Der Sohn aus dem letzten Deportationszug | Was für ein Leben - Folge 1
Shownotes
Aus einem kurzen Radiobeitrag wird ein bewegendes Zeitzeugengespräch. Alles beginnt mit einem Berliner Schnipsel bei FluxFM: Redakteur Matti Geyer erzählt vom letzten Deportationszug, der am 27. März 1945 Berlin in Richtung Theresienstadt verlässt. Mit an Bord: eine junge Mutter und ihr wenige Tage altes Baby. Eine Geschichte, die fast vergessen war. Bis sich 80 Jahre später ein Mann meldet. Michael Meisels hört den Beitrag und erkennt sich selbst darin wieder. Er ist dieses Baby. Vermutlich der jüngste Überlebende des Konzentrationslagers Theresienstadt. In dieser ersten Folge von "Was für ein Leben" erzählt er seine unglaubliche Geschichte: von seiner Mutter, die während des Holocausts untertaucht, ihn im Versteck zur Welt bringt und nur wenige Tage später mit ihm deportiert wird. Es ist eine Geschichte über Mut, Zufall und das Überleben in einer der dunkelsten Zeiten deutscher Geschichte. Trotz eines Schlaganfalls reist Michael Meisels extra aus Hamburg an, um im Studio bei FluxFM davon zu berichten.
Diese Folge ist der Ausgangspunkt für die ganze Podcastreihe.
Buchtipp zur Folge Im Gespräch geht es auch um das Buch "Heimat, deine Sterne …" (unter dem Pseudonym Michael Mandel erschienen). Ein ungewöhnlich erzählter Doku-Roman: Der Autor tritt darin in einen Dialog mit Gott, der die Lücken füllt, wo Erinnerungen fehlen. Gerade dieser besondere Zugang macht das Buch so eindringlich und persönlich.
Habt ihr eine Geschichte für uns? Kennt ihr jemanden, der oder die ein außergewöhnliches Leben geführt hat?
Eine Geschichte, die man einfach hören muss? Dann schreibt uns an matti.geyer@fluxfm.de
– vielleicht wird genau daraus eine der nächsten Folgen von "Was für ein Leben".
Zum Host des Podcasts: Matti Geyer arbeitet als Redakteur beim Berliner Radiosender FluxFM. Speziell durch seine Arbeit als Stadtführer von toursofberlin bringt er Expertise in Sachen Historie ins Programm ein.
Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:08: Manche Leben passen in keinen Lebenslauf.
00:00:11: Sie klingen wie ein Film nur ohne Drehbuch, jeder trägt so eine Geschichte
00:00:15: in sich.
00:00:16: Manche davon sind eher leise andere schlagen ein wie einen Donnerschlag.
00:00:21: Hi ich bin Mati Geier Redakteur bei Flux FM und das hier ist unsere neue Podcast Serie.
00:00:26: Was für Ein Leben.
00:00:27: Wir sprechen mit Menschen, die außergewöhnliches erlebt haben.
00:00:30: Menschen, deren Erinnerungen selbst ein Stück Zeitgeschichte
00:00:33: sind.".
00:00:34: Und diese erste Folge ist der Grund warum es diesen Podcast überhaupt gibt!
00:00:39: Vor einiger Zeit lief bei FluxFM einen Beitrag über den letzten Deportationszug aus Berlin am siebenundzwanzigsten März, nineteenhundertfünfundvierzig.
00:00:47: Gisela Meisel zwar ebenfalls untergetaucht aber am achtzehnten Februar, nineteen hundred und vierzig bringt sie ihren Sohn Michael zur Welt.
00:00:56: Bei der Geburt wird sie entdeckt.
00:00:58: Ihr Sohn ist nicht mal zwei Monate alt, als die beiden deportiert werden.
00:01:11: Und obwohl er kurz vor unserem Gespräch einen Schlaganfall hatte, ist er extra aus Hamburg zu uns in den Sender nach Kreuzberg gekommen um mit uns über sein Leben
00:01:34: zu reden.
