche Richtungen gegangen?

00:21:55: Ich finde solche Gedankenspiele immer wunderbar auch sehr kreativ.

00:21:59: Spannend!

00:22:01: Und du hast dich dann auch für HIV-Hilfsorganisationen und in der Sterbebegleitung eingesetzt, engagiert.

00:22:08: Es waren dann auch die achtziger Jahre und da war die Zeit natürlich HIV trat auf AIDS.

00:22:16: Diese Krankheit, keiner wusste irgendwie man war auch am Anfang noch unsicher ist das anstecken oder wie geht das?

00:22:22: Und weiß ich.

00:22:23: aber ich habe auch immer in meinem Leben und das kommt auch daher weil ich selber so das Gefühl hatte immer Ich stehe draußen vor ich hatte immer dieses Gefühl alle Leute Die hatten gleich von vornherein einen besonderen Bonus, eine Sympathie von mir.

00:22:37: Die von anderen abgelehnt wurden und die so in der Gesellschaft nicht so anerkannt waren oder so.

00:22:44: Das hat bei mir immer dieses Gefühl raus.

00:22:46: Ich müsste mich da solidarisieren, ich müsste Flagge zeigen.

00:22:50: Und dann ist aber auch zu der Zeit meine Schwester gestorben.

00:22:54: Und das war dann auch noch mal ein Grund, wo ich gemerkt habe Mensch, dass Leben findet auf dünnem Eis statt.

00:22:59: Damals hieß es ja so immer, das wäre die schwulen solche und weiß ich was.

00:23:04: Aber dann tauchte er ja auch bald auf, dass das auch andere getroffen hatte, auch heterosexuelle in ihrem Sexualleben und so.

00:23:13: Ich habe also diese Ausbildung gemacht zur Sterbebegleitung Und dann habe ich auch ein paar Jahre Ehepaare betreut, die an KV hatten und erkrankt waren.

00:23:25: Ich hab sie bis zum Tod begleitet.

00:23:29: Wie waren denn die Achtzigerjahre für dich in Berlin?

00:23:32: In Berlin war ja wirklich so eine Spielwiese für so einen anderen.

00:23:35: Es war noch ein bisschen überschaubarer.

00:23:38: Heute ist irgendwie die Stadt Eins.

00:23:41: Damals war dann noch dieser kleine Teil ... West-Berlin überschaubar und man hatte seine festen Orte, wo man hingegangen ist.

00:23:51: Man musste sich gar nicht so groß verabreden.

00:23:54: Es hört sich nach Dorfcharakter an, aber es war tatsächlich so.

00:23:58: Und dann hat man für sich auch gefunden welche lokale Einblüging was ein inspiriert.

00:24:04: und so unter ist man da hingegangen und hat die Gleichgesinnten, die gleichdenkende.

00:24:09: Aber das ist auch etwas gewesen, was ich dann auch umgekehrt hatte.

00:24:13: Ich wollte nicht mit Menschen immer nur zusammen sein Die gleich denken wie ich.

00:24:18: Das ist vielleicht ganz nett, weil dann kannst du dich so ergehen in dieser Gemeinsamkeit.

00:24:23: Aber ich wollte eigentlich mit anderen Positionen und Gedanken mich auch auseinandersetzen.

00:24:29: Und das ist auch etwas, wo ich heute für plädiere, dass wir auch wenn manchmal irgendwie es so ist, man denkt, ich kann das gar nicht hören.

00:24:37: Denn da sage ich, du, das ist nicht meins!

00:24:40: Ich verstehe dich, das auszuhalten.

00:24:42: Es gibt natürlich Grenzen aber die müssen schon wirklich fassen.

00:24:47: dann sein für das Gesetz.

00:24:51: Aber alles andere, denke ich mir sollte man aushalten muss man nicht aushalten.

00:24:56: aber Weil ich möchte frei sein und ich möchte das dem anderen auch zugestehen.

00:25:04: Raus

00:25:04: aus der eigenen Bade?

00:25:05: Ja,

00:25:05: genau!

00:25:05: Das ist immer aus der Blase.

00:25:07: Das ist mal genau auch mein Punkt wo ich sage, bewegt euch da mal raus und dann versucht wenigstens mal zuzuhören was den Anderen bewegt warum das so und so ist.

00:25:18: Aber hattest du Lieblingsorte in Berlin damals?

00:25:22: Ich bin nicht so oft tanzen gewesen, ich war ... Also was ein Ort war für mich irgendwie das Achtspax in der Lacknitzstraße.