00:01:43: Das wir jetzt hier miteinander reden haben wir ja einen Zufall zu verdanken.
00:01:46: sie haben ihre Geschichte beziehungsweise die ihrer Mutter wiedererkannt in einem Beitrag der bei uns lief über den letzten Deportationszug.
00:01:53: Der Verließ Berlin zwei Monate nach dem Ausschwitz zum Beispiel schon befreit war, das dritte Reich löste sich langsam auf und trotzdem wurden immer noch Juden verhaftet.
00:02:02: Und auch getötet.
00:02:03: Sie haben den Beitrag gehört uns eine Mail geschrieben.
00:02:05: für mich war das also wirklich ein Gänsehaut Moment muss ich sagen weil sehr viele Überlebende gibt es ja schon nicht mehr.
00:02:13: Den Gänselhaut moment den habe ich aber auch erlebt als ich gehörte habe dass sie meine Mutter und mich erwähnen.
00:02:20: hat ihre Mutter viel über diese Zeit erzählt
00:02:22: eigentlich Ganz, ganz wenig.
00:02:24: Fast nie!
00:02:25: Sie wollte immer nach vorne schauen und ich war als Jugendlicher nicht so richtig interessiert.
00:02:29: Mich haben die Beatles interessiert aber nicht die Nazis.
00:02:32: Sie ist dann später verunglückt im Auto und dann war es plötzlich zu spät.
00:02:36: Dann fing ich erst an, als sie gestorben war, fing ich jetzt an... ...zu bedauern dass sich sie nie gefragt
00:02:42: habe.
00:02:42: Sie haben ja dann aber später ein Buch darüber geschrieben über die Geschichte ihrer Mutter was ich bei meiner Recherche wiederum nicht gefunden hab weil sie's unter einem falschen Namen geschrieben haben aus Angst vor Neonazis.
00:02:53: Kommen wir auch gleich noch zu, ich habe das inzwischen gelesen wie viel ist denn da war und wieviel mussten sie sich dazu denken?
00:03:01: Ich musste mir eigentlich alle Dialoge und was ich da geschrieben hab, als Geschichte geschrieben, ich bin ein kreativer Texter.
00:03:09: die Tatsachen die ich beschrieben habe sind alle echt... ich habe recherchiert dann aber auch im meinem Kopf recherchierte was ich an Bemerkungen kleinen Bemerkung meiner Mutter Erwachsenen gegenüber, als ich noch Kind war.
00:03:24: Was sich so aufgeschnappt habe was gewesen sein könnte.
00:03:28: Eigentlich hab' ich aus einem oder zwei Sätzen meiner Mutter ein ganzes Kapitel gemacht und aus einem Satz meiner Oma das nächste Kapitel.
00:03:37: Fangen wir mal ganz vorhin an wo ist ihre Mutter groß geworden?
00:03:39: Und was haben die Eltern ihrer Mutter also ihre Großeltern gemacht?
00:03:43: Groß geworden in Berlin in der Kantstraße weiß nur die Namen und dass mein Großvater Kaufmann war.
00:03:51: Sie haben gut gelebt, es ging ihnen gut in der Kanzstrasse.
00:03:54: Es
00:03:54: ist keine
00:03:55: schlechte Gegend gewesen.
00:03:57: Gehörten ihre Großeltern zu denen die gesagt haben warten wir erst mal ab?
00:04:01: Ja wird schon nicht so schlimm.
00:04:02: Sonst wären sie ausgewandert und meine Großmutter hatte zwei Brüder.
00:04:07: die sind beide nach Amerika ausgewandert aber wohl noch ledig und meine sie war dann schon verheiratet und ist da geblieben.
00:04:16: erstmal man dachte wohl immer das wird schon ich so schlimm werden
00:04:20: Und dann ist ihr Großvater unter tragischen Umständen ums Leben gekommen.
00:04:25: Ist das wirklich so passiert wie im Buch?
00:04:27: Nicht, wie in meinem Buch aber überfahren wurde er.
00:04:29: Das ist auch wieder nur ein Satz.
00:04:32: Der Oper wurde überfahren von irgendeinem Nazi...
00:04:35: Also absichtlich überfahren.
00:04:36: Absichtlich
00:04:36: überfahren!
00:04:38: Das Buch dass wir jetzt hier erwähnt haben heißt übrigens Heimat Deine Sterne geschrieben unter dem Psoldonym Michael Mandel.
00:04:44: Was dieses Buch so besonders macht, ist sein ungewöhnlicher Stil.
00:04:48: Der Autor tritt in einen Dialog mit Gott und dieser Gott füllt dann die Lücken da wo die Erinnerung fehlen, wo die Mutter wie gesagt nicht mehr alles erzählen konnte.
00:04:58: aber gerade weil das
00:04:59: Buch nicht vorgibt
00:05:00: alles genau zu wissen wirkt es
00:05:02: wirklich ehrlich.
00:05:04: Ich kann das Buch sehr empfehlen.
00:05:05: man braucht zwar ein paar Seiten um sich an diesem Dialog zwischen Auto und Gott zu gewöhnen Aber wenn man erstmal drin ist lässt es einem nicht mehr los.
00:05:14: Wichtig für ihre Geschichte ist ja dann auch, wer ihr Vater ist.
00:05:17: Der kommt dann ins Leben ihrer Mutter weil Juden ja eigentlich Wohnungen verlassen mussten also gerade so eine größere Wohnung in Charlottenburg.
00:05:27: aber der Vermieter der sie dann verraten hat aber zu dem Zeitpunkt sich ja noch was einfallen lässt und er auf ihrer Seite ist ne?
00:05:34: Ja,
00:05:34: der Hausmeister!
00:05:36: Weil er hat dann auch oft geholfen und er hat die Untermieter besorgt weil keine Deutschen bei Juden wohnen wollten und so weiter hat er gesagt, ich kümmere mich mal.
00:05:46: Irgendwelche werden wir schon bei Ihnen reinkommen.
00:05:48: es sind genug ausgebompte Leute in der Zeit die wollen aber alle nicht.
00:05:52: Aber dann hatte ein wirklich das stimmt einen Chinesen Und einen Spanier.
00:05:56: den beiden war's egal bei Judens zu wohn'n.
00:06:00: Er hat sich eigentlich meiner Familie gegenüber immer positiv verhalten auch noch In der Nazi-Zeit.
00:06:08: Ich habe es dann so beschrieben, dass er selbst in Bedrängnis kam und uns dann mehr oder weniger aus Druck von einem Gestapo-Mann verraten hat.
00:06:18: Dann zog dieser chinesische Mann ein Spanier auch noch bei ihren Großeltern oder ihrer Mutter ein – die war ja damals noch, wie alt war ihre Mutter da?
00:06:26: Vielleicht.
00:06:28: Mit der Idee das wenn ein paar Zimmer an Nichtjuden vermietet werden, Und der Spanier, dass ihr Vater eigentlich älterer Mann verheiratet mit Kind.
00:06:41: Was wissen Sie über ihn?
00:06:42: Ich weiß das er in Andalusien geboren und in Barcelona gelebt hat.
00:06:47: In Barcelona verheiralte war im Krieg auf der Seite der Kommunisten gewesen ist und gefangen genommen wurde.
00:06:56: Er war Fliegertechniker Flugingenieur oder irgend sowas.
00:07:00: nicht Pilot ist in ein französisches Internierungslage gekommen und hat von dort aus sich gemeldet für Zwangsarbeit in Berlin.
00:07:12: Aus irgendeinem geheimnisvollen Grund ist er in Berlin frei rumgelaufen, aber hat zwangsarbeit machen müssen.
00:07:19: ich habe ja noch zwei dadurch zweieinhalb Schwestern.
00:07:22: die wundern sich auch.