00:25:29: Und dann waren diese Diskussion im Dschungel natürlich nachher auch, der Legendäre und es war auch ein tolles Erlebnis fast genauso schön als ich das erste Mal ins Berge eingegangen bin viel, viel später.

00:25:42: Wie alt

00:25:42: warst du da?

00:25:43: Das erste Mal am Bergen?

00:25:44: Na

00:25:44: ja, das ist jetzt für irgendwie weich neunundsechzig.

00:25:48: Aber davor, es gab ja auch noch andere Läden wie Carter Blau und Interessor.

00:25:55: Also ich habe das dann ganz exzessiv, weil ... Das macht mir so ein Laune, weil ich finde diese Energie ist so gewaltig Und die erzeugt bei mir auch diese Energie, diese Lust aufs Leben und auch am Rad drehen und dass es so aufgehoben ist.

00:26:14: Das ist so alterslos für mich letztendlich.

00:26:16: Und ich weiß ja, egal wo ich heute auftauche wie nicht wahrscheinlich immer der älteste aber... Es war ja schon immer auch so Thema von jungen Leuten, auch von mir.

00:26:26: Man sagt wo, was wollen wir da hingehen?

00:26:28: Da sind nur die Jungen oder so... Wir haben überhaupt keinen Ort wo wollen wir tanzen gehen.

00:26:32: heute weiß ich also man muss wie gesagt raus aus seinen Schubladen denken muss dahin gehen wo man das Gefühl hat da gehöre ich hin und ich habe das Gefühl da gehörig hin weil es genau meinem Lebensgefühl entspricht.

00:26:44: Wie war dieser erste Clubbesuch bis du da zufällig reingerutscht hast gemerkt

00:26:47: Ich bin nicht

00:26:47: richtig, oder hast du dich entzieden?

00:26:50: Also ich hatte das natürlich schon im Kopf.

00:26:51: Ich wusste dass das Berg in so einem Club ist aber wie so viele Dinge im Leben habe ich mich immer... später aufs finden konzentriert, nicht aufs suchen und dass ich irgendwie so gezielt irgendwie ein Weg gegangen bin der genau dahin führt oder so.

00:27:06: Ich war offen meine Antennen waren ausgefahren für die Dinge die um mich herum sind und deshalb kommen manchmal so viele dinge auf einer zu und in diesem fall waren das auch zwei reizende junge medels die mich ansprachen auch wieder mal auf dem u-bahnhof.

00:27:22: kotbussator Ey, du siehst ja cool aus.

00:27:25: Wo gehst du denn hin?

00:27:28: Ich war auf dem R.A.-W-Geländeverabrede da gab es mal so eine Veranstaltung irgendwie wo man sich so locker, so Streetfood glaub ich.

00:27:37: Da waren die ersten kleinen Buden mit dem Streetfood und dann wer Lust hatte der hat Musik gemacht.

00:27:43: Es war also so ne offene Party Reihe.

00:27:47: da hab' ich mich immer rumgetrieben hab' gesagt da will ich hingehen Und haben dir gesagt wir gehen jetzt ins Berg ein Willste nicht mit.

00:27:54: Ich habe gesagt, das ist dieser Moment.

00:27:56: Ja, ich sage nur noch meinen Freunden ab und dann komme ich mit.

00:28:00: Und dann stand ich da eine halbe Stunde später mit den beiden Mädels vor der Tür und war ganz gespannt was da passierte.

00:28:07: Die wurden gefragt die waren auch noch sehr jung ob sie schon das Alter hätten?

00:28:10: Ja, einundzwanzig Wahnsinn!

00:28:12: Und ich stand ja neben ihnen und dachte nun ich müsste witzig sein und habe gesagt aber mich fragen Sie jetzt nicht wie alt ich bin doch das wollen wir jetzt wissen.

00:28:22: So, habe ich denen das gesagt.

00:28:23: Und dann haben die beiden Mädels mich so richtig im wahrsten Sinne des Wortes an die Hand genommen und haben mich ihren Freunden vorgestellt, die da waren.

00:28:31: Und dafür sagt hier den Gründer, den haben wir jetzt gerade kennengelernt oder so.

00:28:35: Der will sich das mal angucken – ich glaube irgendwie!

00:28:37: Da war ich natürlich auch.

00:28:39: irgendwie sofort von denen, also neugierig beäugt.

00:28:42: und dann ja was soll ich sagen?

00:28:45: Irgendwie war ich dann acht Stunden da hat mir die Seele aus dem Leib getanzt.