00:07:23: ich hab sie gefragt warum ging es dem Jose, so hieß
00:07:28: der Vater.
00:07:30: Warum ging es dem Vater so gut in Berlin?
00:07:32: Warum konnte er als Anhänger das kommen und soweit unter dieser Nazi-Herrschaft frei in einer Wohnung leben musste aber auch zum Arbeitsdienst wie die anderen alle?
00:07:43: Wussten sie nicht.
00:07:45: Die wussten's auch nicht.
00:07:46: Das waren natürlich Kinder damals noch.
00:07:49: Also
00:07:49: er hat offenbar auch nicht viel darin erzählt später.
00:07:52: Ich weiß nicht, was er erzählt hatte.
00:07:54: Meine Mutter und meine Mutter hat wenigstens nichts erzählt.
00:07:58: Er hat in Ostberlin weitergelebt nach dem Krieg.
00:08:01: Und meine Mutter beworben ihn dann aber herzlich sogar um seine Mutter.
00:08:06: Ernsthaft?
00:08:07: Nicht nur weil ich passiert war, sondern weil er sie wohl mochte.
00:08:10: Aber er war ja verheiratet in Barcelona!
00:08:13: Und deshalb hat sie gesagt.
00:08:15: Und außerdem fand sie ihn ein bisschen
00:08:17: verrückt.".
00:08:20: Aber Sie sind ja verfallen, erst mal!
00:08:22: So sind Sie entstanden?
00:08:23: Ja Gott sei
00:08:24: Dank!
00:08:25: Wann kam aber dann die Entscheidung Ihrer Oma und ihrer Mutter unterzutauchen?
00:08:30: Dazu brauchte man ja Helfer, sonst hätte man nicht überlebt
00:08:34: Als ich sage mal die Einschläge näher rückten als schon in der Kanzstraße Verhaftungen bei Nacht- und Nebel waren oder auch beim Tage wo es Zuschauer gab, dass das für meine Oma der Anlass war.
00:08:46: Wir müssen hier weg!
00:08:48: Die sind schon drei Häuser weiter und verhaften.
00:08:51: Und dann sind sie aufgebrochen mit dem Wegelchen und hatten mit Leuten besprochen, wo sie im Keller unterkommen können – mit Freunden
00:08:58: usw.,
00:08:59: mehrere Adressen bis wir in Hangelsberg.
00:09:03: Das ist vor Berlin irgendwo.
00:09:05: Da gab es eine Laube von Berliner.
00:09:08: In dieser Laube einer Frau sind Sie untergekommen
00:09:12: Inzwischen auch unter falschen Namen?
00:09:15: Ja, oder ganz falsch.
00:09:16: Also manche nicht!
00:09:17: Sondern sie hatten damals die Papiere von Frankfurter Deutschen in die umgekommen waren bei Bombenangriffen.
00:09:25: Dann konnte man relativ unbürokratisch sich melden nach Bomben-Angriffen.
00:09:28: Es wusste ja eh keiner... Genau
00:09:29: da wurden die Papier gefleadert irgendwie von den Leuten die um gekommen sind und weiter verkauft.
00:09:35: Und mein Vater war da recht geschickt.
00:09:38: Irgendwie hat er die besorgt
00:09:41: Und ihre Mutter hat sich dann blond gefärbt bis die Haare.
00:09:45: Wie sind sie an Nahrung gekommen?
00:09:47: Nur durch Spenden, also durch die bei denen Sie untergekommen sind wurden sie mit ernährt.
00:09:53: Wie lange haben Sie untergetaucht gelebt?
00:09:54: von dreieinzig bis fünfundvierzig?
00:09:56: So ungefähr also bis zu meiner Geburt.
00:09:58: Ja Dann ist meine Mutter zurückgekommen nach Berlin wegen des Krankenhauses und der falsche Namen hatte gedacht das könnte klappen und ist in die Friedrichshain in die Klinik.