00:28:48: Und bin dann weiß ich was ganz spät abends wie so total beschwingt und beseelt Wie ein Luftkissenboot sag' ich immer weil das genau das entschuldigt zehn Zentimeter über der Erde nach Hause geschwebt und habe gesagt wie geil war das.

00:29:04: Das will ich jetzt öfters haben und habe dann auch exzessiv irgendwie diese Clubs abgeklappt.

00:29:10: Vorher noch, bevor es den Berger noch schnell ins Water geht oder denn noch in Körterblau Sisyphus später und abbaute Blänke und wilde Renate und irgendwie all wie sie heißen,

00:29:21: da gibt's noch

00:29:22: viel mehr.

00:29:23: Naja, Berger ist nochmal so besonders.

00:29:26: aber es gibt natürlich auch wo ich gerne hingehe vor allen Dingen im Sommer weil die so einen Tonnen Außenbereich haben.

00:29:32: Das ist auch immer interessant.

00:29:33: Jeder Klub hat eine bestimmte Sorte, Fanster und dann ist das das Süssifos Gewissen mehr ein bisschen hippiemäßig aber wunderbar!

00:29:42: Und ich gehe ja immer am Tage hin irgendwie weil diese... Am Anfang hab ich auch die Nacht noch mit einem bezogen.

00:29:49: Aber das habe ich nicht lange durchgehalten, weil ... Das passt mir nicht erst, dass man bis um ein Uhr wachbleiben muss, um überhaupt hinzugehen.

00:29:57: Denk ich immer, das hat was mit meinem Alter zu tun aber auch der etwas jünger.

00:30:00: Die Vierzigjährigen, die stöhnen schon!

00:30:03: Ja?

00:30:04: Irgendwie das als irgendwie ... Ich hab's

00:30:05: ja schon bei dreißig drüber gestöhnt.

00:30:07: Ich meine, die armen jungen Leute, die um Mittag nach Dinge, die müssen sich ja auch zum Vorglühen treffen.

00:30:15: damit sie wachbleiben.

00:30:16: Also es ist ja nicht so, dass Sie aus dem Stand heraus sagen ah das ist ein Uhr ich gehe los oder so man trifft sich hervorher um die Zeit noch abzukürzen bis es losgeht.

00:30:25: also ich denke mir das ist einfach nur Irgendwie so eine Entscheidung oder irgendeine Entwicklung.

00:30:31: Und es gab ja mal so ne Party-Reihe, da war ich natürlich auch Gast.

00:30:35: Morning Glory will das war das vor Arbeiten zu tanzen irgendwie auch auf dem RAW Gelände war ich auch gleich ein Fan von und bin dann da um sechs Uhr hingegangen und habe dann Drogen frei und Alkohol frei getanzt.

00:30:50: Das fand dich toll.

00:30:51: also in Berlin in dieser großen Stadt gibt es doch glaube ich für alle Varianten irgendwie so einen Publikum.

00:30:57: Also du trinkst gar keinen Alkohol und ...

00:30:59: Nee, wenn ich tanze nicht.

00:31:00: Aber auch so im Alltag vielleicht mal, wenn mich irgendwie zum Essen eingeladen bin, Glas Wein aber das war's dann auch schon.

00:31:06: Ja.

00:31:06: Wurdest du jemals abgelehnt vom Türsteher?

00:31:09: Das sollen die sich nicht wagen.

00:31:10: Nein, das war es nicht.

00:31:11: Es ist Altersdiskriminierung!

00:31:16: Und ab wann hast du angefangen dich so reservmodisch und stylish zu kleiden weg von eher experimentierfreudigen zu sehr eleganten?

00:31:23: Ja weil ich irgendwie für mich festgestellt habe, also ich finde man kann nur stilvoll älter werden.

00:31:28: Also ich meine für mich... Ich hab vielleicht zu viel Hollywood-Filme gesehen früher das kann sein.

00:31:34: aber für mich auch wenn die Leute manchmal fragen hast du denn keinen Jogginganzug oder so wenn du Zuhause bist?

00:31:39: Ich sage nee das habe ich nicht!

00:31:40: Aber ich habe wirklich einen wunderbaren Morgenmantel, also nicht ein Bade-Mantel oder so sondern einen Morgemantel.

00:31:48: Wie Garry Grento da Paul Newman oder weiß ich was all dieser Hollywoodgrößen in irgendwelchen tollen Filmen getragen hat.

00:31:55: und das ist für mich der Gipfel der Schönheit da den ganzen Tag drin rumzulimbeln und wirklich am Spiegel vorbei zu gehen um mich selbst zu grüßen oder so.