00:10:10: Ihre Mutter wurde ungewollt schwanger.
00:10:11: Hat sie jemals erzählt, wie sie sich in dem Moment gefühlt hat?
00:10:14: oder ihre Oma?
00:10:15: Gar nicht.
00:10:16: über so was es spricht man nicht mit seinem Sohn.
00:10:21: Sie schültern ja im Buch durch welchen Zufall ihre Mutter im Krankenhaus erkannt wurde.
00:10:26: entdeckt wurde
00:10:27: vom Hausmeister verraten.
00:10:30: aber wie wusste er dass ihr in diesem Krankenhaus liegt?
00:10:34: Wusste ich nicht, wie kann der Hausmeister der Kantstraßenwohnung?
00:10:38: Wie kommt er nach Friedrichsland?
00:10:39: Eine
00:10:39: Riesendestanz.
00:10:41: Ihre Mutter wollte das niemals rausfinden wahrscheinlich.
00:10:44: Das ist eine gute Frage.
00:10:47: Wette sie doch noch im Krieg?
00:10:48: vielleicht hat sie es gewusst mich aber nicht damit belastet.
00:10:51: Sie hat mich immer geschont.
00:10:54: eigentlich ging's.
00:10:54: Ich habe eine wunderschöne Kindheit verbracht
00:10:57: Aber es ist ihre Mutter wusste ja immerhin dass sie von dem Hausmeisters verraten wurde.
00:11:01: wie kam sie an die Information ran?
00:11:04: Das weiß ich nicht.
00:11:06: Also vielleicht hat sie doch Nachforschung angestellt, bei irgendeinen Akte gesehen?
00:11:10: Ja.
00:11:10: Wie ging es dann weiter?
00:11:11: Sie sind ja erst mal ins jüdische Krankenhaus gekommen.
00:11:14: Einer der wenigen noch jüdischen Orte in Berlin war aber unter Kontrolle der Nazis.
00:11:17: Unter Kontrolle und Geschlappung im jüdischem Krankenhaus haben die Nazis die Fachkompetenz der jüdlichen Ärzte genutzt für ihre Leute.
00:11:28: Deshalb haben sie das Krankenhaus erhalten aber unter Gestapo-Leitung.
00:11:33: Und dort wurden Leute hingebracht, die vielleicht nicht ganz transportfähig sind damit sie nicht tot in der Riesenstadt ankommen.
00:11:40: Außerdem so lange musste man dort warten bis wirklich überhaupt ein Transport noch ging in diesen Tagen.
00:11:46: In den letzten Tagen?
00:11:47: Ja
00:11:48: und deshalb hat man mich da aufgepeppelt.
00:11:50: ich bin ein ganz jämmerlicher kleiner schwacher eigentlich Todgeweiter Säugling gewesen.
00:11:55: Na ihre Mutter hatte ja kaum Nahrung gehabt?
00:11:57: Ja
00:11:58: gar nicht!
00:12:01: bin ich ein bisschen aufgepäppelt worden, sodass sich die Transporte überlebt.
00:12:05: Das
00:12:05: ist immer dieses Verrückte das dann Juden aufgepeppelt wurden um sie in der Vernichtung zu fahren?
00:12:12: Mit dem Ziel Arbeitskräfte zu transportieren.
00:12:15: Man wollte keine Sterbenden transportieren.
00:12:17: Bei ihnen ist es aber nochmal Verrückter sozusagen dass sie weniger Tage wochen alt sind normalerweise Kinder ja immer sofort
00:12:27: umgebracht wurden
00:12:30: Sie, als es als Zeugling nach Theresien stattgefahren wurden.
00:12:33: Deshalb meine Mutter muss mich derartig umklammert haben... ...dass mich keiner wegnimmt und an die Wand klatscht.
00:12:41: Und das verdanke ich ihr.
00:12:43: Hat sie erzählt wie sie sie beschützt hat?
00:12:47: Nein, nicht gesagt!
00:12:49: Aber sie muss ja.
00:12:50: Sie
00:12:50: muss ja, ich lebe.
00:12:51: Es geht mir sehr gut.
00:12:52: Das Verrückte ist ja auch jetzt hatten sie Glück Im Unglück, Sie und Ihre Mutter und Ihre Oma, dass sie so spät in Theresien statt ankamen und alle überlebt haben.
00:13:01: Weil das Lager dann bald darauf befreit wurde.
00:13:03: aber trotzdem herrschte er zu dem Zeitpunkt eine Typhusepidemie.
00:13:05: also wieder die Frage, die Sie wahrscheinlich nicht wissen Aber was ihre Mutter und ihre Oma da angestellt haben müssen Wie lange waren Sie im Theresienstadt?
00:13:14: Bis Mai Und ich weiß nicht wie lange wir dann noch Da geblieben sind bis wir zurück kamen nach Berlin.
00:13:20: Ich weiß, dass meine beiden Mutter und Großmutter Sich durchgeschlagen haben.
00:13:26: nach Berlin ein Wort.
00:13:29: Wir sind vorbeigekommen an Bergen von Toten, auf dem Weg nach Berlin – Berge von Totem!
00:13:38: Also die müssen irgendwie auf offenen Lastwagen getrempt oder sonst wie gelaufen und ich weiß nicht wann wir in Berlin angekommen sind.
00:13:48: Dort haben sie sich gemeldet und dort sind wir dann aufgenommen worden und haben dann sogar eine Wohnung bekommen.
00:13:58: Am Straußberger Platz in einer Seitenstraße gab es wieder Neid, weil wir wohnten in einer schönen für damals Wohnung und andere auf der Straße Und wir bekamen amerikanische Care-Pakete.
00:14:13: Da waren schöne Sachen zum Anziehen drin.
00:14:16: Ich war angeblich der bestangezogenste Junge in der Straße, weil alle anderen in Lumpen liefen und ich hatte amerikanische Strickwaren an.
00:14:24: Und halbe bunte Bonbons
00:14:26: gelutscht!
00:14:27: Wenn Sie sagen, Sie haben aus einem oder zweisetzten Kapitel gemacht?
00:14:30: Was sind denn so die Sachen, die Ihre Oma gesagt hat?
00:14:34: Diese Laube wo sie gelebt haben, die habe ich dann später als Kind noch besucht.
00:14:39: Da haben Sie mich mitgenommen, da wohnten inzwischen andere Leute drin... was hat sie noch erzählt das wir?
00:14:45: untergetaucht sind, bei Tante sowieso und bei Frau sowieso.
00:14:50: Und wie lange haben Ihre Mutter und Ihre Oma dann noch gelebt nach dem Zweiten Weltkrieg?
00:14:55: Meine Oma ist gestorben in den Seventon-Siebzig.
00:14:59: Hat die jemals was gesagt?
00:15:01: Noch
00:15:01: weniger!
00:15:04: Die haben mich alle getatschelt und gemacht... ...und auch du Süßele unterwegs.
00:15:09: Und Ihren Vater haben Sie denn je gesehen?
00:15:10: Ja.
00:15:11: Er hat sich zwei-, dreimal im Jahr als wir noch in Berlin lebten, gemeldet und hat mich getatscht.
00:15:18: Okay.
00:15:18: Ja?
00:15:19: Habe ich so ein paar nette Erinnerungen an einen lieben Onkel den meine Mutter aber mir nie als mein Vater vorgestellt hat sondern immer als das ist ein Freund deines Vaters dass sich einen spanischen Vater habe, hat sie mich gesagt Aber der Onkel der da kommt is' ein Freund Deines Vater's.
00:15:36: Das haben Sie erst später rausgefunden.
00:15:37: Das hab ich erst mehr oder wenig erst mit achtzehn.
00:15:40: Hat sie denn da eines Tages mehr gestanden?
00:15:43: Der Onkel Kevedo heißt er, ist dein Vater.