00:32:04: Also das ist wirklich der Hammer.

00:32:07: Ich meine man kann ja die Kleidung oder das Rad nicht neu erfinden oder so.

00:32:10: ich finde einfach schön gekleidet zu sein.

00:32:14: Irgendwie, ich finde das macht auch was mit einem und außerdem bringe ich ein bisschen Glanz oder weiß ich was?

00:32:20: Oder ein bisschen Schönheit ins Stadtbild oder so.

00:32:23: Aber das mache ja nicht dafür.

00:32:24: aber Ich weiß nur dass ich es heute transportiere, aber ich mach das für mich weil ich es selber toll finde!

00:32:30: Ich find' es richtig cool also mich im Jogger oder im Hon-Hudi zusehen oder so... Also denke ich mal wie wenig Glamouröser war.

00:32:40: die Deutschen können das auch sowieso glaube nicht so richtig.

00:32:43: Also es muss alles irgendwie praktisch sein, die muss reichen von morgen zur Arbeit gehen bis zum Theater.

00:32:51: Schade!

00:32:52: Aber auch okay.

00:32:53: Jeder soll das machen, wie er sich das vorstellt.

00:32:56: Nach

00:32:56: seiner Fassung?

00:32:57: Ja!

00:32:57: Ich muss grad an Karl Lagerfeld denken... Wer Jogging Hose trägt hat die Kontrolle über sein Leben verloren oder so?

00:33:03: Ja

00:33:03: ja genau.

00:33:04: Ja aber ich meine ich gehe auch ins Fitnessstudio und dann werde ich natürlich auch nicht mit Hut und Schleife dahingehend und so.

00:33:11: Ich glaube da gibt es gar keine Bilder von.

00:33:13: Aber ich habe ein Bild irgendwie wo ich für den Geräten stehe.

00:33:16: Aber meine Oma hat schon immer auch so gesagt So Dinge, die man jeden Tag in der Hand hat.

00:33:23: Egal was, es muss eine Schönheit für mich.

00:33:26: Das bestimmt man ja selber!

00:33:28: Natürlich habe ich auch schon aus dem Zahnputz welcher Sack getrunken und aber das ist ja möglich auf Dauer sicherlich nicht so mein Ding oder sowas.

00:33:39: Ich liebe Schönheit weil ich finde Schönheit ist nicht oberflächlich.

00:33:43: Oberflächlich ist nur wenn man die Dinge irgendwie oder das Äußere nur auf da drauf konzentriert.

00:33:51: Aber Schönheit finde etwas Wunderbares, weil es nähert auch so ein Gefühl und die Sinne.

00:33:59: Ich finde das ist toll.

00:34:00: ja!

00:34:01: Was wünschst du dir für Berlin?

00:34:03: Wenn wir von Schönheit sprechen?

00:34:04: vielleicht weiß ich nicht

00:34:05: Ja, ich wünsche mir in Berlin... Das können sich ja vielleicht viele nicht vorstellen.

00:34:10: Es ist ja eigentlich in dieser Zeit alles möglich, ich würde viel mehr dass die Leute wirklich rausfinden wer sie sind und auch danach leben und sich danach kleiden und nicht irgendwie so in der Komfortzone des Massengeschmacks oder der Masse bleiben, weil jeder ist einzelnd und besonders.

00:34:27: Und das muss ich doch auch in vielen Dingen niederschlagen – nicht nur im Gedanken!

00:34:32: Auch da liebe ich ja Abwechslung, auch wenn ich sie dann nicht zu meinen eigenen Gedanken mache, aber ich bin neugierig darauf.

00:34:40: Ich gehe auch auf die Leute drauf zu, auch die jungen Leute, weil es gibt Leute, Komischerweise ein Glanz eine Aura ich erkenne das und dann gehe ich hin.

00:34:52: Und die haben vielleicht sogar das was sich bei anderen gar nicht so gut finde oder so weil es grundsätzlich nicht so mein Ding ist.

00:35:00: aber, dann schaffe ich es dahin zu gehen und sagen dass irgendwie du du bringst das zum leuchten du du zeigst ja etwas Dass da mehr dazugehört, als wie dass ich Sachen nur anhabe und denke, ich habe damit irgendwie eine bestimmten Glanz oder ich transportiere was damit.

00:35:18: Das ist wichtig und das würde ich mir mehr wünschen.