00:15:48: Und schon am selben Tag, na ja nicht so ganz kam der Onkel über die Grenze aus Ostberlin.
00:15:55: wir wohnten dann schon im besten und wollte mich sofort adaptieren weil er hatte nur zwei Töchter und er war ein klassischer Macho, er wollte einen Sohn haben und das habe ich nach kurzer Überlegung abgelehnt weil meine Mutter mich schließlich großgezogen und alles für mich getan und so weiter.
00:16:15: Und dann habe ich gesagt, tut mir leidig!
00:16:18: Also ein warmes Verhältnis zu ihm hatte ich nicht aber ein freundschaftliches.
00:16:22: Dann ist er zurück nach Spanien?
00:16:23: Nein, zurück nach Ost-Berlin.
00:16:25: Er ist in Berlin geblieben bis seinem Tod.
00:16:29: Als Kommunist hat er sich da richtig wohl gefühlt.
00:16:33: Er hat einen spanischen Bücherei aufgemacht dann in Ostberlin und hat zuletzt an der Humboldt Universität Spanisch gelehrt und spanische Literatur und spanischen Sprache.
00:16:46: Und Sie und Ihre Mutter wohnten dann in Westberlin?
00:16:48: In West
00:16:48: Berlin, wir haben da kaum noch Kontakt gehabt.
00:16:51: Wie lange hat Ihre Mutter noch gelebt?
00:16:53: Die ist einundachtzig durch einen Unfall ums Leben über Autounfall.
00:16:57: Da ist sie noch keine sechstig gewesen.
00:16:59: Eine große Frage die ich auch hatte ist ja dass ihre Mutter und ihre Oma zurück nach Deutschland gekommen sind und dann hier geblieben sind was er auch nicht selbstverständlich ist.
00:17:07: die meisten Juden die überlebt haben sind ausgewandert.
00:17:11: Wie kam es?
00:17:13: Sie waren sprachlich an Deutschland gebunden und kulturell an Deutschland gebunden, sozialisiert in Berlin.
00:17:21: Also eine ganz alte Berliner jüdische Familie.
00:17:23: Ja klar.
00:17:23: Trotzdem ist das man sich nicht unwohl fühlt dann...
00:17:26: Meine Mutter hat auch keine andere Sprache gesprochen also sie wollten beide wohl wieder zurück.
00:17:34: Inwiefern hat sie diese ganze Geschichte denn dann in ihrem Leben geprägt wenn sie da eigentlich gar nicht so viel von mitbekommen haben.
00:17:41: Wann haben Sie sich dafür interessiert?
00:17:44: Ehrlich gesagt nach Ihrem Ton.
00:17:46: Interessiert, richtig interessiert!
00:17:48: Woher habe ich mir dessen bewusst, wer ich bin und Therese in Stadt und was so passiert ist?
00:17:56: aber... Ich hab genau wie meine Mutter nach vorne gedacht wo geht's hin und ich will Musik machen, ich will Werbung machen ... Texte machen, ich war ja Texter.
00:18:07: Musik als Hobby oder?
00:18:08: Musik
00:18:08: als hobby, ja.
00:18:09: Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang waren das alles ich!
00:18:13: Ja okay... Und jetzt hatten wir es anfangs gesagt.
00:18:16: Sie haben dann später dieses Buch geschrieben unter falschen Namen aus Angst vor Anfeindungen von Rechtsaußen Neonazis.
00:18:23: Hatten sie da je schlechter Verwendung?
00:18:25: Nein!
00:18:26: Das muss ich ganz ehrlich sagen.
00:18:28: mir persönlich ist mein ganzes Leben lang noch nie was passiert.
00:18:32: Ich bin auch überhaupt nicht gläubig.
00:18:35: Ich habe mich nie als Jude zu erkennen gegeben, ohne es zu verheimlichen.
00:18:39: Ja...
00:18:40: ich bin in der Schule im Religionsunterricht immer vor die Klasse geschickt worden mit einem anderen jüdischen Jungen zusammen, denn hatten wir eine Freistunde.
00:18:49: also es war allen klar da sind zwei jüdische Kinder einer christlichen Klasse aber das hat niemand darüber gesprochen außer dass sich ein kleiner Lockenkopf war, darüber wurde gehänselt und so weiter, aber über Religion nicht.
00:19:05: Und in meinem erwachsenen Leben ist mir nie irgendwas begegnet oder was.
00:19:09: an Anfeindungen kenne ich nur aus den Medien.
00:19:12: Warum hatten Sie die Angst dann das unter Ihrem richtigen Namen zu... Ja wirklich!
00:19:15: Ich hatte die Angst
00:19:16: trotzdem
00:19:17: weil die Medien es im Moment doch deutlich machen lassen dass das Rechte immer weiter, immer näher und zu der Zeit als ich das Buch veröffentlichte gab es auch gerade so eine Welle von David Sternen an den Hauswändeln.
00:19:31: Ich habe das Buch auch nicht geschrieben um Literatur für die Öffentlichkeit sondern eigentlich für jetzt meine Kinder... ich hab drei ab mich dann erinnert meiner Mutter hat mir nie was erzählt.
00:19:42: eigentlich haben meine Kinder mich auch nie groß gefragt.
00:19:44: So ist das ja immer.
00:19:45: Deshalb wollte
00:19:45: ich denen das Buch schreiben und das haben sie jetzt im Regal.
00:19:52: Aber merken Sie irgendwie einen Unterschied zwischen als junger Erwachsener und jetzt, was Antisemitismus angeht in Deutschland?
00:20:00: Ja.
00:20:01: Ich merke es nur aus den Nachrichten, dass die AfDs dann hier eben über uns auch unten wieder eine Ecke... ...dass das immer schlimmer wird.
00:20:11: Und deshalb war jetzt vor acht Jahren schon sehr im Kommen das ganze Rechtezeug.
00:20:18: Ich sehe auch immer so wichtig, dass man diese persönlichen Geschichten noch weiter erzählt.
00:20:23: Weil die das so greifbar machen?
00:20:24: Ja was uns erwartet wenn Leute wie die AfD mächtiger werden?
00:20:29: und im Moment sind sie schon sehr sehr mächtig.
00:20:32: Das ist eine komplette Parallele und warum sieht das deutsche Volk nicht, dass es genauso abläuft wie damals.
00:20:43: Gibt's dann noch etwas was Sie loswerden wollen am Ende ?
00:20:46: Ich habe mal einen Satz als Schlusssatz
00:20:49: formuliert, nämlich
00:20:51: die Nazis haben schon damals nicht gewonnen.
00:20:56: Ein hoffnungsvoller Satz.
00:20:57: Stimmt!
00:20:58: Vielen Dank dass Sie sich die Zeit genommen haben das extra aus Hamburg hergekommen sind um uns ihre Geschichte und die Geschichte ihrer Mutter zu erzählen.
00:21:05: danke
00:21:06: Danke Ihnen.
00:21:07: Was für eine Wahnsinns-Familiengeschichte.
00:21:09: und ein wirklich sympathischer Mann.
00:21:14: Wenn ihr jemanden kennt, der oder die auch ein außergewöhnliches Leben geführt hat.
00:21:18: Oma, Opa, Tante Onkel, Mama, Papa, die Nachbarn, Freunde, jemand, der Geschichte nicht nur gelesen sondern selbst erlebt hat dann schreibt uns.
00:21:27: den Kontakt findet ihr in den Show Notes und in der nächsten Folge spreche ich mit Inge Albrecht über ihre spektakuläre Flucht aus der DDR.
00:21:35: gerade mal einundzwanzigjährig mit Gipsbein hat sie es geschafft.
00:21:39: im Jahr Ansonsten danke fürs Zuhören.
00:21:46: Mein Name ist Matti Geier,
00:21:53: bis dann!
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