00:35:21: Und dass die Leute miteinander reden natürlich, sich wahrnehmen und mitbekommen, dass sie nicht alleine auf dieser Welt sind auch immer wieder ein Thema für mich weil manchmal komme ich darauf zurück.

00:35:33: Ich bin so groß geworden da wurde es interessiert.

00:35:35: ne stehe auf jetzt gerade macht dieses und so habe ich immer gehasst hassen alle.

00:35:40: So.

00:35:40: heute weiß ich aber das bestimmte deal durchaus Sinn machen weise das zusammenleben einfach einfacher leichter und unkomplizierter machen.

00:35:50: Und das muss ich einfach auch feststellen, dass es so gewisse Dinge einfach konfliktfreier machen, das Miteinander in dem man einfach freundlich ist – und weiß ich was!

00:36:01: – und durchaus auch mal in seiner Tasche oder in seinem Beutel die man mitschleppt, paar Hände voll Freundlichkeit hat und lächeln.

00:36:09: Heute lebst du in einer WG in Kreuzberg.

00:36:11: Wie kann man sich diese WG vorstellen?

00:36:13: Wir haben jede Wohnung, es ist eine Hauswg.

00:36:16: Wir haben gemeinsam dieses Haus aufgebaut und sollte abgerissen werden.

00:36:20: Es sah auch dementsprechend aus.

00:36:21: wie hatten aber ein Traum.

00:36:23: wir hatten eine Vorstellung nicht im Alter isoliert irgendwo zu leben und gemeinsam ja zu diesem Zeitpunkt etwas zu schaffen.

00:36:31: was uns durch den Alltag trägt waren unterschiedliche Leute mit Kindern Ohne Kinderfamilie, das war alles.

00:36:39: Dabei unterschiedliche Berufe.

00:36:41: Wir wohnen jetzt fast vierzig Jahre da auch!

00:36:44: Und ja, jetzt sind die Kinder, die als Kinder da mit eingezogen sind.

00:36:48: Mit ihren Eltern.

00:36:49: Eltern sind welche gestorben und jetzt sind hier Kinder mit ihren eigenen Familien da so dass auch wieder Kinder lachen durchs Haus zieht.

00:36:56: Und hast du dann ein paar Kinder dabei?

00:36:58: Die jetzt auch im Club Alter sind und die mit dir...

00:37:01: Naja!

00:37:01: Ja, ja, da gibt es einen der eine legt doch auf und ich sagt mir den immer gar Günther, ich lege auf oder so kommst mal vorbei und so.

00:37:08: Ich sage ja das mach' ich, ja.

00:37:12: Was ist das Coolste, was jemand zu dir gesagt hat?

00:37:15: Dass ich so eine Inspiration bin.

00:37:17: Ich kann das nicht im Einzelnen sagen aber ich kriege so viele auch von den jungen Leuten Tolle Zuschriften und dass die mir was schreiben, weil sie merken der Alte ist irgendwie nicht der alte den ich irgendwie im Kopf habe in irgendeiner Schublade.

00:37:34: Alter schützt für coolness.

00:37:36: Und ich versuche mich ja nicht anzubieten oder so.

00:37:39: Das merken auch die Leute das isso und dann ist es echt und nicht komisch und nicht peinlich sondern... Authentisch.

00:37:47: Und das ist auch immer, was ich den Leuten sage sei du selbst verstehst finde das heraus und sei authentisch und spiele nicht eine Rolle.

00:37:54: Punkt schönes

00:37:56: Ja das Wort zum Sonntag auch am Mittwoch.

00:37:58: Vielen Dank

00:38:00: Bitte gerne.

00:38:02: Günther Kramhofft hat sich sein Leben zurückgeholt mit Stil, mit Haltung und einer Klarheit die man nicht lernen kann sondern leben muss.

00:38:11: Seine Geschichte zeigt es ist nie zu spät man selbst zu werden.

00:38:14: Wenn ihr noch mehr über ihn wissen wollt, dann könnt ihr seinen Buch kaufen.

00:38:17: Sei einfach du zum Jungsein bist du nie zu alt heißt es.

00:38:22: Und in der nächsten Folge reisen wir einmal um die halbe Welt und wieder zurück nach Berlin mit Teresa Casanova von Kuba in die DDR Von der Berliner Mauer zur Eastside Gallery.

00:38:32: Eine Geschichte über Kunst, Systeme und die Frage wie man Grenzen überwindet.

00:38:38: Ich bin Matti Geier und wir hören uns beim nächsten Mal

00:38:41: FluxFM, was für ein Leben.

00:38:44: Weitere außergewöhnliche Biografien auf fluxfmde.

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